In New York City (Bild rechts) haben Bahar Braunbach und Sebastian Beck Models die Haare frisiert. Foto: Bahar Braunbach, Imago Images
Bei der New Yorker Fashion Week haben Bahar Braunbach und Sebastian Beck aus dem Kreis Ludwigsburg mit Designern gearbeitet, Models frisiert und unvergessliche Erfahrungen gesammelt.
Kathrin Klette
24.03.2026 - 06:04 Uhr
Einmal hinter den Kulissen der Fashion Week in New York dabei sein, mit bekannten Models und aufstrebenden Designern zusammenarbeiten – diesen Traum haben sich die Friseurin Bahar Dilara Braunbach aus Bietigheim-Bissingen und Sebastian Beck, der einen Salon in Ludwigsburg betreibt, im Februar erfüllen können. Als zwei von nicht mal 20 Friseuren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz durften sie das Event hautnah erleben.
Für die 37-jährige Bietigheimerin war es nicht der erste Besuch auf einer internationalen Modewoche. Erst 2025 war sie dank persönlicher Empfehlungen auf der Pariser Fashion Week zu Gast – eine für sie unvergessliche Erfahrung. New York allerdings, das war eine echte Premiere.
„Das war schon immer mein Traum“
„Am ersten Tag nach der Ankunft hatten wir noch frei und konnten uns etwas akklimatisieren“, erzählt Bahar Braunbach. Danach aber ging es fast Schlag auf Schlag: „Jeden Tag, irgendwann zwischen 22 und 0 Uhr, bekam man eine Nachricht, wann und wo der nächste Termin sein wird.“ Wer Pech hatte, musste um 2 Uhr loslegen. „Das hatten wir beide aber zum Glück nicht“, ergänzt Sebastian Beck (38) schmunzelnd.
Für die dreifache Mutter Bahar Braunbach hat sich mit dieser Reise ein echter Herzenswunsch erfüllt – die Begeisterung ist ihr mit jedem Wort anzumerken. „Das war immer schon mein Traum“, verrät sie. Umso dankbarer sei sie ihrem Mann, der sie dabei so unterstütze und sich in der Zeit um die Kinder gekümmert hat.
Die Trennung sei natürlich nicht einfach. „Vor Ort denkt man dauernd an zu Hause, ob es allen gut geht.“ Trotzdem möchte sie diesen Weg gerne weitergehen und noch mehr erleben, solange es gesundheitlich noch geht. Denn die 37-Jährige leidet seit einigen Jahren an einem schweren Herzfehler. „Es ist mir außerdem wichtig, meinen Kindern damit zeigen zu können: Ihr könnt eure Träume wahrmachen, wenn ihr es wirklich möchtet.“
Von Rasta-Look bis Turmfrisur: Hier haben Bahar Braunbach, Sebastian Beck und ihr Team Hand angelegt. Foto: Bahar Braunbach
Und wie war es so, hinter den Kulissen einer der wichtigsten Modewochen der Welt? Kurz gesagt: „Völlig chaotisch“, erinnert sich Sebastian Beck und lacht. So geordnet und fokussiert sich auf dem Laufsteg später alles abspielt, so hektisch geht es bei den Vorbereitungen oftmals zu. Zum Beispiel, wenn eines der Models erst fünf Minuten vor ihrem Auftritt erscheine. „Es kam auch ab und zu vor, dass wir mit einer Frisur fast durch waren, und plötzlich hieß es: Wir wollen doch was Anderes.“
Als die beiden einmal auf einem Termin ankamen, „kam plötzlich eine zweite Designerin, die wir nicht kannten, auf uns zu“, erinnert sich Sebastian Beck. „Sie war ganz aufgeregt, weil Drehteams von Amazon und Netflix da waren, um hinter den Kulissen eine Doku zu drehen.“ Daraufhin habe man nicht nur spontan auch mit der neuen Designerin zusammengearbeitet, „auch bei den Drehs waren wir mittendrin“.
Und ist denn was dran an den bekannten Klischees? Vom stutenbissigen Model, vom unberechenbaren und tyrannischen Designer? „So, wie wir es erlebt haben, überhaupt nicht“, betont Bahar Braunbach. „Alle, mit denen wir zu tun hatten, waren richtig nett und herzlich.“ Beck kann das nur bestätigen: „Was man so bei Germany’s Next Topmodel gezeigt bekommt, das entspricht null den Tatsachen. Zum Beispiel kam ein Designer gleich am Anfang auf uns zu, hat uns gedrückt und sich bei uns bedankt, dass wir da sind.“
Doch die heile Welt hat auch Risse. „Eine Designerin war dabei, die Kinder als Models eingesetzt hat, junge Kinder“, erinnert sich Bahar Braunbach. „Die haben dauernd geweint und wollten das alles nicht.“ Als Mutter werde sie so etwas nie verstehen. „Da habe ich mich tatsächlich geweigert, zu frisieren.“ Namen dürfen sie grundsätzlich aber nicht nennen.
Weitere Reisen geplant
An Highlights in New York mangelte es trotz dieser einen schlechten Erfahrung nicht. Allein die Ergebnisse der eigenen Arbeit in großen Modemagazinen wie der Elle oder der Vogue später wiederzusehen, sei großartig gewesen. „Oder wie begeistert die Menschen dort von unserer Arbeit waren.“ Einmal sind die beiden nach einer Show sogar zufällig der Sängerin Rihanna begegnet. „Die gesamte Woche war etwas ganz Einzigartiges und das Größte, was man in unserem Beruf erreichen kann“, schwärmt Bahar Braunbach.
So aufregend die Erfahrung auch war, dauerhaft so zu arbeiten, kann sich der verwitwete Sebastian Beck nicht vorstellen. „Es ist toll, so aus dem Alltag auszubrechen, aber ich bin happy mit meinem Salon und meinem Team“, sagt er. Die Erfahrung will er aber nicht missen. Demnächst möchte er selbst mal nach Paris zur Fashion Week. Bahar Braunbach zieht es außerdem nach London und Mailand. „Und 2027 vielleicht nach Miami.“