Wegen Iran-Krieg Preisschock: Wird das Gas bei der EnBW jetzt teurer?

LNG-Schiff: Ein Fünftel der weltweiten Mengen an Öl und Flüssigerdgas ist vom Iran-Konflikt betroffen. (Symbolfoto) Foto: IMAGO/Depositphotos

Wegen des Iran-Kriegs sind die Gaspreise im Großhandel stark gestiegen. Wir haben die EnBW gefragt, womit ihre Gaskunden jetzt rechnen müssen.

Digital Desk: Jonas Schöll (jo)

Die Eskalation im Nahen Osten lässt die Gaspreise an den europäischen Großhandelsmärkten in die Höhe schnellen. Nachdem der Iran auf Angriffe der USA und Israels mit Gegenschlägen reagiert hat und die strategisch bedeutsame Straße von Hormus faktisch blockiert ist, herrscht Nervosität an den Energiemärkten. Was bedeutet das für die Kunden der EnBW? Wir haben beim Energieversorger nachgefragt.

 

Dramatische Preisentwicklung am Gasmarkt

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: An der niederländischen Börse TTF in Amsterdam – dem wichtigsten europäischen Handelsplatz für Erdgas – kletterte der Preis für eine Megawattstunde zeitweise auf fast 66 Euro. Das ist der höchste Stand seit mehr als drei Jahren. Noch am Freitag vor Kriegsausbruch lag der Preis bei lediglich 32 Euro – eine Verdoppelung innerhalb weniger Tage.

Der Grund für diese dramatische Entwicklung: Durch die Straße von Hormus werden etwa 20 Prozent des weltweiten Flüssigerdgases transportiert, primär aus Katar. Das Emirat zählt zu den weltweit wichtigsten LNG-Produzenten.

Zwar sind die Preise nach einer Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, Tankschiffe durch die US-Marine eskortieren zu lassen, wieder auf rund 50 Euro gesunken. Das liegt aber immer noch gut 56 Prozent über dem Vorkriegsniveau.

EnBW gibt vorsichtige Entwarnung

Auf Anfrage unserer Redaktion äußert sich die EnBW zurückhaltend optimistisch. „Die Versorgungssicherheit unserer Kundinnen und Kunden ist weiterhin gewährleistet“, erklärt EnBW-Sprecherin Sandra Naujoks. Das Unternehmen verfüge über ein „diversifiziertes Bezugsportfolio“ und sei damit breit aufgestellt.

Entscheidend für die EnBW-Kunden sei die langfristige Beschaffungsstrategie des Konzerns: „Die EnBW kauft die für ihre Bestandskundinnen und -kunden benötigte Energie lange im Voraus ein“, so Naujoks. Diese Strategie habe sich bereits in der Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine bewährt. Damals lagen die EnBW-Preise deutlich unterhalb des Marktdurchschnitts.

Die Straße von Hormus: Der kritischste Öl-Transportengpass der Welt Foto: -/The Visible Earth/NASA/dpa

„Kurzfristige Preisschwankungen wirken sich nicht unmittelbar auf unsere Endkundinnen und -kunden aus“, betont die EnBW-Sprecherin. Sollte der Konflikt im Nahen Osten allerdings länger anhalten, könnte die Schutzwirkung der Vorab-Beschaffung ihre Grenzen erreichen. „Inwieweit sich die Sperrung dieses Transportweges auf die Endkundenpreise auswirkt, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorhersehen, da es entscheidend davon abhängig sein wird, wie lang die Sperrung andauern wird“, räumt Naujoks ein.

Neukunden trifft es härter

Anders sieht die Situation für Neukunden aus. „Energiemengen für Neukunden, die wir nicht im Voraus planen können, werden kurzfristig beschafft und sind daher sehr nah an den jeweils aktuellen Börsenpreisen – und damit auch stärkeren Schwankungen unterlegen“, erklärt die EnBW.

Das Vergleichsportal Verivox meldet bereits eine deutlich gestiegene Nachfrage: „Derzeit werden mehr als doppelt so viele neue Gasverträge abgeschlossen als noch vor einer Woche“, heißt es aus Heidelberg. Offenbar wollen sich viele Verbraucher noch schnell günstige Konditionen sichern. Bislang liegt der Durchschnittspreis für Neukunden bei 8,4 Cent pro Kilowattstunde – deutlich unter dem Vorjahresniveau von 10,2 Cent.

Schiffe in der Straße von Hormus (Archivfoto) Foto: Kamran Jebreili/AP/dpa

„Die Neukundenpreise sind derzeit stabil, werden aber eng am Markt kalkuliert“, warnt Verivox-Energieexperte Thorsten Storck. „Sollten die Börsenpreise weiterhin auf einem hohen Niveau bleiben, ist in den kommenden Wochen auch mit steigenden Neukundenpreisen zu rechnen.“

Was Verbraucher jetzt tun können

Verbraucherschützer raten zur Besonnenheit. „Nicht in Panik verfallen“, empfiehlt das Verbraucherportal Finanztip. Wer jedoch in den nächsten Monaten aus der Preisgarantie seines aktuellen Gasvertrags herausfällt, sollte prüfen, ob ein Wechsel zu einem Tarif mit längerfristiger Preisgarantie sinnvoll ist.

Die EnBW selbst hält sich auf die Frage, ob sie Verbrauchern derzeit zum Abschluss eines Vertrags mit Preisgarantie raten würde, bedeckt. Das Unternehmen verweist lediglich darauf, dass man die Marktentwicklungen „genau beobachte“.

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