Spektakuläre Rennen, zehntausende Besucher: Das Cerro Abajo ist ein Großevent – hier in Valparaiso, Chile, und vielleicht bald in Stuttgart. Foto: /Aton Chile
Red Bull will mit dem weltberühmten Cerro Abajo nach Stuttgart – das Event würde im September die Innenstadt prägen. Noch fehlt die Genehmigung, aber nun gab es ein erstes Signal.
Genehmigt ist das von der gesamten deutschen Mountainbike-Szene herbeigesehnte Großevent noch nicht. Dass Red Bull nach Stuttgart will, ist im vergangenen Herbst durchgesickert – bevor es wirklich so kommt, müssen noch das Rathaus und der Gemeinderat ihr Einverständnis geben. Allerdings wurden jetzt Details bekannt, wo die Bike-Profis sich in der Stadt die Kesselhänge herunterstürzen sollen: Das Amt für Sport und Bewegung hat in einer Voranhörung im Bezirksbeirat Süd die vom Veranstalter vorgeschlagene Streckenführung vorgestellt.
Am Teehaus könnte die Startrampe für den Cerro Abajo sein
Demnach soll die Startrampe auf der Aussichtsplattform vor dem Teehaus im Weißenburgpark installiert werden. Vorbei am Teehaus geht es dann über Treppen, Wege und Rampen weiter durch den Park Richtung Hohenheimer Straße. Üblicherweise werden beim Cerro Abajo (spanisch für Downhill) zusätzlich zu den vor Ort bestehenden Hindernissen auch Schanzen, Steilkurven und andere Schikanen eingebaut, die die Fahrer überwinden müssen.
Ist die Hohenheimer Straße passiert, soll die Strecke durch die Bopseranlage zum Carola-Blume-Weg führen, der in Schleifen in der Bopserstraße mündet. Es folgen der Mozartplatz im Heusteigviertel, die Christophstraße, die Heusteigstraße und erneut die Bopserstraße, bevor es in den Zieleinlauf auf dem Wilhelmsplatz gehen soll. Und klar ist ebenfalls: Wird das Event genehmigt, wird es im Herbst – voraussichtlich vom 4. bis 6. September – die Stadt prägen. Zuletzt, in Genau, säumten zehntausende Zuschauer die Strecke.
Die Strecke des Cerro Abajo in Stuttgart wäre knapp 1,3 Kilometer lang
Der Weißenburgpark könnte Startpunkt des Downhill-Kurses in Stuttgart sein. Foto: imago/imagebroker/WernerxDieterich
Die Strecke in Stuttgart wäre, wenn sie so genehmigt wird, knapp 1,3 Kilometer lang. Der Höhenunterschied beträgt 150 Meter. Rund eine Minute und 40 Sekunden sollen die Fahrer unterwegs sein. Beim Cerro Abajo fahren rund 30 Mountainbiker und Mountainbikerinnen einzeln auf der Piste bergabwärts. Wer am schnellsten ist, hat gewonnen.
Der Veranstalter spricht in Zusammenhang mit der vorgeschlagenen Streckenführung werbewirksam von einer „einzigartigen Strecke durch urbanen Raum mit markanten Spots und starkem Storytelling-Potenzial“. Die Strecke zeichne sich außerdem durch eine „optimale Zuschauersituation“ aus. Mit dem Event werde ein „großer Mehrwert für Stuttgart“ generiert.
Alexander Fust, Leiter Kommunikation und Veranstaltungen im Amt für Sport und Bewegung, betont bei der Voranhörung im Bezirksbeirat, dass das Rennen weltweit via TV und Internet übertragen werde. Es entstünde „eine unglaubliche Sichtbarkeit für Stuttgart“, denn das Event zeichne sich durch eine „enorme Reichweite“ aus: In den vergangenen fünf Jahren sei das Downhill-Rennen von Red Bull rund 1,2 Milliarden Mal in den verschiedensten Medien wahrgenommen worden.
Die Veranstaltungsreihe „Red Bull Cerro Abajo“ tourt unter diesem Namen seit 2013 um die Welt. Stationen waren beispielsweise das chilenische Valparaíso, Guanajuato in Mexiko oder zuletzt eben Genua.
Stuttgart wäre der erste Austragungsort des Cerro Abajo in Deutschland
Grundbedingung, um Austragungsort des Downhill-Spektakels zu werden, ist eine entsprechende innerstädtische Topografie, bei der die Mountainbiker bergab quer durch die urbane Bebauung rasen können. Stuttgart wäre dafür wegen der Kessellage ideal – und in Deutschland die erste Stadt, in der das Event ausgetragen wird. Im Bezirksbeirat Süd wurde betont, dass der Stadt keine Kosten entstehen würden, da diese vom Veranstalter getragen werden.
Insgesamt unterstützt der Bezirksbeirat das Event mit großer Mehrheit. Bedenken wurden vor allem in Bezug auf die möglichen verkehrlichen Auswirkungen geäußert. So müsste die viel befahrene Hohenheimer Straße während der Rennen immer wieder gesperrt werden. Fust versichert, dass der Veranstalter gemeinsam mit den zuständigen Behörden ein Verkehrskonzept ausarbeiten würde. Er verwies hierbei auf ein eingespieltes Verfahren, wie es auch bei Straßenradrennen oder Demonstrationen in der Stadt zum Einsatz kommt.
Wann es endgültig Grünes Licht für das Mountainbike-Event gibt, ist unklar. Als im vergangenen Herbst erstmals durchsickerte, dass Red Bull mit dem Event nach Stuttgart will, erklärte Stadtsprecher Sven Matis: „Es ist noch nicht absehbar, wann Entscheidungen getroffen werden können.“ Alle rechtlichen Fragen würden von der Verwaltung geklärt. „Wenn es politisch wird, geht es in den Gemeinderat.“
Das Votum des Bezirksbeirats hat insofern noch keine direkte Auswirkung – kann aber als Signal gewertet werden, dass auch das politische Stuttgart dem Großevent offen gegenüber steht.