Was ist das Christentum? Was glauben Christen? Das Christentum von A bis Z

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Knapp 2,3 Milliarden Menschen gehören der größten Weltreligion an, die auf das Leben und die Lehre Jesus von Nazareth zurückgeht. Das Christentum ist gespalten in Tausende Kirchen und Konfessionen. Was ist das Gemeinsame und was das Trennende?

Die Kuppel des 1894 bis 1905 erbauten Berliner Doms auf der Spreeinsel, eine der größten evangelischen Kirchen in Deutschland. Foto: Mauritius Foto:  
Die Kuppel des 1894 bis 1905 erbauten Berliner Doms auf der Spreeinsel, eine der größten evangelischen Kirchen in Deutschland. Foto: Mauritius

Stuttgart - Mit 2,3 Milliarden Anhängern ist das Christentum die größte Religionsgemeinschaft der Welt – gefolgt vom Islam mit 1,3 bis 1,5 Milliarden Gläubigen. In Deutschland leben knapp 50 Millionen Christen. Doch nur eine Minderheit geht regelmäßig zum Gottesdienst und engagiert sich in den Gemeinden. Wir haben nach dem Islam-Abc nun auch ein Abc des Christentums zusammen­gestellt und erklären Begriffe von A wie Abendmahl über R wie Reformation und S wie Sexualmoral bis Z wie Zölibat:

A wie Abendmahl

Seit es christliche Gemeinden gibt, wird das Abendmahl gefeiert. Als Danksagung (von griechisch „eucharistéo“) ist es eine der grundlegenden Ausdrucksformen des christlichen Glaubens. Alle Kirchen sehen in ihm eine Erinnerungsfeier an das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern vor seiner Verhaftung und Kreuzigung. Allerdings wird das, was im Abendmahl geschieht, und die Weise, wie Christus gegenwärtig ist, theologisch sehr unterschiedlich gedeutet. Die Katholische Kirche spricht von der Eucharistie, in der die Gläubigen die Kommunion empfangen (von lateinisch „communio“, Gemeinschaft). Durch die Einsetzungsworte des Priesters im Hochgebet wird das Brot zum Leib und der Wein zum Blut Christi gewandelt (sogenannte Transsubstantiation, lateinisch für Wesensverwandlung). Martin Luther war der Auffassung, dass Christus in Brot und Wein körperlich zugegen ist (sogenannte Realpräsenz). Nach reformiertem Verständnis (Hulderych Zwingli, Jean Calvin) ist das Abendmahl nur ein Zeichen (Symbol) für die Gegenwart Gottes. Die evangelischen Kirchen sprechen statt von Eucharistie von Abendmahl, um den Zusammenhang der Feier mit dem letzten Mahl Jesu deutlich zu machen. Während in der Katholischen Kirche die Eucharistie fester Bestandteil eines jeden Gottesdienstes ist, feiern Protestanten das Mahl weniger häufig, aber wenigstens einmal im Monat.

B wie Bibel

Das Wort Bibel (von altgriechisch „biblia“, Bücher) bezeichnet die Sammlung heiliger Schriften von Juden und Christen. Tanach ist der Name für die jüdische Bibel, die aus 24 Büchern besteht. Die evangelischen Kirchen haben den Tanach übernommen und in 39 Bücher eingeteilt. Hinzu kommen die 27 Schriften des griechischen Neuen Testaments – zusammen 66 Bücher. Katholische Bibeln umfassen 73 Bücher. Martin Luther hatte nämlich sieben Bücher, die im jüdischen Tanach ausgeschlossen wurden und in der katholischen Tradition Teil der Bibel waren, aus seiner Bibelübersetzung entfernt. Die Bibel ist innerhalb eines Zeitraums von rund 1000 Jahren entstanden. Die ältesten Texte stammen aus dem neunten und achten Jahrhundert v. Chr., die jüngsten aus der Zeit um das Jahr 100 n. Chr. Neben Geschichtsbüchern finden sich Gesetzestexte, Erzählungen, Lieder, Gedichte, Gebete, Predigten und Briefe. Das Alte Testament vereinigt die Zeugnisse der Geschichte und des Glaubens des Volkes Israel, das Neue Testament berichtet von Jesus, seinem Leben und seinen Lehren sowie der Zeit der frühen christlichen Gemeinden. Nach kirchlicher Lehre enthält die Bibel Gottes geoffenbartes Wort. Ihre Schriften entstammen – ähnlich wie die des Koran für Muslime – göttlicher Inspiration.

C wie Christentum

Eine von fünf Weltreligionen (neben Buddhismus, Hinduismus, Islam, Judentum), die aus dem Judentum hervorgegangen ist. Im Mittelpunkt der Glaubenslehre steht Jesus von Nazareth. Nach seiner Kreuzigung und Auferstehung erkannten seine Anhänger in ihm den Sohn Gottes, Messias und Erlöser. Das Christentum ist eine monotheistische Religion: Seine Anhänger glauben an den einen, dreifaltigen und allmächtigen Gott. Die christliche Theologie dreht sich um Jesu Opfertod am Kreuz, durch den er die Menschen von Sünde und Schuld befreit und sie mit Gott versöhnt hat. Mit knapp 2,3 Milliarden Anhängern ist das Christentum vor dem Islam (1,3 bis 1,5 Milliarden) und dem Hinduismus (rund 900 Millionen) die am weitesten verbreitete Religion. Weil die erste Offenbarung an den biblischen Stammvater Abraham ergangen ist, bezeichnet man Christentum, Islam und Judentum auch als abrahamitische Religionen. Die zahlreichen Konfessionen und Kirchen innerhalb des Christentums lassen sich in vier Hauptgruppen zusammenfassen: Römisch-Katholische Kirche (rund 1,2 Milliarden Mitglieder), orthodoxe Kirchen (220 bis 250 Millionen), Anglikanische Kirche (80 Millionen). Innerhalb der protestantischen Kirchen (rund 800 Millionen) ist die Anfang des 20. Jahrhunderts entstandene Pfingstbewegung die weltweit am stärksten wachsende Strömung im Christentum.

