Im Verschenkhäusle: Wertstoffhof-Mitarbeiterin Xenia Kett und Tobias Buck, Bereichsleiter Wertstoffhöfe beim Landratsamt Böblingen, studieren das Angebot. Foto: Simon Granville
Für Dinge, die nicht mehr gebraucht werden, aber noch intakt sind, gibt es nicht nur auf dem Leonberger Wertstoffhof eine besondere Einrichtung – die auch mal Ort für Gespräche wird.
Ein Ferngesteuertes Spielzeugauto, einen Roller... „Eigentlich suche ich noch eine Satteltasche fürs Fahrrad“, sagt einer der beiden jüngeren Männer, die am an diesem Vormittag vor dem „Verschenkhäusle“ auf dem Leonberger Wertstoffhof stehen. Manchmal empfehle es sich einfach, abzuwarten, wenn man etwas bestimmtes suche, berichten sie. Die beiden schauen häufiger auf dem Gelände an der Hertichstraße vorbei – und hoffen darauf, dass andere Leonbergerinnen und Leonberger etwas vorbeibringen, das sie gebrauchen können. „Was wir hier mitnehmen, das ist nur für uns“, betonen sie.
Seit einem Jahr gibt es das Häusle
Das Verschenkhäusle gibt es in Leonberg, seit der Werststoffhof vor fast genau einem Jahr umgezogen ist. Auf dem beengten Areal am Bahnhof habe es zuvor keinen Platz für ein solches Angebot gegeben, sagt Tobias Buck, der Bereichsleiter Wertstoffhöfe beim Landratsamt Böblingen. Nun aber ist Raum da – und in Person von Xenia Kett auch eine Mitarbeiterin, die sich darum kümmert, dass nur unbeschädigte Dinge ihren Weg in die Regale und Auslagen finden, die in einer großen Räumlichkeit direkt im Haupthaus neben Büros und Umkleiden aufgebaut sind.
„Ach schau mal, da hat es sogar einen Kaufladen“, entfährt es einer Frau im eher gesetzteren Alter, als sie das Verschenkhäusle betritt und ihr Blick auf das kleine, hölzerne Konstrukt fällt. Nur wenige Meter weiter interessiert sich eine etwas jüngere Frau für die Kinderbücher im Regal daneben, während der Bub, den sie mitgebracht hat – es ist vielleicht ihr Enkel? – sich an einem Sack voller Spielsachen zu schaffen macht. Draußen schleppt eine weitere Dame ein kleines Elektrogerät an, von dem sie offenbar nicht weiß, wo sie es entsorgen soll.
Auftritt Xenia Kett. Die 35-jährige Frau aus Magstadt arbeitet seit Januar auf dem Leonberger Wertstoffhof. Sie weiß, was in welchen Container gehört und weist der Dame den Weg. Außerdem hat sie das Verschenkhäusle im Blick. Denn manchmal gibt es Dinge, die nun mal zu schade für ebenjene Container sind. Sie warten dann darauf, dass sie doch noch jemand gebrauchen kann. Drei Gegenstände darf man von dort auf einmal mitnehmen.
Das Hauptgebäude des Leonberger Wertstoffhofs: Hier befindet sich das Verschenkhäusle. Foto: Simon Granville
Das erste Verschenkhäusle entstand im Dezember 2020 auf dem Wertstoffhof Böblingen-Hulb. 2021 folgten Renningen-Malmsheim und Herrenberg-Kayh, 2022 Ehningen, 2023 Rutesheim sowie Darmsheim und 2024 schließlich Holzgerlingen und Leonberg.
Bücher, CDs, Schallplatten, Kinderspielzeug, Vasen, Blumentöpfe, Geschirr und vieles mehr – die Auswahl ist groß. Elektrogeräte hingegen sucht man im Verschenkhäusle vergeblich. „Das hat Sicherheitsgründe“, betonen Tobias Buck und Xenia Kett gleichermaßen. Niemand könne ohne eingehende Prüfung garantieren, ob die Geräte noch voll funktionsfähig oder doch schon defekt und damit potenziell gefährlich seien. Das gelte im Übrigen auch für Fahrradhelme. Auch Kleider werden nicht angenommen.
Manchmal hört Xenia Kett nur zu
Manchmal allerdings geht es weniger darum, bloß materielle Dinge loszuwerden. „Wenn Menschen während einer Haushaltsauflösung hierher kommen, dann erzählen sie gerne ein bisschen – zum Beispiel, wenn das, was sie herbringen, einmal der verstorbenen Mutter gehört hat“, berichtet Xenia Kett. Sie höre dann einfach zu. „Und dann geht es ihnen besser.“ Generell sei der Wertstoffhof für nicht wenige ein netter Treffpunkt für einen Plausch.
Im Verschenkhäusle nimmt ein Mann mittleren Alters akribisch die Kiste mit den Schallplatten unter die Lupe. Schlager, viel Klassik. Ob er eine Rarität findet, bleibt unbekannt. Fündig wird hingegen ein Leonberger, der auf Hardrock steht. Er bedient sich ausführlich bei den Mitbringseln eines Mannes, der anlässlich einer Renovierung daheim seine stattliche CD-Sammlung reduziert hat. Auf der anderen Seite des Tischs, auf dem ein vollständiges Teeservice steht, hat eine Frau derweil einen Kerzenständer erspäht, der ihr offenbar zusagt.
Bild von der Eröffnung: Seit Juli 2024 befindet sich der Leonberger Wertstoffhof in der Hertichstraße. Foto: Simon Granville
Kleine, gut erhaltene Möbelstücke seien ein Renner, sagt Xenia Kett, genau wie Brettspiele und Puzzles. „Schönes Geschirr und Gläser gehen auch gut“, fügt sie hinzu. Bücher würden indes viele vorbeigebracht – mitgenommen aber nur eher selten. Beim Blick ins Regal zeigt sich: Zwischen mindestens zwei Exemplaren von Dan Browns „Illuminati“ stehen auch Wälzer, die so gar nicht mehr aktuell oder zeitgemäß sind.
Die Mitarbeiterin hat selbst schon eine Tasse mitgenommen
Xenia Kett selbst hat auch schon einmal etwas aus „ihrem“ Verschenkhäusle mitgenommen. „Eine schöne Teetasse“, sagt sie und lacht, „das war ein perfektes Geschenk.“ Und warum sollten die Mitarbeitenden nicht auch das Angebot nutzen können, wenn ihnen etwas gefällt? „Das Verschenkhäusle ist für alle offen“, sagt Tobias Buck.
Vor der Tür haben die zwei jungen Männer mittlerweile einen Plattenspieler ergattert, den jemand entsorgen wollte. Auch ein Fondueset steht inzwischen neben ihren Fahrrädern. „Manchmal muss man eben ein bisschen Zeit mitbringen“, sagen sie.
Arbeiten auf dem Wertstoffhof
Ehrenamtliche „Auf anderen Wertstoffhöfen kümmern sich Ehrenamtliche um das Verschenkhäusle“, sagt Tobias Buck, Bereichsleiter Wertstoffhöfe beim Landratsamt Böblingen. Daher sei man ständig auf der Suche nach helfenden Händen – auch in Leonberg, wo inklusive Wochenend-Aushilfen derzeit sieben Personen arbeiten. Wer interessiert ist, kann sich bei Tobias Buck direkt melden, telefonisch unter 07031/6631350 oder per E-Mail an t.buck@lrabb.de.
Öffnungszeiten Der Leonberger Wertstoffhof, Hertichstraße 79, hat montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 15 Uhr geöffnet.