Waiblingen Traditionsmetzgerei Kübler meldet Insolvenz an – Mitarbeiter bangen um Jobs

, aktualisiert am 12.04.2025 - 13:25 Uhr
Aus der Produktionsstätte der Metzgerei Kübler in Waiblingen dringen keine Signale, auch der Imbiss ist verwaist. Foto: Gottfried Stoppel

Bombennächte, Wiederaufbau, Wirtschaftswunder – all das hat die Traditionsmetzgerei Kübler in 135 Jahren Firmengeschichte überlebt. Nun aber steht das Familienunternehmen mit gut 100 Mitarbeitern auf der Kippe.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)

Was viele geahnt, einige gemunkelt hatten, scheint nun Gewissheit: Die traditionsreiche Metzgerei Kübler hat beim Amtsgericht Stuttgart einen Insolvenzantrag gestellt. Betroffen ist der Fleisch verarbeitende Betrieb in Waiblingen – Herzstück eines Unternehmens, das seit 135 Jahren fest im schwäbischen Handwerk verankert ist. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Stuttgarter Rechtsanwalt Tibor Daniel Braun bestellt.

 

Bereits Ende Februar war der Direktverkauf im Gewerbegebiet Ameisenbühl geschlossen worden. Der ebenfalls dort betriebene Imbiss – einst Anlaufstelle für Berufsschüler und Handwerker – ist inzwischen verlassen, im Aushang ein lapidarer Hinweis: „Bis auf Weiteres geschlossen.“

Der aktuelle Inhaber, Philipp Kübler, äußert sich bisher nicht zu der finanziellen Schieflage des Unternehmens. Foto: (Archiv) Marta Popowska

Kübler äußert sich bisher nicht

Weder Philipp Kübler, Inhaber in fünfter Generation, noch Geschäftsführer Markus Kröher äußern sich zur Lage. Die auf der Internetseite des Unternehmens angegebenen Durchwahl- und Mobilfunknummern – tot. Auch eine schriftliche Anfrage unserer Zeitung bleibt unbeantwortet. Der Insolvenzverwalter, noch ganz am Anfang des Verfahrens, kann oder will noch keine Perspektiven nennen. Und so bleibt vorerst unklar, wie es weitergeht – für das Unternehmen, die Belegschaft, die Kunden.

Die Schließung des Direktverkaufs hatte Philipp Kübler Mitte Februar noch mit einer Umstellung der Produktion erklärt. Man wolle sich künftig auf Halal-Produkte konzentrieren, ein Wachstumsmarkt. Eine Kooperation mit einem großen Händler für türkische Lebensmittel war geplant. Doch daraus wurde offenbar nichts.

Vertrauenskrise bei Metzgerei Kübler: Rückrufe gefährden Image

Die Verunsicherung kommt nicht von ungefähr. Zuletzt waren es Rückrufe, die Risse im Image der Großmetzgerei offenbarten. Dosenwurst, die nicht ausreichend gegart war – Frankenkrone Bauernpresssack, Jagdwurst und Schinkenwurst – sollte nicht verzehrt werden, die Rede war von drohender Verderblichkeit. Vertrauensverlust ist in der Lebensmittelbranche wie Rost im Stahl – schwer zu stoppen und fast unumkehrbar.

Dazu kommt ein Umbau mit Fragezeichen: Kübler wollte sich neu aufstellen, den Fokus auf die Halal-Produkte legen. Der Markt wachse, hieß es, man wolle sich „nicht verzetteln“. Doch schon 2021 war deutlich geworden, dass sich die Metzgerei in schwerem Fahrwasser befindet. Die Filiale in Stuttgart-West, einst das Herzstück des Betriebs, wurde geschlossen. „Der Fleischmarkt hat sich verändert“, sagte Geschäftsführer Philipp Kübler damals. Das Unternehmen verlagere den Schwerpunkt auf den Großhandel – scheinbar ein logischer Schritt, wirtschaftlich begründet.

Wandel im Fleischmarkt und Filialschließung

Doch auch das neue Konzept schien nicht zu greifen. Zwar gab es Modernisierungsmaßnahmen, den Ausbau des Direktverkaufs und Investitionen in eine „Fleischmanufaktur für Feinschmecker“. Aber gleichzeitig wuchs wohl auch der Kostendruck, die Konkurrenz durch Discounter und vegane Alternativen wurde härter. Und dann kam auch noch Corona.

Auch der Versuch, sich mit neuen Ideen zu retten, half offenbar nicht: Gemeinsam mit den Zogaj-Brüdern, die zuvor in der Boxszene aktiv waren, rief Kübler den „Wurst Discounter“ ins Leben. Eine clevere Idee gegen Food Waste: Fehlerhafte, aber einwandfreie Produkte zu Discountpreisen. Fast drei Tonnen Fleisch und Wurst pro Woche, die sonst auf dem Müll gelandet wären, fanden plötzlich Abnehmer – vor allem Rentner, die jeden Cent dreimal umdrehen müssen. Doch offenbar war auch das kein finanzieller Rettungsanker.

Innovative Ideen gegen Food Waste, aber kein Rettungsanker

Seit 1890 prägt die Familie das Fleischerhandwerk in Stuttgart und Umgebung. Bombennächte, Wiederaufbau, Generationswechsel – all das überstand die Metzgerei. Doch der Druck der Gegenwart scheint größer: sinkende Nachfrage, hohe Standards, starke Konkurrenz. Das Vertrauen der Kundschaft ist angeknackst, der Markt hart, die Konkurrenz flexibel. Die Mitarbeiter in Waiblingen – derzeit rund 100 – bangen um ihre Jobs. Der Rest ist Hoffnung: auf eine Sanierung, auf eine Zukunft. Noch ist es nicht das letzte Kapitel – aber das vorletzte könnte es sein.

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