Wer wird OB in Leonberg? Die Dramatik eines Wahlkampfes
Dass Josefa von Hohenzollern völlig unerwartet ihren Mann verloren hat, zeigt, dass Macht und Politik nicht alles sind. Doch der Kampf um das Leonberger Rathaus nimmt an Fahrt auf.
Dass Josefa von Hohenzollern völlig unerwartet ihren Mann verloren hat, zeigt, dass Macht und Politik nicht alles sind. Doch der Kampf um das Leonberger Rathaus nimmt an Fahrt auf.
Selbst wenn ihn die wenigsten gekannt haben dürften: Der plötzliche Tod des Ehemanns von Josefa von Hohenzollern hat viele Menschen weit über Leonberg hinaus betroffen gemacht. Prinz Harald, ein Schmuckhändler, der zwischen Deutschland und Namibia gependelt ist, wurde im Alter von erst 63 mitten aus dem Leben gerissen. Er starb an einem plötzlichen Herztod. Die beiden hatten sich vor zwei Jahren kennengelernt und erst im vergangenen September fernab der Öffentlichkeit geheiratet.
Seine Witwe trifft der Schicksalsschlag mitten im OB-Wahlkampf. Die Erste Bürgermeisterin von Leonberg, vom amtierenden Oberbürgermeister Martin Georg Cohn mit einem Arbeitsverbot wegen, wie er sagt, „gravierender Verletzungen der Dienstpflichten“ belegt, will selbst in den Chefsessel. In den vergangenen Monaten hatte sie ihre Internetpräsenz erkennbar gesteigert. Am vergangenen Wochenende erklärte die 51-Jährige ihre Kandidatur dann offiziell; zeitgleich mit ihrem Mitbewerber Tobias Degode aus Düsseldorf.
Und nur zwei Tage später stirbt ihr Mann, kippt einfach um, als er ins Auto steigen will. Dass Josefa von Hohenzollern sich nun eine Auszeit verordnet hat, ist verständlich und richtig. Wahlkampfauftritte und Small-Talk in dieser Situation? Undenkbar! Zumal sie im Juli ein Kind erwartet und nun um dessen Wohlergehen bangt. Gleichwohl wird die von Cohn kaltgestellte Rathaus-Vize nach einer gewissen Zeit des Innehaltens auf die politische Bühne zurückkehren. Ihr Mann, das hat sie gesagt, habe sie ausdrücklich in ihren OB-Ambitionen unterstützt.
Das Leben geht weiter, der Wettbewerb um den Chefsessel im Leonberger Rathaus ebenfalls. Seit Freitag gibt es zwei weitere Kandidatinnen. Fridi Miller aus Sindelfingen, die man – freundlich formuliert – als Spaßkandidatin bezeichnen kann, sagt selbst, dass sie im kommenden Jahr auch in Böblingen antreten werde. Ein ernsthaftes Interesse an Leonberg hat sie offenkundig nicht – zum Glück, möchte man hinzufügen.
Sehr wohl interessiert ist hingegen Marion Beck. Die 55-Jährige bringt Berufserfahrung in der freien Wirtschaft und in der Verwaltung mit. Ihre Laufbahn angefangen hat sie als Modefachfrau in der Warenhauskette Breuninger, bevor sie angesichts familienfreundlicherer Arbeitszeiten in den öffentlichen Dienst wechselte. Und dort einiges bewegt. Dass der Marktplatz in Weil der Stadt während Becks Zeit als Citymanagerin autofrei wurde und seinem ursprünglichen Zwecke dient, sei beispielhaft erwähnt.
In Leonberg hätte Marion Beck, genau wie Josefa von Hohenzollern, ähnliche Pläne. Beide Bewerberinnen sind sich zudem einig, dass das Postareal ein gutes Projekt ist, um die städtebauliche Wunde zu heilen, die zwischen der Altstadt und dem Leo-Center klafft. Hier geht Beck, die im Weil der Städter Teilort Hausen wohnt, übrigens auf Distanz zu ihren politischen Unterstützern von den Grünen und der Wählergemeinschaft SALZ. Beide haben Art und Umfang der Postareal-Pläne immer wieder deutlich kritisiert.
Marion Beck betont aber ihre Unabhängigkeit, übrigens genau wie die anderen Aspiranten, der Influencer Benjamin Schulz, Josefa von Hohenzollern und Tobias Degode. Letzterer ist auf dem Ticket von CDU und Freien Wählern unterwegs, die ihn an diesem Samstag um 14.30 Uhr in der Leonberger Stadthalle öffentlich vorstellen. Parteipolitisch ungebunden will aber auch der Verwaltungsleiter vom Rhein sein.
Eigentlich hat der OB-Wahlkampf in Leonberg noch gar nicht richtig begonnen, und doch scheint er schon in vollem Gange. Nicht nur angesichts des aktuellen Trauerfalles ist zu hoffen, dass die Fairness für alle Beteiligten oberstes Gebot ist.