Wärmepläne Kommunen machen ehrgeizige Wärmepläne
Baden-Württemberg will Vorreiter bei der sogenannten Wärmewende sein. Eine erste Untersuchung zeigt, wie ambitioniert einige Kommunen ihre Wärmeplanung angehen. Doch schaffen sie auch die Umsetzung?
Baden-Württemberg will Vorreiter bei der sogenannten Wärmewende sein. Eine erste Untersuchung zeigt, wie ambitioniert einige Kommunen ihre Wärmeplanung angehen. Doch schaffen sie auch die Umsetzung?
Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) hat bei der Umsetzung der Wärmewende für eine Verstetigung der Bundesförderung von kommunalen Wärmenetzen plädiert. „Wir brauchen da eine auskömmliche und nachhaltige Förderung“, sagte Walker am Montag in Stuttgart. Es brauche ein klares Signal und ein Bekenntnis, dass die Förderung des Bundes über 2028 hinaus gehe. „Da brauchen wir Leitplanken, die über Legislaturperioden hinausgehen.“ Sie warnte allerdings auch: „Wir werden nicht alles durch Förderung von Land und Bund finanzieren können.“ Walker plädiert dafür, dass im Land Möglichkeiten geschaffen werden, damit Kommunen oder kommunale Unternehmen selbst Kredite aufnehmen können, um die Wärmewende zu finanzieren. Bei den Kommunen trifft der Vorschlag auf offene Ohren. Es gehe um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sagte die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Städtetags in Baden-Württemberg, Susanne Nusser. Die Städte nähmen diese Herausforderung an.
Das Umweltministerium hatte im vergangenen Jahr einen Wärmegipfel ins Leben gerufen. Die Teilnehmer – darunter Handwerker, Energieversorger, aber auch Sparkassen und Kommunalverbände – haben ein ganzes Maßnahmenbündel erarbeitet, wie die Wärmewende auf kommunaler Ebene gelingen kann. Einige der Vorschläge des Wärmegipfels hätten bereits in den den Haushaltsentwurf des Landes für 2025/26 Eingang gefunden, sagte Walker. So will sie sich dafür stark machen, dass Verfahren und Genehmigungen für die Wärmeplanung beschleunigt werden. Auch die regionalen Energieagenturen sollen neu aufgestellt werden. Auch Themen wie Wärmepumpencoaches will die Umweltministerin angehen.
Das ist auch notwendig. Denn der Gebäudesektor ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg des Landes zur Klimaneutralität. Baden-Württemberg hat sich ehrgeizigere Klimaziele gegeben als der Bund oder die EU. Bis 2040 will das Land klimaneutral sein. Dafür soll unter anderem der Gebäudesektor bis 2030 seine Emissionen gegenüber 1990 um 49 Prozent senken. Ein zentraler Punkt dafür ist die Wärmeplanung der Kommunen.
Eigentlich hatte der Bund Kommunen erst bis spätestens 2028 verpflichtet, eine Wärmeplanung vorzulegen, an der Immobilienbesitzer ablesen können, mit welchem Heizsystem sie in Zukunft planen können und ob sie etwa an ein Fern- oder Nahwärmenetz angeschlossen werden können. Baden-Württemberg ist schon einen Schritt weiter. Das Land hatte schon vor dem Bund die rund 100 größten Städte im Land verpflichtet, bis Ende 2023 eine Wärmeplanung vorzulegen. Darüber hinaus haben einige freiwillig eine Wärmeplanung gemacht.
Das Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung hat nun 126 bereits vorgelegte Wärmepläne im Vorfeld des Wärmegipfels – vor allem von Mittel- und Großstädten – ausgewertet. Das Ergebnis: Die Kommunen setzen sich und ihren Einwohnern nicht nur ehrgeizige Ziele beim Energiebedarf, der um rund ein Drittel sinken soll. 45 Prozent des Energiebedarfs soll in den vorliegenden Wärmeplänen 2040 über Wärmenetze abgedeckt werden. Auf das gesamte Land projiziert – also auch kleinere Gemeinden einbezogen – gehen die Experten davon aus, dass Wärmenetze 2030 rund ein Viertel der Energie bringen werden, 2040 könnten es schon 41 Prozent sein.
Doch bislang sind das nur Pläne. Und es gibt Unsicherheiten – etwa wenn der Einsatz von Wasserstoff geplant ist. Einige Kommunen hätten bereits Schritte zur Umsetzung in die Wege geleitet, sagte die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Städtetags, Nusser. Es gebe Städte, die schon sehr weit seien. Doch die eigentliche große Aufgabe der Umsetzung stehe noch bevor.