Vorbereitung auf die Tour Deshalb ist Florian Lipowitz noch nicht am Limit
Der Radprofi aus Laichingen bereitet sich im Höhentrainingslager auf die Frankreich-Rundfahrt vor – und erwartet einen extrem harten Kampf um die Podiumsplätze.
Der Radprofi aus Laichingen bereitet sich im Höhentrainingslager auf die Frankreich-Rundfahrt vor – und erwartet einen extrem harten Kampf um die Podiumsplätze.
Florian Lipowitz ist derzeit im Höhentrainingslager. In der Sierra Nevada bereitet er sich auf die Tour de France vor. Das bedeutet, sich in der Sonne Spaniens zu schinden, bei 35 oder 36 Grad stundenlang Intervalle unterschiedlicher Intensität zu fahren, nur begleitet von ein paar Teamkollegen. Und trotzdem den Blick fürs große Ganze nicht zu verlieren.
Wann immer er Zeit hat, schaut Florian Lipowitz (25) deshalb auf den Giro d’Italia. Auf die Etappen, die Ergebnisse, die Erlebnisse seiner Gefährten aus dem Rennstall Red Bull-Bora-hansgrohe. Und natürlich auf die Erfolge von Jonas Vingegaard.
Der Däne dominiert den Giro. Wenn alles normal läuft, wird er die Rundfahrt an diesem Sonntag in Rom gewinnen. Im Rosa Trikot, begleitet vom Respekt des Feldes. Und von Florian Lipowitz. „Er erfüllt die Erwartungen, ist superstark unterwegs“, sagt der Radprofi aus Laichingen, „es wird interessant zu beobachten, wie er den Giro verarbeitet. Und wie er zur Tour de France kommt.“
Das größte Rennen der Saison beginnt am 4. Juli in Barcelona, auf diesen Termin ist die gesamte Planung von Florian Lipowitz ausgerichtet. Aber nicht nur von ihm. „Der Kampf um die Plätze auf dem Podium“, sagt der Tour-Dritte von 2025, „wird sehr, sehr hart.“
Favorit Nummer eins ist Tadej Pogacar. Der Superstar aus Slowenien will seinen fünften Tour-Sieg einfahren, damit die Legenden Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain einholen. Sein härtester Widersacher dürfte Jonas Vingegaard werden, der Gewinner von 2022 und 2023. Und dann gibt es noch Paul Seixas, das französische Wunderkind. Den 19-Jährigen, erklärt Florian Lipowitz, werden Pogacar und Vingegaard „im Auge behalten. Er könnte sie herausfordern.“ Gilt das auch für ihn selbst?
Der frühere Biathlet ist kein Mann für Kampfansagen – der Satz, den Journalisten am häufigsten von ihm hören, handelt davon, dass er sich „keinen Druck“ mache. Das ist, zumindest offiziell, auch diesmal seine Herangehensweise an die Tour. Teamintern, so ist zu vermuten, wird dagegen Klartext gesprochen.
Red Bull-Bora-hansgrohe gehört mit einem Jahresetat von angeblich rund 50 Millionen Euro zu den potentesten Rennställen im Peloton. Und hat entsprechende Ansprüche. „Das Team“, sagt Florian Lipowitz, „spekuliert aufs Tour-Podium.“ Und wird dafür, trotz der Erfahrungen von 2025, erneut eine Doppelspitze ins Rennen schicken.
Vor einem Jahr funktionierte die Zusammenarbeit zwischen den beiden Anführern Primoz Roglic und Florian Lipowitz überhaupt nicht, taktisch ging ziemlich viel daneben. Dass der Mann von der Schwäbischen Alb bei seiner Premiere bei der Frankreich-Rundfahrt trotzdem Dritter wurde, war eine außergewöhnliche Leistung – der Rückstand auf Pogacar (11:00 Minuten) und Vingegaard (6:36) aber auch groß. Diesmal werden Doppel-Olympiasieger Remco Evenepoel und Florian Lipowitz die Führungskräfte von Red Bull-Bora-hansgrohe sein, und der Deutsche geht davon aus, dass die Kooperation besser funktioniert: „Wir respektieren uns gegenseitig, werden es als Team gut organisieren.“ Und vielleicht hilft ja auch die Streckenführung.
Die Tour beginnt mit einem Mannschaftszeitfahren in Barcelona. Der Plan dürfte klar sein: Evenepoel, der dreimalige Weltmeister im Kampf gegen die Uhr (2023 bis 2025), führt sein Team zum Sieg und übernimmt das Gelbe Trikot, das er an den ersten Tagen verteidigt. Und in der letzten Woche, wenn in den Alpen nicht nur die Bergriesen warten, sondern auch zwei Etappenankünfte in L’Alpe d’Huez, spielt Florian Lipowitz seine Stärken in den langen Anstiegen aus. „Die dritte Woche“, erklärt der Laichinger, „liegt mir.“
Die Konkurrenz muss diese Worte nicht gleich als Drohung verstehen, das Selbstbewusstsein ist aber auch nicht zu überhören. Geholt hat Florian Lipowitz sich die Zuversicht in einem starken Frühjahr mit drei Podiumsplätzen in einwöchigen Etappenrennen. Allerdings musste er sich dabei Tadej Pogacar (Tour de Romandie), Jonas Vingegaard (Katalonien-Rundfahrt) und Paul Seixas (Baskenland-Rundfahrt) geschlagen geben. „Sie waren mir jeweils einen oder zwei Schritte voraus“, sagt Florian Lipowitz. Umso wichtiger sei nun die Vorbereitung auf die Tour: „Ich hoffe, dass ich noch das eine oder andere Watt draufpacken kann.“
Bis zum 10. Juni wird er in der Sierra Nevada bleiben, dann die Slowenien-Rundfahrt bestreiten und anschließend im österreichischen Kühtai noch einmal ein Höhentrainingslager absolvieren. „Mein Ziel ist, möglichst frisch in die Tour zu starten, auch mental“, sagt Florian Lipowitz, „ich bin noch nicht an meinem Leistungsmaximum angekommen.“