Wasserball-Bundesliga Zwei Streithähne auf dem Weg in den Europapokal?

Lennart Löscher (links) und Djordje Milojkovic sind optimistisch. Foto: Torsten Streib

Die Bundesliga-Wasserballer des SV Cannstatt haben am Wochenende zweimal Heimrecht und können den Klassenverbleib fix machen – und noch mehr.

Reporter: Torsten Streib (tos)

Auf den ersten Blick brachte ein demolierter Wagen voller Wasserbälle viele Konflikte mit sich, ließ die Emotionen hochkochen – und war letztlich doch der Ausgangspunkt für eine enge Beziehung einstiger Streithähne und einer Erfolgsgeschichte, die am Wochenende im Erreichen des Europapokals beziehungsweise des Conference-Cups gipfeln kann. Voraussetzung: Der SV Cannstatt gewinnt in der Best-of-three-Serie gegen den Duisburger SV zwei Spiele. Spiel eins und zwei sind am Samstag (17 Uhr) und Sonntag (13.30 Uhr) im heimischen Sportbad Neckarpark.

 

Als aktiver Spieler donnerte Djordje Milojkovic einst vor lauter Wut das Spielgerät gegen besagten Wagen. Ungeschickt, besagtes Objekt war das Heiligtum der Cannstatter Trainerlegende Andras Feher und der Ausgangspunkt auch für atmosphärischen Störungen zwischen dem damaligen Kapitän und Immer-noch-Spieler Lennart Löscher sowie dessen einstigen Mitspieler Milojkovic, nun Trainer der Bundesliga-Mannschaft. „Djordje war damals ein Heißsporn, wir hatten viele hitzige Diskussion miteinander“, sagt der 31-jährige Löscher. Und der 32-jährige Milojkovic gibt mittlerweile zu: „Ich war ganz schön emotional.“

Wenig später stieg Milojkovic aus dem Wasser, widmete sich vor allem seiner Hauptaufgabe in Cannstatt als Jugendtrainer und -Koordinator – dafür wurde er vom Verein von der Mombachquelle 2018 aus Ludwigsburg angeworben und angestellt. Und weil der Serbe „schon immer tolle Arbeit in der Jugend geleistet hat, zumal wir einen ganz starken Jahrgang hatten“, so Löscher, wurde er auch für die aktive Mannschaft ein Thema. Zuerst vor fünf Jahren, als Jürgen Rüdt während der Runde sein Amt niederlegte und Löscher die Doppelfunktion als spielender Trainer übernahm. Er fragte bei Milojkovic um Unterstützung am Beckenrand nach und dieser sagte ja – mit dem Erfolg des Aufstiegs in die sogenannte Bundesliga-Gruppe B (eigentlich zweite Liga).

Doch wie kommt es, dass es zwischen den beiden einstigen Streithähnen plötzlich gepasst hat? „Es war alles nie so tragisch, nichts, was nicht aus der Welt zu räumen war“, sagt Löscher. Mittlerweile verbindet sie nicht nur eine Freundschaft, sondern „eine offene und vor allem ehrliche, direkte Kommunikation, die sehr förderlich ist, auch für die Mannschaft“, so das Cannsttter Urgestein Löscher.

Löscher machte als Coach nach dem Aufstieg weiter – notgedrungen mangels Alternativen. Eigentlich wollte er nicht aus dem Wasser. Für Milojkovic war der Chefposten zu diesem Zeitpunkt noch kein Thema. Die Jugendarbeit hatte weiterhin Priorität. Vor allem mit den Spielern, die er bei seinem Antritt in Cannstatt im Alter von zehn bis zwölf Jahren übernommen hatte.

Auf den Auf- folgte der prompte Abstieg. Im Verein wurde der Sturz teilweise als schlimm angesehen, Löscher und Milojkovic sahen diesen vielmehr als Neustart und Chance, um die starken Jugendspieler an den Aktivenbereich heranzuführen.

„Für sie war nun die Zeit reif für Herrenwasserball, zum Eingewöhnen in der richtigen Liga“, erinnert sich Milojkovic, der sich selbst als „ganz großen Optimisten“ bezeichnet und nach folgender Aussage belächelt wurde: „In zwei Jahren spielen wir in der ersten Liga.“ Gesagt, getan. Und nun? Primär zählt nach dem heuer vorletzten Hauptrunden-Platz für den Coach Milojkovic, den Spieler Löscher und die restliche Cannstatter Belegschaft der Bundesliga-Klassenverbleib. Zwei Erfolge sind dafür gegen Duisburg – in der Hauptrunde gab es je einen Sieg und eine Niederlage – Pflicht. Der Optimist Milojkovic, der keine Aufstellungssorgen hat, ist sich sicher: „Das packen wir.“

Gelingt dies, bedeutet dies nicht nur den vorzeitigen Klassenverbleib, sondern möglicherweise den Einzug ins internationale Geschäft beziehungsweise die Teilnahme an der Qualifikation für den Conference-Cup – und keiner ist dann sauer auf Milojkovic, wenn er erneut das Spielgerät auf den Ballwagen feuert. Dann aus purer Freude.

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