Ein Zeichen der Gemeinschaft statt der Feindschaft geht von der COP in Baku aus. Foto: dpa/Rafiq Maqbool
Bei der Weltklimakonferenz in Baku fand die Welt nach 32 Stunden zum kleinsten gemeinsamen Nenner. Unsere Autorin kommentiert, warum das in diesen Zeiten sehr wertvoll ist, aber nicht reicht.
Es war nicht anders zu erwarten: Die Weltklimakonferenz im Ölland Aserbaidschan ist in weiten Teilen eine Nullrunde gewesen. Um aber positiv zu beginnen: Obschon es zwischenzeitlich zu befürchten stand, trennte sich die Welt nicht im erbitterten Streit, sondern fand in der Nacht zum Sonntag zu einem Beschluss des kleinsten gemeinsamen Nenners. In Zeiten, in denen Spaltung, Streit und Krieg den Globus überziehen, ist dies ein Signal, dessen Wert nicht unterschätzt werden darf.
Doch das globale Zusammenraufen in letzter Minute ist in Summe natürlich zu wenig, um der fortschreitenden Erderwärmung angemessen zu begegnen. Die klimaschädlichen Emissionen steigen laut einem UN-Bericht weiter an, anstatt zu fallen. 80 Prozent der weltweit verbrauchten Energie stammen aus fossilen Quellen wie Öl, Gas und Kohle, sie sind verantwortlich für die Emissionen. Und sogar der Wald hat sich durch die menschengemachte Erwärmung inzwischen von der CO2-Senke zur CO2-Quelle gewandelt.
Unwetter in Spanien
Wohin das führt, füllt fast täglich die Nachrichten. In Spanien geht nach Unwettern gefühlt die Welt unter, und der Süden Afrikas erlebt die schlimmste Trockenperiode seit Jahrzehnten. Und die Wetteraufzeichnungen sagen: 2024 wird das heißeste Jahr jemals. Sogar die magische 1,5-Grad-Marke wird erstmals geknackt. Falls man es überhaupt vergessen kann: Diese Temperaturschwelle nicht zu reißen, vereinbarten die Staaten vor neun Jahren in Paris.
Die COP’29 lief vom 11. bis zum 24. November – sie wurde um 32 Stunden verlängert. Foto: dpa/Sergei Grits
Diesen Fakten zum Trotz – in Baku sind die Emissionen als heißes Eisen konsequent ausgeklammert worden. Die 2023 in Dubai in den Beschluss formulierte Abkehr von fossilen Energien wurde dieses Jahr nicht wiederholt – aber eben auch nicht revidiert. Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock sprach in diesem Zusammenhang vom „letzten Aufbäumen der alten fossilen Welt“.
Ob sie mit dieser Einschätzung richtig liegt, wird die Zukunft zeigen. Der internationale Klimaschutz steht mehr denn je vor einer Bewährungsprobe. Doch die Bedingungen sind so schlecht nicht. Denn auch wenn Baku eine Nullrunde gewesen ist, klar ist: Auch wenn die Emissionen weiter steigen, so steigen sie doch langsamer als bisher. Experten gehen davon aus, dass sich die Kurve schon in den nächsten Jahren nach unten bewegen könnte. Seit dem wegweisenden Beschluss von Paris 2015 hat die Welt ja weiter eingeschwenkt auf den Transformationspfad. Der schwere Tanker wendet oder hat gewendet, sicher weiß man das noch nicht.
Strom aus Erneuerbaren so billig wie nie
Was man weiß: Strom aus Fotovoltaik und Windkraft ist so günstig wie nie, der Ausbau läuft global auf Hochtouren. In Deutschland planen und bauen Kommunen Wärmenetze. In Dänemark, das bei der Wärmewende viel weiter ist, widmet man sich inzwischen ganz neuen Themen. Dort soll es von 2030 an die weltweit erste CO2-Abgabe für die Landwirtschaft geben. Und auch im Finanz- und Versicherungssektor haben es fossile Geschäftsmodelle zunehmend schwerer. Der Stein ist im Rollen.
Für die entschlossene Abkehr von fossilen Energien braucht es zwei Grundvoraussetzungen: Zusammenhalt und Mut. Zusammenhalt, weil die Erderwärmung alle und jeden betrifft; dagegen hilft nur Gemeinschaft, nicht Feindschaft. Trotz aller Konflikte zu einem gemeinsamen Abschluss zu finden, zumindest damit waren die Verhandler in Baku der Welt ein wichtiges Vorbild.
Zusammenhalt hilft, den Mut zu finden, unmissverständlich nach vorne zu gehen. Umso wichtiger, dass die COP in Brasilien 2025 dem Tanker neuen Schub verleiht. Wo könnte das besser gelingen als in der Lunge der Welt, der langsam die Luft ausgeht?