D wie Dreieinigkeit

Für Muslime ist die christliche Lehre von der Dreifaltigkeit, Dreieinigkeit oder Trinität (von lateinisch „trinitas“, Dreizahl, Dreiheit) unvereinbar mit dem Glauben an den einen Gott – Allah. Deshalb wirft der Islam dem Christentum vor, einen Dreigötterglauben (Tritheismus) zu vertreten. Doch auch Christen glauben an den einen Gott – und zwar in den drei Gestalten Vater, Sohn und Heiliger Geist. Deswegen gehört das Christentum wie das Judentum und der Islam zu den monotheistischen Religionen (Glaube an den einen allumfassenden Gott). Allerdings ist kein Thema des christlichen Glaubens so rätselhaft wie das Bekenntnis zur Dreieinigkeit: Der Vater ist der Schöpfer der Welt. Er sendet seinen Sohn, um die Welt zu erlösen. Durch seinen Kreuzestod und seine Auferstehung befreit Christus die Menschen von Sünde und Schuld. Der Heilige Geist, den Christus sendet, ist die schöpferische Kraft, die alles Leben zusammenhält und auf den Auferstandenen hinlenkt. In der Bibel selbst findet sich noch keine Trinitätslehre, es gibt nur einige Formulierungen, in denen von Vater, Sohn und Geist gesprochen wird. Die eigentliche theologische Lehre wurde bis zum Ende des siebten Jahrhunderts von den ersten Konzilien herausgebildet, nachdem um rund 200 die Vorstellung aufkam, Jesus sei von Gott nur adoptiert worden und demzufolge nur ein Mensch (sogenannter Adoptianismus).

E wie Ehe

Im Christentum ist die Ehe die lebenslange Verbindung zwischen Mann und Frau. Während die Katholische Kirche sie als Sakrament einstuft, hat Martin Luther sie ein „weltlich Ding“ genannt. Das Wort Sakrament kommt vom Lateinischen „sacramentum“ – Heilszeichen. Es meint ein Zeichen, durch das der Mensch seinen Glauben bezeugt und in dem gleichzeitig Gott für ihn erfahrbar wird. In der Bibel wird die Ehe von Jesus als unauflöslich betrachtet. „Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen“ (Matthäus-Evangelium Kapitel 19, 6). Deshalb ist in der Katholischen Kirche eine Wiederverheiratung Geschiedener auch unmöglich. Nicht die Kirche oder der Priester spenden das Ehe-Sakrament, sondern die Ehepartner einander, wann immer sie das Jawort in der kirchlich anerkannten Formulierung sprechen. Nicht der Trauritus allein ist entscheidend, sondern das gesamte gemeinsame Leben als Paar und Familie ist sakramental. In der Evangelischen Kirche ist eine erneute kirchliche Trauung unter bestimmten Voraussetzungen möglich. So darf zum Beispiel der künftige Ehepartner nicht für die Scheidung mitverantwortlich sein.

F wie Fundamentalismus

Der Begriff religiöser Fundamentalismus kommt vom Lateinischen „fundamentum“, Grundlage, Grundanschauung). Gemeint ist eine äußerst konservative, einseitig an der Bibel orientierte und von ihrer buchstäblichen Irrtumslosigkeit überzeugte Frömmigkeit. Heute dient Fundamentalismus auch als Bezeichnung für radikale Strömungen in anderen Religionen und Bewegungen. Der religiöse Fundamentalismus ist ein globales und sich zunehmend verschärfendes Problem. Der Begriff stammt ursprünglich aus einem christlichen Kontext: 1910 bis 1915 veröffentlichten Theologen der evangelikalen Bewegung in den USA die Schriftenreihe „The Fundamentals“ über die Fundamente des christlichen Glaubens. Mittlerweile ist der Begriff zum Synonym für eine radikale Denkhaltung, für Intoleranz, Engstirnigkeit, Antimodernismus und Wissenschaftsfeindlichkeit geworden. Fundamentalisten sind überall dort zu finden, wo soziale Verunsicherung und ­kultureller Wandel Traditionen und Werte hinweg spülen. Religion wird zum wichtigsten Halt in einer als feindlich empfundenen Lebenswelt – in Form eines intoleranten, starren Dogmatismus, der nur die strikte Befolgung von Glaubenssätzen fordert. Jedes Abweichen von der reinen Lehre wird als Sünde und Abkehr vom rechten Pfad gebrandmarkt. Die Absolutsetzung der Religion findet sich im modernen Islam genauso wie im US-Protestantismus oder im Hinduismus. Der evangelische Theologe Peter Zimmerling erklärt: „Entscheidend für das Verständnis des Fundamentalismus ist, dass es sich um eine moderne Bewegung handelt. Am deutlichsten wird ­seine Modernität daran, dass er traditionelle religiöse Überzeugungen ideologisiert. Dadurch wird die jeweilige vom Fundamenta­lismus geprägte Religion zur Ideologie mit technisch-wissenschaftlichen Wahrheitsansprüchen.“