Ivo Lutz ist Maßschneider und kennt sich mit Nadel und Faden aus. Auf dem Future-Festival in Waiblingen zeigt er am Wochenende, dass Upcycling cooler ist als Wegwerfen.
Drei Tage Livemusik, Events und Workshops für Kreative und Sportliche – für Kinder, Jugendliche und alle anderen natürlich auch: An der Skatebowl beim Hallenbad Waiblingen steigt von Freitag, 11. Juli, bis Sonntag, 13. Juli, das „We-are-the-future-Festival“. Neben Musik, sportlichen Highlights und Angeboten vom Kreisjugendring bietet die Kunstschule Unteres Remstal eine Siebdruckwerkstatt an, in der T-Shirts oder andere Stoffe mit einem Motiv, einem Slogan oder dem Festivallogo bedruckt werden können.
Zudem gibt es einen Upcycling-Workshop und da kommt Ivo Lutz ins Spiel. Und dieser ist gespannt – auf das Wochenende im Allgemeinen, aufs „We-are the-future-Festival“ in Waiblingen im Speziellen und am Allermeisten auf die Kleidungsstücke, die die Leute ihm vorbeibringen werden. Denn der 25-Jährige bietet gleich an zwei Festivaltagen – sowohl am Samstag als auch am Sonntag – einen sogenannten Upcycling-Workshop an und hofft auf viel kreative Herausforderungen.
Aus Alt mach Neu
Die Idee dahinter: Die Besucher durchforsten ihren Kleiderschrank und schmeißen die Klamotten, die sie nicht mehr tragen wollen, die kaputt sind oder einfach nicht mehr passen, nicht weg. Stattdessen wünscht sich Ivo Lutz, dass möglichst viele mit gefüllten Taschen zu ihm kommen, um aus den ausrangierten Stücken etwas Neues zu erschaffen.
„Gerne können die Besucher schon mit konkreten Ideen zu uns kommen. Und für alle anderen haben wir als Inspiration einige Vorschläge sowie ein paar Muster zu Auswahl“, sagt der junge Mann, der im Rems-Murr-Kreis aufgewachsen ist.
Aktuell wohnt er in Konstanz, doch bald stehen neue Veränderungen an, denn der gelernte Maßschneider wird ein Modestudium beginnen. Heißt: er kennt sich aus mit Nadel und Faden und hofft, auch andere für das alte Handwerk begeistern zu können. „Mein Ziel ist es, dass junge Leute Bock aufs Handwerk kriegen und merken, dass das richtig Spaß machen und eine echte Alternative sein kann.“ Es solle darum gehen, aus Altem etwas Neues zu erschaffen, statt ständig neue Klamotten zu kaufen und nach kürzester Zeit in die Tonne zu werfen.
Ivo Lutz selbst hat längst seinen kompletten Kleiderschrank umgestaltet. „Bei mir gibt es nur noch wenige Teile, die ich kombinieren kann. Da ist nichts mehr übrig, was der Schere zum Opfer fallen kann“, sagt der 25-Jährige, der genau weiß, dass das bei den meisten Leuten ganz anders aussieht. Deshalb will er zeigen, dass sich aus einer alten Bluse flugs eine kleine Umhängetasche machen lässt und dass mehrere aussortierte Kleidungsstücke Grundlage für ein neues sein können. „Wir arbeiten dabei mit ganz normalen Nähmaschinen, denn die Leute sollen merken wie niederschwellig und leicht es geht, da was zu schaffen. Selbst mit Nadel und Faden kann man schon viel bewirken.“
Das Zauberwort lautet Upcycling, um damit wieder ein Bewusstsein zu schaffen und der sogenannten „Fast Fashion“, also der Wegwerfmentalität, etwas entgegen zu setzen. Er selbst merkte schon in der Schule, dass ihn Kunst mehr interessiert als manch anderen seiner Mitschüler. Bei der Suche nach der passenden Ausbildung kam dann die Mode ins Spiel – ein Volltreffer. „Das Modellieren am menschlichen Körper fasziniert mich. Es geht um individuelle, komplexe Formen, das ist toll, weil da soviel künstlerische Bewegung drin ist.“ Bei der Mode sei es möglich, wieder einen Schritt zurückzugehen in der Produktionskette – zurück zum Stoff. „Das ist toll und faszinierend.“
Aus Klamotten werden Taschen
Seine Upcycling-Kurse bietet der Maßschneider und Modestudent beim Festival sowohl am Samstag als auch am Sonntag von 11 bis 18 Uhr an. In dieser Zeit können aus alten Klamotten Handyhüllen, Mäppchen, Geldbeutel,Taschen oder andere kreative Dinge entstehen. Dass beim Festival dieses Mal auch eine Kleidertauschbörse stattfindet, passt da wohl gut ins Konzept. „Das ist super, denn wer da etwas Schönes getauscht hat, das nicht optimal passt, kriegt bei uns Tipps, wie man es mit wenig Aufwand passend machen könnte.“
„We-are-the-future-Festival“ in Waiblingen
Info
Das Festivalgelände findet man beim Hallenbad Waiblingen, An der Talaue 10.
Für Besucher Zur Bushaltestelle Bürgerzentrum (Hallenbad) fahren vom Waiblinger Bahnhof die Linien 201, 202, 204, 207, 209 und 210. Geöffnet ist das Gelände am Freitag, 11. Juli, von 18 bis 23 Uhr, am Samstag von 11 bis 23 Uhr, am Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.