Weihnachtsmarkt Stuttgart Stadträte schaffen lebende Krippe ab

Esel Lukas hat seit Jahrzehnten die Stuttgarter Kinder erfreut. Nun ist Schluss. Foto: Achim Zweygarth

Beim Stuttgarter Weihnachtsmarkt wird es dieses Jahr keine lebenden Tiere mehr zu sehen geben. Eine Mehrheit des Gemeinderats hält dies nicht mehr für „zeitgemäß“.

Die Frage aller Fragen ließ sich nicht klären. Was will der Besucher auf dem Weihnachtsmarkt? Marcus Christen, bei der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart für den Weihnachtsmarkt zuständig, dass sie die Esel, Schafe und Lämmer in der Krippe in der Sporerstraße lieben, und auch genau deswegen auf den Weihnachtsmarkt kommen. Stadtrat Dennis Landgraf hingegen hört von Besuchern, sie hielten dies für Tierquälerei. „Aber dies liegt ja vielleicht an mir“, merkt er dann selbst.

 

Linke Mehrheit für Verbot

Gut, er ist in der Tierschutzpartei. Aber zumindest im Wirtschaftsausschuss des Gemeinderats ist er in der Mehrheit. Die Linke, die SÖS, Puls, die Grünen und die SPD und Volt stimmen für ihren Antrag: „Nie mehr lebende Krippe.“ Mit ihren neun Stimmen gegen die acht Stimmen der CDU, FDP, Freie Wähler und AfD verbannen sie nun die lebenden Tiere vom Stuttgarter Weihnachtsmarkt. Es dürfen künftig keine öffentlichen Flächen mehr „zum Zweck der Unterhaltung mit lebenden Tieren zur Verfügung u stellen.“ Landgraf hatte sogar die Bibel studiert, nirgends sei darin die Rede davon, dass Esel und Schafe bei der Geburt Jesu an der Krippe gewesen seien. Kann also weg, will er damit sagen.

Was ist mit den Jugendfarmen?

Auch die Einwände, man müsse dann auch die Haltung von Hunden in der Stadt oder Eseln in den Jugendfarmen verbieten als auch der Verweis darauf, dass die Stadtkinder den Kontakt und das Streicheln der Tiere geliebt hätten, stimmten die Mehrheit nicht um. Auch die Frage, ob denn ein Stadtrat besser als die Besitzer über das Tierwohl entscheiden könne, blieb unbeantwortet.

Lange Tradition endet

Seit 1999 gibt es die lebende Krippe beim Stuttgarter Weihnachtsmarkt. Erst 2023 hat in.Stuttgart für 70 000 Euro neue Ställe gebaut. Anette Wohlfarth, Geschäftsführerin des Landesschafzuchtverbandes und Besitzerin der Tiere, Esel Lukas, zwei Schafe und drei Lämmer, hatte damals gesagt: „Beim Bau des neuen Stalls haben wir uns schon während der Bauphase bei der Holzbau-Firma vor Ort davon überzeugt, dass er für die Tiere optimal gebaut wird. Seit wir beim Weihnachtsmarkt dabei sind, ist es uns außerdem sehr wichtig, dass unser Verkaufsstand direkt neben der Krippe steht. So haben wir die Tiere immer im Blick. In all den Jahren ist noch nie ein Tier zu Schaden gekommen.“

Die lebende Krippe in Esslingen wird es weiter geben. Foto: EZ

Bezahlt hat die Veranstaltungesellschaft zudem für Aufbau und Abbau. Betreut wurden die Tiere vom Landesschafzuchtverband. Das Veterinäramt kontrollierte die Tiere regelmäßig – ohne Beanstandungen. Die Mehrheit des Gemeinderats hingegen findet: „Esel, Schafe und Lämmern fehlt in der Krippe der artgerechte Auslauf. Zusätzlich setzen die Menschenmassen, Fotos und Geräusche die Tiere enormem Stress aus.“ Stattdessen solle man ein tierfreies Unterhaltungsprogramm für Kinder gestalten.

Damit ist die lebende Krippe beim Stuttgarter Weihnachtsmarkt Geschichte. Wer Tiere sehen willen, muss nach Esslingen gehen, da stimmte der Gemeinderat dafür, beim Weihnachtsmarkt die lebende Krippe zu behalten.

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