Weisses Ballett Aidlinger Verein hilft in Tansania
Der Aidlinger Wohltätigkeitsverein „Weisses Ballett“ engagiert sich in einem Dorf in Tansania. Zuletzt sind dort zwei Sanitärgebäude für die örtliche Schule eingeweiht worden – mit deutschen Gästen.
Der Aidlinger Wohltätigkeitsverein „Weisses Ballett“ engagiert sich in einem Dorf in Tansania. Zuletzt sind dort zwei Sanitärgebäude für die örtliche Schule eingeweiht worden – mit deutschen Gästen.
Fließend Wasser ist hierzulande selbstverständlich – Hände waschen, duschen, Abwasch, Klospülung, alles per Knopfdruck oder einer kurzen Hebelbewegung möglich. Doch in manchen Regionen der Welt sieht das ganz anders aus, zum Beispiel in Kwizu Village in Tansania, wo es bis vor Kurzem in der örtlichen Schule keine Sanitäreinrichtungen für die etwa 180 Kinder und ihre Lehrer gab.
Doch dank des Wohltätigkeitsvereins „Weisses Ballett“ aus Aidlingen hat sich das nun geändert, seit Dezember stehen an der Kafingiro Primary School zwei Gebäude mit sanitären Anlagen – eine kleine Delegation aus dem Kreis Böblingen war zur Einweihung dabei. „Die Menschen vor Ort sind sehr dankbar für unsere Unterstützung“, erzählt der Vereinsvorsitzende Dietmar „Didi“ Ludwig begeistert, „wir wurden unheimlich herzlich empfangen.“
Der Aidlinger Verein hat seit 2019 Kontakt zu dem Dorf, in dem etwa 400 Familien leben. Vereinsmitglied Steffen Guthier war schon mehrfach vor Ort und hat bereits bei der allerersten Aktion, als vor Ort das Schuldach erneuert wurde, tatkräftig mitgeholfen. Zuletzt nun reisten Guthier und Ludwig ebenso nach Tansania wie das Ehepaar Melanie und Andreas Ernsperger. Deren Heizungs- und Sanitärbetrieb mit Sitz in Gärtringen hat das aktuelle Projekt mit 4500 Euro zu einem großen Teil finanziert, weitere rund 3000 Euro kamen über private Einzelgaben und das Spendenkonto des „Weissen Balletts“ zusammen. „Die Reise- und Unterbringungskosten habe wir natürlich privat gezahlt“, merkt Ludwig an.
Ganz wichtig für ein Projekt dieses Art sind verlässliche und engagierte Kontaktpersonen vor Ort. Diese haben die Deutschen in George Mbwambo und seiner Frau Dorice gefunden. „Die beiden sind die Schlüsselfiguren“, betont Didi Ludwig, „sie haben es geschafft, alle involvierten Handwerker davon zu überzeugen, dass sie in Vorleistung gehen, um etwas Großes für die Schule zu schaffen.“ Tatsächlich vertrauten alle Arbeiter vor Ort der Absprache und zogen mit, benötigte Materialien wurden zur Verfügung gestellt.
Nach drei Monaten Bauzeit feierte das Quartett aus dem Kreis Böblingen Anfang Dezember gemeinsam mit den Dorfbewohnern und der Schule die Einweihung der zwei neuen Gebäude. Sie beinhalten zwei Lehrertoiletten mit Waschbecken, vier Jungen- und vier Mädchen-Toiletten mit je zwei Waschbecken sowie Umkleideraum für die Mädchen. Zusätzlich hatten die Deutschen sechs Reisekoffer dabei, voll bepackt mit Kleidung und Schuhen für Kinder und Erwachsene, Spielzeug für die Kita und Schulmaterial wie Blöcke, Stifte, Lineale und Zirkel.
Didi Ludwig zeigt sich beeindruckt von den fünf Tagen in Tansania: „Man sieht die Armut und teilweise die Verzweiflung vor allem der Erwachsenen“, berichtet der 49-Jährige, „die Zukunftschancen für Kinder sind sehr begrenzt.“ Und dennoch hätten die Menschen einen überwiegend glücklichen Eindruck auf ihn gemacht. Auch sei die Disziplin bei der Verteilung der Kleidung und Schuhe an die Kinder bemerkenswert gewesen. „Es gab kein Gedrängel, alle waren geduldig und brav“, erzählt der Vorsitzende.
George Mbwambo, der selbst in dem Dorf aufgewachsen ist und dessen Mutter dort noch lebt, habe den Bau bravourös organisiert und begleitet. „Wir bekamen wöchentlich Fortschrittsberichte in Form von Text und Bildern“, berichtet Ludwig. Nur über den Kontakt vor Ort sei es auch möglich gewesen, dass die Handwerker das Projekt ohne Vorauszahlung verwirklicht hätten – nun steht und funktioniert alles.
Technisch ist die Wasserversorgung der neuen Gebäude über einen 2000-Liter-Tank möglich. Hier wird das kühle Nass, das aus einem größeren Reservoir oberhalb in den Bergen stammt, gesammelt und per natürlichem Wasserdruck – also ohne elektrische Pumpe – in die Leitungen gepresst.
Mit Kwizu Village hat der Verein „Weisses Ballett“ noch einiges vor. „Wir haben uns zu weiteren möglichen Projekten ausgetauscht“, erzählt Didi Ludwig, der das „Weisse Ballett“ einst mitgegründet hat, „es gibt einige Ideen, die wir aber noch weiter ausarbeiten möchten.“ Am liebsten wäre es den Aidlingern, wenn der Verein vor Ort auf nachhaltige Weise wirken könnte, zum Beispiel den Einwohnern zu einer guten Ausbildung und langfristig zu Beschäftigungsmöglichkeiten verhelfen würde. „Hier ist vielleicht ein Ansatz, dass im Dorf etwas produziert wird, was in Tansania grundsätzlich gebraucht wird“, überlegt Ludwig, „dazu könnten wir die Rohstoffe liefern und das entsprechende Werkzeug sowie das notwendige Wissen vermitteln.“
Hört sich so an, als würde das Dorf in dem ostafrikanischen Land noch häufiger Besuch aus dem Kreis Böblingen bekommen.
Gründung
Die Aidlinger Hobby-Fußballmannschaft „Weisses Ballett“ engagierte sich erstmals 2009 für wohltätige Zwecke. Im November 2013 erfolgte die Vereinsgründung. Der Name spielt auf das legendäre Team von Real Madrid an, das seit den 1950er Jahren so genannt wird. Aktuell hat der Verein 210 Mitglieder.
Spenden
Seither hat der Verein „Weisses Ballett“ nach eigenen Angaben fast 260 000 Euro gesammelt und an insgesamt 79 Organisationen gespendet. Eine alljährliche Aktion ist mittlerweile der WB-Adventskalender, die Erlöse fließen vollständig an soziale Projekte. Mehr Informationen unter www.weisses-ballett.de im Internet.