Der Tod von Walter Schultheiß löst eine Welle der Anteilnahme aus. OB Frank Nopper sagt unserer Redaktion, er begrüße es, wenn ein Stäffele nach dem Schauspieler benannt wird.

Das Land trauert um eine Legende. Walter Schultheiß, der am 22. Dezember im Alter von 101 Jahren gestorben ist und am Freitag im engsten Familien- und Freundeskreis in Wildberg beerdigt wurde, galt als bekanntester Schauspieler von Baden-Württemberg und wird als prägende Figur der schwäbischen Kultur gewürdigt.

 

Bei der Trauerfeier kündigte Wildbergs Bürgermeister Ulrich Bünger an, dass in der Stadt, in der Schultheiß seit 1966 lebte, eine Straße in einem Neubaugebiet nach dem Ehrenbürger der Schwarzwald-Gemeinde benannt werden soll. Damit solle seine tiefe Verbundenheit mit Wildberg und seine Bedeutung für die Region dauerhaft sichtbar gemacht werden.

Auch Stuttgart könnte ein solches Erinnerungszeichen bekommen. Die Schauspielerin Monika Hirschle, langjährige Weggefährtin von Schultheiß, schlug bei der Trauerfeier vor, ein Stäffele nach ihm zu benennen. Die Oscar-Heiler-Staffel und die Willy-Reichert-Staffel gebe es bereits – nun sollte es auch eine Walter-Schultheiß-Staffel geben. Stuttgarter OB Frank Nopper begrüßt diese Idee. „Ich würde es für angemessen halten, ein Stuttgarter Stäffele nach dem ,Straßenkehrer’ Schultheiß zu benennen“, sagt er auf unsere Anfrage. Dies würde zu seinen schwäbischen Volksschauspielerkollegen Reichert und Heiler passen, die jeweils mit einer Staffel bereits geehrt werden.

Walter Schultheiß ruht auf dem Friedhof Wildberg, Foto: ubo

Die Butterbrezel von Walter Schultheiß

Bei der Beerdigung erinnerte Monika Hirschle an das, was sie von Walter Schultheiß gelernt habe: Präzision und perfektes Timing bei Pointen – aber auch ganz Praktisches. Vor einer Aufführung könne man nichts essen und wisse nie, wie anstrengend der Abend werde. Schultheiß habe in der Pause stets eine Butterbrezel gegessen, um nicht in den Unterzucker zu geraten. Diese Gewohnheit habe sie übernommen. „Bei jeder Vorstellung esse ich in der Pause eine Butterbrezel – und denke dabei an ihn.“

Auch der SWR würdigt den Schauspieler in besonderer Weise. Zu Ehren von Walter Schultheiß ändert das SWR-Fernsehen am Samstag, 3. Januar, sein Abendprogramm – die höchste Würdigungsstufe des Senders, wie der früher Schwabenlandfilm-Chef Frieder Scheiffele betont. Um 20.15 Uhr läuft die Dokumentation „Ein Jahrhundert Leben! Der Schauspieler Walter Schultheiß“, gefolgt um 21 Uhr vom Spielfilm „Global Player – Wo wir sind isch vorne“.

Blumen für Walter Schultheiß bei der Beerdigung in Wildberg. Foto: ubo

Bei der Beerdigung sprach außerdem Matthias Kleinert, früherer Regierungssprecher und Daimler-„Außenminister“ sowie langjähriger Freund der Familie. Er hob vor allem die Bescheidenheit von Schultheiß hervor, die stets mit seiner Größe verbunden gewesen sei. Schultheiß habe in jeder Lebenslage einen Spruch parat gehabt und immer das Positive gesehen. Selbst als er nicht mehr aus dem Bett aufstehen konnte, habe er nicht geklagt oder gejammert. „Er war zu Recht der Stolz der Schwaben“, sagte Kleinert. Schmunzelnd erinnerte er an eine Reporterfrage, die Schultheiß mit 85 gestellt worden sei, als er noch jeden Abend auf der Bühne stand: Was er denn mache, wenn er das eines Tages nicht mehr könne und nicht mehr so geistig fit sei? Die Antwort: „Dann gehe ich in die Politik.“

In den sozialen Medien würdigen Hunderte von Fans den Schauspieler mit Erinnerungen, Zitaten und Dankesworten. Viele teilen Anekdoten, die seinen Humor und seine Schlagfertigkeit widerspiegeln.

Eine solche Geschichte erzählte Schauspieler Christoph Hofrichter. Nach der Beerdigung von Dieter Eppler hätten sich die Trauergäste bedrückt in einem Birkacher Lokal versammelt. Walter Schultheiß sollte als Erster sprechen, ein Mikrofon war aufgestellt – doch es kam kein Ton. Schultheiß rief sofort mit kräftiger Stimme in den Saal: „Der wahre Künstler zeigt sich erst beim Stromausfall.“ Das Gelächter sei groß gewesen, der Trauerbann gebrochen.

„Er wird uns auf ewig ein leuchtender Stern am Theaterhimmel sein“

Axel Preuß, Intendant der Schauspielbühnen Stuttgart, erklärte: „Die Komödie im Marquardt trägt Trauer. Wie kaum ein anderer Schauspieler prägte Walter Schultheiß unsere Vorstellung davon, was modernes Volkstheater ausmacht und wofür wir es lieben.“ Mit Humor, Menschenliebe und großer Schauspielkunst habe er das Publikum über Jahrzehnte begeistert. „Er wird uns auf ewig ein leuchtender Stern am Theaterhimmel sein.“

Produzent Frieder Scheiffele, der zahlreiche Filme mit Schultheiß realisierte, betonte dessen persönliche Qualitäten: „Walter Schultheiß stand für Qualität, Kollegialität, Loyalität, Klugheit und Verlässlichkeit.“ Er sei immer dagewesen – „wie ein geliebtes Familienmitglied“. Seine Lebensleistung sei außergewöhnlich, der Verlust schmerze sehr. Kaum ein Schauspieler sei so bescheiden gewesen wie er. „Andere verlangten ein King-Size-Bett im Hotel oder Mondwasser“, berichtet Scheiffele, „Walter war mit ganz normalem Sprudel glücklich und fuhr abends nach Hause – das sparte uns Hotelkosten.“

Intendant Kai Gniffke: „Er und sein einzigartiger Humor werden uns fehlen“

Auch SWR-Intendant Kai Gniffke fand eindringliche Worte: „Kann man sich Baden-Württemberg ohne Maultaschen, ohne Kehrwoche, ohne Walter Schultheiß vorstellen?“ Er würdigte Schultheiß als großartigen Schauspieler und Urgestein des Mundart-Schauspiels, der als Vermieter Rominger im „Bienzle“-Tatort weit über den Südwesten hinaus bekannt wurde. „Der Mensch und Künstler Walter Schultheiß und sein einzigartiger Humor werden uns sehr fehlen.“

Die zahlreichen Reaktionen zeigen: Walter Schultheiß war eine Identifikationsfigur – für das Theater, für den Humor und für das gesamte Schwabenland.