Weltkindertag in Stuttgart 365 Tage im Jahr ist Kindertag

Junge Teilnehmer des 24-Tage-Laufs für Kinderrechte Foto: Talisha Liebig Fotografie / Stuttgarter Kinderstiftung

Dieses Wochenende ist den Kindern gewidmet: mit Weltkindertag und Kinderfest in der City. Kinder haben aber auch sonst Aufmerksamkeit verdient. Ein Kommentar von Jan Sellner.

Stadtleben/Stadtkultur: Jan Sellner (jse)

Muttertag, Vatertag, Kindertag – wann war der gleich noch mal? Richtig, diesen Sonntag, 1. Juni! Hätten Sie’s gewusst?

 

1950 wurde der Weltkindertag zum ersten Mal offiziell begangen, ursprünglich eine sozialistische Idee. Offiziell machen mehr als 145 Staaten auf die Bedürfnisse der Kinder und auf ihre Rechte aufmerksam. Mancherorts steht der Kindertag aber nur auf dem Papier. Außerdem herrscht terminlich ein ziemliches Durcheinander. Deutschland hat sich zusätzlich für den 20. September als Weltkindertag entschieden. Die Vereinten Nationen erinnern am 20. November an die Verabschiedung der Kinderrechtskonvention 1989. Das erste Land, das einen Kindertag einführte, war übrigens die Türkei. Seit der Staatsgründung 1921 wird dort am 23. April der Tag des Kindes gefeiert.

Haben Kinder in der Gesellschaft den Stellenwert, den sie verdienen?

Das Wissen um den Kindertag scheint nicht allzu tief verankert zu sein. Man muss nachschlagen – und kann sich zugleich fragen, ob das Nichtwissen Rückschlüsse auf den Stellenwert von Kindern in der Gesellschaft zulässt? Seit den massiven Beschränkungen für Kinder während der Coronapandemie bestehen daran berechtigte Zweifel.

Deshalb ist es sehr zu würdigen, wenn sich Menschen und Initiativen in Stuttgart darum bemühen, den Anliegen von Kindern mehr Beachtung zu schenken. Dazu gehört die Kinderstiftung, die als Teil der Bürgerstiftung erreichen will, „dass alle Kinder stark aufwachsen können“. Zusammen mit dem Sportkreis richtet sie den 24-Tage-Lauf für Kinderrechte aus, ein Spendenlauf, der an diesem Wochenende seinen Abschluss findet. Zu seinen Besonderheiten zählt es, dass Kinder mit entscheiden, welche Projekte mit Spenden gefördert werden – etwa das Betty-Hirsch-Schulzentrum der Nikolauspflege für blinde und sehbehinderte Kinder und der Förderkreis krebskranke Kinder.

Die Resonanz ist erfreulich groß. 156 Teams mit zusammen 1735 Läuferinnen und Läufern haben rechnerisch mehr als vier Mal den Äquator umrundet. Dazu kam eine Schulchallenge mit 6000 Schülerinnen und Schülern. Den Rahmen der Siegerehrung bildet das zweitägige Kinder- und Familienfestival auf dem Schlossplatz, veranstaltet von Sportkreis, City-Initiative und der Agentur kmr. Auch das ein Ausrufezeichen, dass Kinder ins Zentrum des Geschehens gehören, erst recht in einer alternden Gesellschaft.

Dass Kinder die Zukunft sind, würde jeder unterschreiben. Das muss dann aber auch beherzigt werden. Nicht ein Wochenende oder 24 Tage lang, sondern 365 Tage im Jahr!

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Stuttgart Kommentar Weltkindertag