Weltweihnachtscircus Stuttgart Tierfreier Zirkus: Dompteurin leidet, Aktivist erfreut – was passiert mit Pferden?

Die Anfeindungen rauben der Pferde-Dompteurin Angelina Richter den Schlaf, während Tierinfluencer Malte Zierden die Entscheidung des Weltweihnachtscircus feiert. Foto: Stardust /Insagram@maltezierden

Der Weltweihnachtscircus verzichtet künftig auf Tiere. Dompteurin Angelina Richter liegt nachts wach, Influencer Malte Zierden zittert vor Freude. Was passiert mit den Pferden?

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

Der Weltweihnachtscircus Stuttgart hat eine Entscheidung getroffen, die weit über die Manege hinaus wirkt: Künftig sollen auf dem Cannstatter Wasen nur noch tierfreie Shows gezeigt werden. Während Tierrechtsaktivisten den Schritt als Erfolg feiern, sind viele Zirkusfans besorgt: Was wird aus den Tieren – und werden die Dompteurinnen und Dompteure nun arbeitslos?

 

Dalien Cohen, Juniorchef des Weltweihnachtscircus, erklärt auf Anfrage unserer Zeitung: Für die Artistinnen und Artisten mit Tieren bedeute das Aus ihrer Nummern in Stuttgart nicht das Ende ihrer Karriere. „In Ungarn sind noch alle Zirkusse mit Tieren, und es gibt auch in ganz Deutschland und Europa noch viele Zirkusse mit Tieren“, sagt Cohen. Wer mit Tiernummern auftreten wolle, werde weiterhin Möglichkeiten finden. Dass die Pferde  nun in  Gnaden- oder Lebenshöfen landen, weil der Weltweihnachtscircus künftig auf die Buchung solcher Nummern verzichte, sei eher nicht zu erwarten. 

Auch der Circus Roncalli hat Tiernummern gestrichen – doch es gibt noch viele Pferde-Shows wie Cavaluna. Verboten sind Auftritte mit Pferden in Deutschland nicht, auch in Stuttgart nicht. Die Entscheidung der Betreiber erfolgte freiwillig.

„Anfeindungen rauben Angelina Richter den Schlaf“

Besonders nahe gegangen sind die Proteste der vergangenen Wochen der 20-jährigen Dompteurin Angelina Richter. Die Anfeindungen von Tierrechtsaktivisten hätten sie „persönlich sehr getroffen“, berichtet Cohen. Richter habe viele Nächte nicht schlafen können. In Stuttgart trat sie zuletzt mit der „Ungarischen Post“ auf – einer klassischen Pferdenummer, die hohe Präzision und ein besonderes Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Tier erfordert.

Vor allem die Ungarische Post von Angelina Richter stand in der Kritik bei Tierrechtsaktivisten. Foto: Stardust/Francois Dehurtevent

Die 20-Jährige stammt aus einer ungarischen Zirkusdynastie in neunter Generation. Für sie seien Pferde keine Arbeitsgeräte, sondern Teil der Familie. Sie lehnt Tierleid nach eigenen Angaben strikt ab. Umso schwerer falle es ihr, dass das, was Generationen vor ihr mit Pferden zeigen durften, heute als nicht mehr zeitgemäß gilt oder gar verboten werden soll. „Damit tut sich die junge Dompteurin sehr schwer“, heißt es aus ihrem Umfeld.

Nächste Woche ist Angelina Richter beim Zirkusfestival von Monte Carlo

In der kommenden Woche wird Richter beim renommierten Zirkusfestival von Monte Carlo auftreten. Dort ist sie zum Wettbewerb um die begehrtesten Auszeichnungen der Branche eingeladen. Viele fragen sich nun: Werden auch in Monaco Tierschützer demonstrieren – oder ist die aktuelle Debatte vor allem ein deutsches Phänomen?

Influencer Malte Zierden „zittert am ganzen Körper“

Währenddessen feiern Tierrechtsaktivisten den Kurswechsel des Weltweihnachtscircus als Durchbruch. Der Influencer und Tieraktivist Malte Zierden postet auf Instagram ein emotionales Video. „Ich zittere am ganzen Körper“, sagt er darin, er habe überall Gänsehaut. Denn es sei etwas Unglaubliches passiert: „Ihr habt etwas, was unmöglich war, möglich gemacht.“ Für ihn ist das ein Beweis dafür, dass viele „kleine Stimmen“ etwas bewirken könnten, wenn sie gemeinsam „laut werden“. Besonders wichtig ist ihm, dem Weltweihnachtscircus für die mutige Entscheidung zu danken: „Das ist großartig und das Schönste, was uns passieren könnte.“

Strafanzeige gegen Zierden wegen falscher Behauptungen

Zierden war es auch, der mit seinen Posts gegen eine Tauben-Nummer im Weltweihnachtscircus bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt hatte. Nach Ansicht der Stadt Stuttgart war sein Beitrag jedoch manipuliert und habe Fake News enthalten. Der ukrainische Magier wurde nach Angaben aus dem Umfeld des Zirkus persönlich bedroht und kündigte juristische Schritte gegen Zierden an. Darauf geht der Influencer in seinem jüngsten „Gänsehaut-Post“ mit keinem Wort ein.

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