Der Arbeit wegen reiste sie aus dem Kreis Böblingen nach Südafrika, die Liebe zum Wein ließ die sie dort bleiben. Jetzt veranstaltet Nathalie Schranz Wein-Events in ihrer alten Heimat.
Thomas Morawitzky
13.06.2025 - 18:30 Uhr
Manche bleiben in der Heimat, andere zieht es in die Ferne. Nathalie Schranz‘ gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Ihr Lebensweg führte sie von Sindelfingen über Böblingen, Holzgerlingen und Pforzheim nach Kapstadt. Dort lebt sie seit 17 Jahren, genießt die Sonne, das Leben, den Wein. Im südafrikanischen Wein, sagt sie, da stecke die Sonne drin. Und deshalb kehrt Nathalie Schranz zurück in die Heimat, alle Jahre wieder, um für den Wein Südafrikas zu werben. Als selbstständige Weinsommeliere organisiert sie Events und Weinverkostungen, stimmt die Weine aus dem allertiefsten Süden ab auf Speisen, zu denen sie besonders munden – und dazu können auch Maultaschen gehören.
Geboren wurde Nathalie Schranz in Sindelfingen, aufgewachsen ist sie in Böblingen und Holzgerlingen, besuchte die Realschule. Ihr Vater betrieb einen Antiquitätenladen in der Böblinger Pfarrgasse. Eine Ausbildung zur Uhrmacherin und später zur Goldschmiedin führte sie nach Pforzheim. Im Anschluss arbeitete sie bei einem Goldschmied in der Sindelfinger Planie. „Ich bin im schon ein kreativer Mensch“, sagt sie, „aber wenn man sich als in diesem Beruf verwirklichen will, dann braucht man eigentlich auch seinen eigenen Laden.“
Die Liebe zur schwäbischen Heimat ist geblieben
Bald bot sich die Gelegenheit, davonzuspringen. Nathalie Schranz wechselte ins Telekommunikationsfach, verkaufte Head-Sets für ein internationales Unternehmen, kam so zum ersten Mal nach Kapstadt, wollte bleiben. Das war 2009 und sie war 45 Jahre alt. Vom technischen Handelsberuf löste sie sich schnell wieder und begann, italienischen Kaffee nach Südafrika zu bringen.
Der südafrikanische Wein jedoch war von Anfang an mehr nach ihrem Geschmack und wurde schließlich zu ihrem Beruf: Schranz ließ sich ausbilden zur Weinsommeliere. Seit vier Jahren nun veranstaltet sie Wein-Events in Deutschland und betreibt einen Online-Shop, in dem sie ihre Weine anbietet. „Von auswandern“, sagt sie, „war bei mir nie die Rede. Ich bin einfach dort geblieben, wegen dem Wein.“ Liebe zur Heimat empfindet sie noch immer. „Aber ich könnte mir niemals vorstellen, wieder hier zu leben.“
Nicht nur der Wein hält sie im fernen Süden, auch das Lebensgefühl. „In Kapstadt“, sagt Nathalie Schranz, „geht man viel aus. Es gibt eine große Leichtigkeit.“ Freilich: Es gibt in der Stadt natürlich auch, wie sie sagt, ein gewisses Maß an Kriminalität – „Damit muss man leben, und das geht auch. Vor den Haustüren befinden sich Gitter, um Einbrecher fern zu halten, und es gibt andere Sicherheitsvorkehrungen.“
Nathalie Schranz kennt sich aus in Südafrika. Sie ist vertraut mit der großen deutschen Community, die vornehmlich in Somerset West, nicht weit von Kapstadt, zuhause ist. Etwa 800 Weinfarmen, sagt sie, gebe es in Südafrika. „Die Hälfte davon kenne ich.“
Besonders am Herzen liegt ihr der Cap Classique, ein Schaumwein, der in Südafrika nach Champagnermethode hergestellt wird, jedoch nicht als Champagner bezeichnet werden darf, da dieser Begriff geschützt ist und ausschließlich Produkte der gleichnamigen französischen Region bezeichnet. Der Cap Classique, sagt Nathalie Schranz, stehe dem Champagner aber in nichts nach. Der Unterschied freilich, zwischen der Champagne oder deutschen Weinbaugebieten wie der Mosel, das weiß sie auch, ist das Klima. Die Erderwärmung, damit rechnet sie, wird auch die Weinmärkte verändern. Der Wein Südafrikas wird dabei ihrer Meinung nach aber gleich bleiben: „Bei uns schmeckt man die Sonne und die Frucht, aber der Wein bleibt trotzdem trocken.“
Weinflaschen mit Infoblättern
Zwei öffentliche Wein-Events veranstaltet Nathalie Schranz in diesem Jahr in ihrer schwäbischen Heimat. Am 27. Juni lädt sie ein ins Schilling am Bahnhof in Holzgerlingen zur „Summer Party“ unter dem Motto „Schilling meets Kapstadt Lifestyle“, am 18. Juli veranstaltet sie das „Kapstadt Festival“ in der Waldgaststätte Katzenbacher Hof zwischen Stuttgart und Sindelfingen. Bei beiden Events präsentiert sie Weine des Weinguts Simonsing – natürlich den Cap Classique, aber auch den Pinotage, eine ausschließlich südafrikanische Rebsorte, eine Kreuzung von Pinot Noir und Cinsault.
Nathalie Schranz kennt sich mit Wein aus. Foto: Eibner-Pressefoto
Das Schilling am Bahnhof in Holzgerlingen wird ihr Event mit den typisch südafrikanischen Grillspezialitäten Braai begleiten – der Katzenbacher Hof serviert schwäbische Spezialitäten, Maultaschen zum Beispiel, oder Wurstsalat. Das geht durchaus, sagt Nathalie Schranz. „Zum würzigen Essen würde ich keinen Sauvignon Blanc servieren. Der würde untergehen. Dazu passt ein kräftiger Rosé, ein Pino Noir oder ein Pinotage.“
Bislang hat Nathalie Schranz in Deutschland ausschließlich Einzel-Events veranstaltet – sollten sich die Auftritte in Holzgerlingen und Stuttgart als Erfolg erweisen, möchte sie sie wiederholen. Ihre Weine stattet sie mit Infoblättern aus, auf denen die Verkoster erfahren, was in der Flasche ist und was dazu passt.