Vorwürfe in der Hard-Techno-Szene Stuttgarter Proton-Club ändert Line-Up – auch andere Festivals betroffen

In der Hard-Techno-Szene rumort es seit einigen Tagen (Symbolbild). Foto: IMAGO/NL Beeld

Die Hard-Techno-Szene ist in Aufruhr: Vorwürfe gegen bekannte DJs erschüttern die Community. Stuttgarter Clubs reagieren vorsorglich und ändern ihr Line-up.

Stadtkind: Tanja Simoncev (tan)

Stuttgarter Clubs und Festivals aus der Region ändern seit einigen Tagen das Line-up ihrer Veranstaltungen. Der Grund sind teils schwerwiegende Vorwürfe gegen DJs und Angehörige der Hard-Techno-Szene. Verbreitet werden diese Vorwürfe über den Instagram-Account „bradnolimit“.

 

Brad enthüllt Missbrauchsvorwürfe in der Hard-Techno-Szene

Eine Person, die sich Brad nennt, hat den Account offenbar ins Leben gerufen und teilt seit ein paar Tagen Screenshots und Postings im Minutentakt und ohne Triggerwarnung. Er bezeichnet sich selbst als ehemaliger Partner von Steer Management, einer der größten Booking-Agenturen der internationalen Hard-Techno-Szene, die unter anderem einige der angeprangerten Künstler vertritt.

Die Agentur selbst reagierte zügig mit einem Statement, in dem sie erklärte, die Vorwürfe mit „größter Ernsthaftigkeit” zu behandeln und eine „gründliche Prüfung” eingeleitet zu haben.

Steer Management setzt Zusammenarbeit mit DJs aus

Kurz darauf folgte ein zweites Statement der Agentur, dass man angesichts der sich häufenden Anschuldigungen die Zusammenarbeit mit den betroffenen Artists vorläufig aussetzen werde.

Shlomo, einer der in den Posts erwähnten Künstler, meldete sich ebenfalls zu Wort. Der DJ weist die Darstellungen zurück, spricht von einer Diffamierungskampagne auf Basis falscher Informationen, kündigt rechtliche Schritte an und erklärt, sich für die kommenden Wochen aus der Öffentlichkeit zurückziehen zu wollen.

Seitdem wird im Netz diskutiert, die Community zeigt sich im Zwiespalt. Debattiert wird etwa darüber, dass viele Clubs und Festivals entsprechende Künstler direkt aus ihrem Line-up genommen haben – auch Stuttgarter Clubs und Festivals in der Region ziehen vorsorgliche Konsequenzen, wie das Proton und Wet Open-Air in Sindelfingen.

Proton Club setzt auf weiblichen Headliner nach Shlomo-Vorwürfen

In einem Instagram-Statement vom Proton ist zu lesen: „Aufgrund der jüngsten Entwicklungen im Zusammenhang mit Shlomo haben wir uns als Club dazu entschieden, euch einen alternativen, weiblichen Headliner zu präsentieren.“

Man sei keine juristische Instanz und wolle auch keine Bewertung der aktuellen, öffentlichen Diskussion vornehmen. Unabhängig davon wolle man das Vertrauen, die Sicherheit und das Wohlbefinden der Community an erste Stelle setzen.

Und genau diese reagiert auf das Statement ganz unterschiedlich. Manche loben die Entscheidung mit „Word!“ und „Stabil“, andere sind aber auch enttäuscht und sauer. Von einem „Random Post“ ist die Rede, Begriffe wie „Vorverurteilung“ und „Selbstjustiz“ fallen. Außerdem wird die Frage aufgeworfen, warum nicht direkt ein weiblicher Main Act gebucht worden sei.

Die Stuttgarter DJ Kiti Arsa schreibt unter dem Instagram-Posting: „Gute und konsequente Entscheidung von euch. Wenn Missbrauchsvorwürfe im Raum stehen, ist es richtig zu handeln das ist Verantwortung, kein Drama. Aber bei so einem Thema jetzt Leute zu markieren mit ,Dann leg’ du halt auf’ oder über freie Slots zu diskutieren, ist ehrlich gesagt fehl am Platz. Es geht hier nicht um Line-up-Politik oder darum, wer davon profitiert. Es geht um ein ernstes Thema. Ein bisschen Empathie und Mitgefühl wären angebracht. Und Frauen sind keine Tokens oder Lückenfüller, die man bei einem Skandal einfach austauscht und sagt, nehmt dafür weibliche DJs.“

Vishy ersetzt DJ im Stuttgarter Club-Line-up

Der Club Proton wollte sich auf konkrete Nachfrage nicht weiter dazu äußern, gab aber noch am gleichen Tag einen neuen, weiblichen Headliner bekannt – Vishy, eine vielversprechende und aufstrebende Nachwuchskünstlerin aus der Hard-Techno-Szene.

Auch beim Wet Open-Air in Sindelfingen nahmen die Veranstalter die Vorwürfe zur Kenntnis. Dort reagierte man ebenfalls mit einem Statement über Instagram. „Am vergangenen Wochenende haben uns schwerwiegende Vorwürfe gegen einzelne Artists aus unserem aktuellen Line-up erreicht. Auch wenn bislang keine abschließenden Ergebnisse vorliegen, nehmen wir solche Hinweise sehr ernst und gehen verantwortungsvoll sowie mit der gebotenen Sorgfalt damit um.“

Respekt, Sicherheit und ein verantwortungsvolles Miteinander würden die Grundlage des Wet Festivals bilden. „Dafür stehen wir als Veranstalter:innen ein.“ Man sehe sich in der Verantwortung, die betreffenden Acts bis zur abschließenden Klärung der Vorwürfe aus dem Line-up herauszunehmen.

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