In der Tiefgarage eines Supermarkts in Möhringen ist eine Frau von augenscheinlich Gehörlosen überrumpelt worden mit der Aufforderung, Geld zu spenden.

Lokales: Armin Friedl (dl)

Eine Frau parkt gerade ihr Fahrzeug ein, als eine fremde Person an ihre Scheibe klopft. Diese nutzt den Überraschungsmoment, zeigt der Autofahrerin einen Zettel, auf dem sie unter anderem das Wort Gehörlosenzentrum erkennen kann. Offensichtlich handelt es sich hier um eine Spendenliste. Sie gibt der fremden Person fünf Euro, die damit aber nicht zufrieden ist. Diese verweist auf die Spendenliste, auf der Beträge zwischen 50 und 100 Euro stehen.

 

Spendenliste zwischen 30 und 50 Euro

Der hier geschilderte Fall ist nun schon einige Jahre her, die Betrugsmasche selbst ist aber noch nicht veraltet. Dieses Erlebnis schildert uns eine Leserin aus diesen Tagen: „In Möhringen war ich zum Einkaufen unterwegs. In der Tiefgarage eines Supermarkts kontaktierte mich eine Dame – scheinbar taubstumm. Sie deutete auf ihr Klemmbrett und signalisierte, sie sammle Spenden für Behinderte.“ Die Frau gab ihr einen kleinen Betrag und habe sich in eine Liste eingetragen. Dort seien Beträge zwischen 30 und 50 Euro eingetragen gewesen. „Ich wurde aufgefordert, mehr zu geben und lehnte ab“, sagt die Frau. „Zuhause kam mir die Sache komisch vor. Bei einer Internet-Recherche bin ich dann auf diese falschen Spendensammler aufmerksam geworden. Leider fiel ich darauf herein und habe der Dame Geld gegeben.“

Überraschungssituation wird ausgenutzt

Das Ärgern darüber, überrumpelt worden zu sein, ist da oft größer als der reine Geldverlust. Die Beispiele zeigen aber auch, dass diese Betrüger danach streben, mehr als fünf Euro abzugreifen, dagegen muss man erst mal in einer Überraschungssituation gefeit sein. Die Polizei nimmt deshalb entsprechende Hinweise ernst. Wobei Polizeisprecherin Charlotte Weller bemerkt: „Es gibt derzeit aus keinem der Dezernate der Stadt entsprechende Meldungen, dass dort solche Betrüger unterwegs sind.“ Aus Markgröningen, Weil der Stadt oder Böblingen gab es allerdings Meldungen.

Polizei früh informieren

Das heißt freilich nicht zwangsläufig, dass der jüngst erlebte Zwischenfall unserer Leserin ein Einzelfall ist: „Ich kann ja irgendwie nachvollziehen, dass man wegen fünf Euro nicht die Polizei rufen will. Vor allem, wenn man sich da vor allem über sich selbst ärgert“, so Weller. Sie ergänzt aber auch: „Für uns ist es aber auch schon sehr wichtig und hilfreich, wenn wir möglichst gleich danach darüber informiert werden. Je eher, um so höher ist die Chance, dass wir diese Menschen auf frischer Tat ergreifen können.“ Auf diese Weise lassen sich auch am ehesten Geschädigte ermitteln.

Denn klar ist auch: Allein aufgrund der hier beschriebenen Taten müssen Festgenommene kaum mit schweren Konsequenzen rechnen. Das hat sich auch schon bei unseren früheren Recherchen in dieser Sache gezeigt. „Ein Betrug ist nur schwer nachzuweisen“, hieß es damals aus der Staatsanwaltschaft. Meist könnten die Opfer nicht ausfindig gemacht oder die Geldscheine zugeordnet werden. Oder es handelt sich nur um geringe Summen. Mögliche Verfahren müssen deshalb wegen Geringfügigkeit eingestellt werden. Dann gebe es auch keine entsprechenden Vermerke bei diesen Personen.

Aber hier geht es ja auch darum, die Menschen auf diesen Betrug hin zu sensibilisieren. Denn dass diese Menschen schnell dabei sein, auch höhere Beträge einzufordern, das beweisen sie allein schon mit ihren Spendenlisten.