Ursache sind Ufereinbrüche wegen des Hochwassers: Das fest im Boden verankerte Absperrgitter nahe der Vogelmühle wird nicht mehr abgebaut.

Wenige Wochen erst ist es her, da lautete die Rubrik unserer Zeitung: „Tote Hose auf dem Remstalradweg.“ Mehr Wind ist seitdem nicht in die Szenerie entlang des Flüsschens gekommen.

 

Stattdessen muss man mittlerweile konstatieren: Der nordwestliche Teil des Radwegs ist nicht nur vorübergehend leblos, sondern vermutlich auf Dauer: Der Abschnitt zwischen Waiblingen-Hohenacker (Rems-Murr-Kreis) und Remseck bleibt wohl dauerhaft gesperrt. Licht am Horizont? Derzeit nicht erkennbar.

Radtour mit Pro Velo entlang der Rems

Offenkundig wurde diese für viele Freizeitradler, aber auch Spaziergänger nicht erfreuliche Entwicklung kürzlich natürlich bei einer Fahrradtour. Diese hatte den Titel „Gemeiderad(t) Tor“, wurde organisiert vom Verein Pro Velo in Waiblingen, und in die Pedale stiegen neben den Vereinsmitgliedern auch Stadträtinnen und Stadträte sowie Vertreter aus den Fachabteilungen im Rathaus.

Die Strampeleinheit startete am Verwaltungszentrum in der Innenstadt und führte dann entlang der Rems bis kurz vor jenem nördlichen Abschnitt des Remstalradwegs, der seit dem Hochwasser von Anfang Juni 2024 gesperrt ist. Aus Sicherheitsgründen darf dort niemand mehr unterwegs sein, so die Stadt.

Erste provisorische Absperrung wurde oft ignoriert

Zunächst stellte der Waiblinger Bauhof im vergangenen Jahr nahe der Vogelmühle (auch als Remsmühle bekannt) unterhalb von Hohenacker eine provisorische Absperrung auf, um die Radler und Spaziergänger aufzuhalten. Nachdem dies über Monate hin jedoch ignoriert worden war, folgte Mitte März dieses Jahre ein fest im Boden verankertes Gitter – dies ist im Prinzip unüberwindlich, da zudem die Absperrung links bis fast einen Meter in die Rems ragt und rechts am Hang eine Ansammlung von Baumstämmen den Weg versperrt.

Anfangs meist ignoriert: Schilder und Absperrungen hinter der Remsmühle. Foto: Dirk Herrmann

Zunächst hieß es von diversen Beteiligten, die Absperrung bleibe „bis auf Weiteres“ dort. Nun steht fest: Bis auf Weiteres heißt eher Jahre oder Jahrzehnte, man könnte auch sagen: dauerhaft, auf ewig. Dies zumindest ließ der ebenfalls bei der Pro-Velo-Tour mitradelnde Waiblinger Oberbürgermeister Sebastian Wolf durchblicken.

Die Nachfrage bei diversen beteiligten Behörden bestätigt diese wenig erfreuliche Perspektive. Die Waiblinger Rathaussprecherin Gabriele Simmendinger verweist auf die seit Längerem bekannte Tatsache, dass beim Hochwasser vor gut einem Jahr der Radweg „an drei Stellen so unterspült wurde, dass die Gefahr droht, dass durch eine Belastung weitere Teile des Radwegs plötzlich in die Rems abbrechen“.

Radweg liegt im Vogelschutzgebiet Unteres Remstal

Der betroffene Teil des Radweges zwischen der Remsmühle und der Gemarkungsgrenze nach Remseck befindet sich nach Simmendingers Angaben innerhalb des Naturschutzgebietes Unteres Remstal, des Flora-Fauna-Habitat-Gebietes Unteres Remstal und Backnanger Bucht und des Vogelschutzgebietes Unteres Remstal. „Die Schutzgebiete überlagern sich und geben vor, in welchem Maß hier eingegriffen werden darf.“

Insbesondere sei hier der Lebensraumtyp „Auenwälder mit Erle, Esche und Weide“ betroffen. „Dies bedeutet, dass der bestehende Weg nicht einfach wiederhergestellt werden kann, weil damit in die Böschung der Rems und somit in den geschützten Lebensraum eingegriffen werden müsste“.

Stadt Waiblingen hat die Verkehrssichergspflicht

Aktuell und wohl zumindest auch die kommenden Jahre „ist das Befahren des Weges nicht möglich“, so die Auskunft der Verwaltung. Simmendinger: „Die Stadt Waiblingen hat die Verkehrssicherungspflicht zu wahren.“

Ähnlich pessimistisch, zumindest aus Radfahrer-Sicht, äußert sich auch das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart. Eine Sprecherin der Behörde erklärt: „Der von Unterspülungen und Uferabbrüchen betroffene Streckenabschnitt des Remstalradweges umfasst insgesamt eine Länge von etwa 400 Metern und befindet sich zudem an einem Prallhang der Rems.“

Folglich sei dieser Bereich stets der stärkeren Strömung der Rems ausgesetzt. Dies bedeute für die Sanierung dieses Streckenabschnittes, „dass dieser dauerhaft mit einer Verbauung gegen die Einwirkungen der Wasserströmungen gesichert werden muss“.

400 Meter des Remstalradwegs sind betroffen

Eine mögliche Variante sei eine sogenannte Holzkrainerwand. „Auch wenn dies eine ingenieurbiologische Bauweise ist, handelt es sich dennoch um einen massiven Verbau aus einer Kombination von Wasserbausteinen, Wurzelstämmen und einer Holzkrainerwand. Diese müsste über den komplett betroffenen Streckenabschnitt von etwa 400 Meter gebaut werden.“

Die RP-Sprecherin: „Aufgrund des großen Ufereingriffes, der hierfür erforderlich wäre, und der massiven Verbauung ginge eine solche Sanierungsmaßnahme weit über eine Unterhaltungsmaßnahme hinaus und würde einen Gewässerausbau darstellen.“

Rechtliche Hürden für Remstalradweg

Fazit: „Eine Sanierung wäre somit möglich, jedoch mit sehr hohen rechtlichen Hürden verbunden“, so die Sprecherin des Regierungspräsidiums. Die Stadt Waiblingen habe ein Planungsbüro beauftragt, das mögliche Sanierungsoptionen bearbeite.

Für die kommenden Jahre bleibt Radfahrenden also nur, nach Ersatzrouten zu suchen. Das Waiblinger Rathaus erklärt dazu: „Derzeit kann nur die Umfahrung über Hohenacker oder Hegnach angeboten werden.“ Unter Beteiligung aller zuständigen Behörden würden derzeit im Übrigen alternative Radwegführungen geprüft.