Wassersport in Mundelsheim Mit 18 Sachen über den Neckar fliegen

Helene Mayer hat schnell den Bogen raus. Foto: Martin Tschepe

Carsten Fricke vermietet Elektro-Surfbretter und veranstaltet in Mundelsheim (Kreis Ludwigsburg) Kurse für Einsteiger und Wiederholungstäter.

Rems-Murr/ Ludwigsburg: Martin Tschepe (art)

Wer einen Schnupperkurs bei Carsten Fricke bucht, lernt fliegen. Ganz schnell. Spätestens nach gut einer Stunde, verspricht der Maschinenbau-Ingenieur, hätten seine Schützlinge die Technik drauf. Dann heben sie ab, stehend auf einem Elektro-Surfbrett, einem sogenannten E-Foil. Und fliegen in knapp einem Meter Höhe über dem Neckar.

 

Mundelsheim, ein Sonntagnachmittag im Mai. Die Sonne lacht von Himmel – und mit dem Stern strahlt Helene Mayer, 53 Jahre, um die Wette. Die Frau aus Forchtenberg bei Öhringen will das Fliegen auf dem Fluss unbedingt lernen. Sie trägt Neoprenanzug, Schwimmweste und Helm.

In der rechten Hand hält die Schülerin von Carsten Fricke ein winzig kleines Gerät, mit dem sie den Elektromotor des Boards beschleunigen kann. Alles ganz einfach, sagt der Mann aus Bietigheim-Bissingen, der seit zwei Jahren nebenberuflich E-Foil-Kurse anbietet. An diesem Frühlingstag in Mundelsheim, ansonsten auch in Heilbronn und Lauffen auf dem Neckar sowie in Iffezheim und Karlsruhe auf dem Rhein.

Carsten Fricke zeigt, wo und wie es langgeht. Foto: Martin Tschepe

Und los geht’s: bäuchlings aufs Brett legen, Gas geben und das Board allein durch Gewichtsverlagerung lenken. Funktioniert bei Helene Mayer gleich bei der ersten Runde auf dem Neckar ganz gut. Bald beschleunigt sie das Board immer stärker. Der Lehrer ist mit seinem Schützling über Funk verbunden – und längst per Du. Helenes Helm ist mit Mikrofon und Lautsprecher ausgerüstet.

Carsten gibt der Schülerin stetig Anweisungen, korrigiert ihre Haltung und sagt nach etwa einer halben Stunde: „Jetzt hoch und auf die Knie gehen!“ Das Board wird schneller und schneller – und dann hebt es ab. Helene erschrickt, nimmt abrupt Gas weg – und das Board landet sofort wieder auf dem Wasser. Nächster Versuch. Helene saust über den Neckar, fliegt über dem Fluss – bei einer der nächsten Runden sogar freihändig im Stehen.

Carsten Fricke hat nicht zu viel versprochen. Die Schülerin hat’s so schnell gelernt wie angekündigt, und er ruft ihr zu: „Du hast es raus.“ Und was sagt Helene? „Wow - das ist der Wahnsinn. So ein schönes Gefühl hatte sich schon lange nicht mehr.“

Eigentlich ist Carsten Fricke Wind- und Kite-Surfer. Nach dem Kurs erzählt der 57-Jährige, dass er vor ein paar Jahren im TV erstmals so ein E-Foil gesehen habe und sofort ganz begeistert war. Erster Gedanke damals: „Das muss ich auch mal machen!“ Mittlerweile betreibt er das Unternehmen eFoil Adventure, das Kurse anbietet, Boards vermietet und verkauft.

E-Folis könnten Topspeed 50 fahren, sagt er, das freilich sei auf dem Neckar tabu. Auf dem Fluss ist bei Tempo 18 Schluss – aber 18 Kilometer in der Stunde fühlen sich etwa einen Meter über dem Neckar ganz schön schnell an.

Elektro-Surfbrett mit Flugmodus

Aufbau
Ein E-Foil ist ein surfbrettartiges Wasserfahrzeug mit einem elektrischen Antrieb, einem Unterwasser-Tragflügel, dem sogenannten Foil, sowie einer Antriebsschraube. Ein austauschbarer Akku ist im Board integriert, mit einer drahtlosen Bluetooth-Fernbedienung wird die Geschwindigkeit gesteuert.

Funktionsweise
Der Elektromotor treibt den Propeller an und erzeugt Schub im Wasser. Dieser Schub beschleunigt das Board. Sobald das Board schnell genug ist, erzeugt der Foil unter Wasser Auftrieb - ähnlich wie bei einem Flugzeugflügel in der Luft. Das Board hebt sich aus dem Wasser und fliegt stabil über der Wasseroberfläche
Der Vorteile des Fliegens: Weniger Reibung, denn nur der Foil ist im Wasser, deshalb ist der Widerstand viel geringer. Der Elektromotor ist leise und braucht weniger Energie als beispielsweise ein Jetski. Könner und Novizen schwärmen vom sanften Fahrgefühl: Wellen erzeugen keine Schläge, weil das Brett ja über dem Wasser schwebt.

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