Weihnachten 1931 in Stuttgart Für elf Tage stand das Alte Schloss in Flammen

Von Uwe Bogen 

Es war einer der schwersten Brände in der Geschichte Stuttgarts: An Weihnachten 1931 stand das Alte Schloss für elf Tage in Flammen. Eugen Zügel hat historisch bedeutsame Fotos gemacht.

Eine Privataufnahme aus dem Familienalbum der Zügels:  Vor 88 Jahren hat Eugen Zügel  das brennende Alte Schloss in Stuttgart und die Schaulustigen davor fotografiert. Sein Enkel Marcel Zügel hat dem Stuttgart-Album die historisch bedeutsamen Aufnahmen seines Großvaters anvertraut. Foto: Eugen  Zügel 11 Bilder
Eine Privataufnahme aus dem Familienalbum der Zügels: Vor 88 Jahren hat Eugen Zügel das brennende Alte Schloss in Stuttgart und die Schaulustigen davor fotografiert. Sein Enkel Marcel Zügel hat dem Stuttgart-Album die historisch bedeutsamen Aufnahmen seines Großvaters anvertraut. Foto: Eugen Zügel

Stuttgart - Drei Tage vor Heiligabend des Jahres 1931 war es in Stuttgart mit aller Vorfreude auf Weihnachten völlig vorbei. „Das Alte Schloss wird nie wieder sein, was es war“, schrieb die „Württemberger Zeitung“. Ein „furchtbares Unglück“ treffe das „ganze Land“, unschätzbare Kulturgüter seien für immer verloren, beklagte das Blatt. Bei einem Einsturz vor einem Gebäudeteil kamen drei Angehörige der Feuerwehr ums Leben. Ein Feuerwehrmann wurde so schwer verletzt, dass sein Leben im Rollstuhl verbringen musste.

Am 21. Dezember 1931 hatten gegen 8.30 Uhr Polizisten in ihren Amtszimmern Rauch bemerkt, der sich rasch verzog. Noch blieben alle ruhig. Doch bald darauf entwickelte sich ein dicker Qualm, und exakt um 10.39 Uhr klingelte bei der Feuerwehr die Alarmglocke. Die Einsatzkräfte, die mit Drehleiterwagen und Löschfahrzeug anrückten, standen etwas ratlos vor dem Schloss – noch konnten sie von außen keine Rauchentwicklung sehen. Drinnen bot sich dann ein schreckliches Bild: Im dritten Stock schlugen ihnen aus der Zwischendecke, die zur Dämmung mit Getreidespreu gefüllt war, Flammen entgegen.

Gefrorenes Löschwasser an Mauern und Balken bot spektakulären Anblick

Die kilometerweit sichtbare Rauchwolke hatte nach Schätzungen bis zu 30.000 Schaulustige angezogen, die mitansehen mussten, wie das Wahrzeichen des alten Württemberg teilweise niederbrannte. Das wegen der Minusgrade an verbrannten Mauern und Balken gefrorene Löschwasser bot den Betrachtern einen spektakulären Anblick. Im Laufe der Jahrhunderten war das Alte Schloss, einst Wohnsitz der Mächtigen, immer wieder umgebaut worden, weshalb es im betroffenen Dürnitzbau-Flügel zahlreiche Hohlräume in Wänden und Decken gab.

Nur durch das Gebäudeinnere konnten die Flammen direkt bekämpft werden, dicke Rauchschwaden erschwerten den Feuerwehrleuten Atem und Sicht.

Eugen Zügel hielt das unfassbare Geschehen mit der Kamera fest. Sein Enkel Marcel Zügel hat die historisch bedeutsamen Fotodokumente seines Großvaters unserem Geschichtsprojekt Stuttgart-Album anvertraut. Der Winter 1931 war eisig kalt. Wer konnte, so ist überliefert, blieb daheim in seiner warmen Stube. Auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt war deshalb nicht viel los. In den Buden boten die Händler Hausrat, süße Leckereien und Geschirr an – Werbetafeln prangten an ihren Ständen. „Obacht“, war etwa zu lesen, „hier sind die richtigen Berliner Kravatten“. Das Stück für eine Mark. Als Eugen Zügel sein Foto des Berliner Obacht-Stands machte, dachte freilich keiner an Schlipse und Fliegen.

Das weitere Unheil kam 1944 bei einem Luftangriff

Eine weißlich-gelbe Rauchwolke lag über der gesamten Innenstadt. Auf der Facebook-Seite unseres Stuttgart-Albums schreibt Gerhard Pfeiffer: „Bereits drei Tage vor der Alarmierung der Feuerwehr wurde ein Kaminfeger wegen unerklärlichem Brandgeruch mit der Untersuchung beauftragt.“ Beate Hampe kommentiert in unsrem Internetportal: „Das ist entsetzlich, was des Feuers Macht anrichten kann. Leider steigert sich diesbezüglich der Leichtsinn mancher Menschen.“ Harald Frank erinnert daran: „Das weitere Unheil kam im Juli 1944 bei einem Luftangriff.“

Direkt vor dem Brand des Alten Schlosses, der am 21. Dezember begonnen hatte und erst weit nach Weihnachten gelöscht werden konnte, hat sich Geschäftssinn bewiesen: Am ständig von Schaulustigen belagerten Unglücksort sind eilig gedruckte Postkarten und Broschüren verkauft worden mit Fotos oder Zeichnungen vom Schloss in Flammen.

Zu unserer Serie sind drei Bücher erschienen

Untersuchungen der Ermittler haben später ergeben, dass ein beschädigter, nicht kontrollierter Kamin die Brandursache gewesen ist. Heftige Kritik ist an der Feuerwehrleitung geübt worden. Dem Branddirektor warf man vor, das Feuer unterschätzt und die falsche Einsatztaktik verfolgt zu haben. Im Januar 1932 ist damit begonnen worden, Geld für den Wiederaufbau des Schlosses zu sammeln. Die Restauration war noch nicht abgeschlossen, als das Schloss im Zweiten Weltkrieg durch Bombenangriffe erneut zerstört worden ist.

Diskutieren Sie mit unter: www.facebook.com/Album.Stuttgart. Zu unserer Serie sind drei Bücher erschienen, zuletzt „Das Beste aus dem Stuttgart-Album“.



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