Ist das die hippste Party auf dem Cannstatter Wasen? Die Tickets für die Kessler Wasenbubbles waren ziemlich schnell ausverkauft. Wer feiert hier, morgens um 11 Uhr?
Sonntagmorgen, kurz nach 11 Uhr auf dem Cannstatter Wasen. Viele Fahrgeschäfte stehen noch still. Und auch das Festzelt „Beim Benz“ ist noch weitgehend leer. Aber in der Kessler-Bar, links hinter dem Mittelschiff, wird gefeiert als wäre Samstagabend, kurz vor Mitternacht.
Frauen bleiben hier unter sich. Rund 300 sind gekommen. Die Tickets, sagt Festzeltwirt Marcel Benz, waren innerhalb von zwei Tagen weg. „Wir hätten nochmal so viele verkaufen können.“
„Wir sind wegen dem Kessler hier“
Aber so viele wären nicht reingegangen in die Kessler-Bar hinter dem puderrosafarbenen Portal, die auch so schon gesteckt voll ist mit Besucherinnen, die meisten herausgeputzt im Dirndl. Keine Maßkrüge werden in die Höhe gestemmt, sondern Sektgläser. Und die sind ein Grund, warum viele hier sind: „Wir mögen kein Bier“, sagen Yvonne, Vanessa und Franzi aus Hattenhofen. „Wir sind wegen dem Kessler hier.“
Sissi aus Waldenbuch (zweite von rechts) feiert mit Freundinnen und ihrer Tochter. Foto: Ferdinando Iannone/LIchtgut
50 Euro hat ein Ticket gekostet. Dafür gibt es Sekt satt, Zwischenwasser, um den Kater zu vermeiden, Wasenschmankerl von der Etagère, Kässpätzle und einen Kaiserschmarrn, der viele bedauern lässt, dass das Dirndl so eng sitzt. Die Barfrauen – so gut gelaunt wie ihre Gäste – sind beim Nachschenken nicht knausrig.
Dass hier „Ladys only“ feiern, findet die Architektin Sissi aus Waldenbuch „total nett“. Und dass es schon um 11 Uhr losgeht, wenn andere noch beim Sonntagsfrühstück sitzen? „Das ist genial – so haben wir später kein Problem mit dem Heimkommen.“ Die 55-Jährige hat neben ihren Freundinnen auch ihre 20-jährige Tochter Emmelie dabei. Überhaupt finden sich hier junge Frauen um die 20 genauso wie welche, die die 50 oder 60 schon überschritten haben.
Es feiern Freundinnen, Kolleginnen, Mädelsgruppen aus dem Musikverein, Mütter mit ihren Töchtern. Die Stimmung ist freundlich, schwesterlich. „Wuuuuuh“ schallt es begeistert durch die Bar, als Abbas „Dancing Queen“ aus den Boxen dröhnt. Überhaupt die Musik: In der Kessler-Bar soll bewusst „keine typische Bierzelt-Musik“ laufen, sagt Marcel Benz. Sondern: Italo-Disco, Dieter-Thomas-Kuhn-Kracher, Hits der 90er. An den Plattentellern steht an diesem Vormittag der DJ Alex Wolf, der einst im Rohbau an der Theo auflegte. Als er eine Discoversion von „Zorba’s Dance“ spielt, wirbeln die Servietten durch die Luft, inbrünstig wird in die Aufblas-Mikros gesungen.
„Die haben schon auf dem Volksfest im Herbst voll eingeschlagen“
Kirsi Fee Wilhelm, die die Partyreihe zusammen mit Benz und Kessler erdacht hat, sagt, mit dem Feiern am Vormittag sei sie von sich selbst ausgegangen: „Die Abende sind so oft belegt. Wer Kinder hat, schickt den Mann mit dem Nachwuchs sonntags auf den Spielplatz und kann ganz entspannt feiern gehen, weil daheim alles klar geht.“ Und der Sonntagnachmittag bleibt zum Regenerieren, denn um 15 Uhr ist Schluss. Die Kessler Wasenbubbles gibt es auf dem Frühlingsfest zum zweiten Mal, erzählt die Herausgeberin des Top-Magazins. „Die haben schon auf dem Volksfest im Herbst wirklich voll eingeschlagen.“ Kessler, die Sektmarke aus Esslingen, ist auch ein Schlückchen Lokalpatriotismus – und inzwischen ziemlich hipp.
Und dass die Männer draußen bleiben müssen? „Zum Feiern braucht es doch keine Männer“, sagt Vanessa aus Remseck. Dann schnappt sie sich ihre Mädels zum Tanzen – der DJ hat gerade „Macarena“ aufgelegt.