Unter dem Motto „Zeit, zu machen“ trommeln die Verbände für den Tag des Handwerks 2024 an diesem Samstag. Der Aufwand ist enorm: Schon seit Kampagnenbeginn Anfang März wurden Plakate in 370 Städten der Republik postiert oder die Botschaften auf digitalen Plattformen verbreitet, und gerade in diesen Tagen zeigen Vertreter der Zunft vielerorts Präsenz. Sie stellen das Handwerk mit einer Million Betrieben und 5,6 Millionen Beschäftigten bundesweit als eine wild entschlossene Gemeinschaft mit „Schaffenskraft und Gestaltungswillen“ dar. „Deutschland, wir haben viel vor“, heißt es im Werbesprech.
Doch „entscheidend ist aufm Platz“, wie es im Fußball heißt. Wie gut präsentiert sich das Handwerk im Alltag? Eine Bestandsaufnahme nach monatelangen Erfahrungen mit etwa 30 Betrieben des baunahen Handwerks mit vorrangigen Tipps für die Kunden.
1 Sondierungsaufwand berücksichtigen Damit beginnen die Sorgen: Welche Handwerker nehmen für eine umfangreiche Renovierung am Haus? Hilfreich sind Empfehlungen aus Bekanntenkreis oder Nachbarschaft. Oder man versucht, vom Internetauftritt auf die Professionalität eines Betriebs zu schließen. Doch wer eine schicke Website hat, muss nicht unbedingt gut und zu fairen Preisen arbeiten. Seltener sind Zufallstreffer: einfach mal Kontakt zum Schreiner G. aus dem Nachbarort aufnehmen und gleich ein gutes Gefühl haben, dass er zuverlässig agiert und verlässlich abrechnet.
2 Vorsicht bei Vergleichsplattformen Unterstützung bieten Internetportale wie MyHammer, doch dies ist mit Nachteilen versehen. So erscheinen nicht selten die Qualifikationen der dort vertretenen Anbieter schwer durchschaubar, auch weil manche von ihnen in diversen Gewerken tätig sind. Sich auf die oft wenig differenzierten Bewertungen zu verlassen, kann ein Irrweg sein.
Zugleich zeigt die Erfahrung: Über MyHammer eingeholte Angebote, sofern überhaupt eine Antwort kommt, sind nicht generell günstiger. Bei den Betrieben wiederum erzeugt die Gebührenstrategie der Plattform Unmut, weshalb sich auf einschlägigen Websites die Beschwerden häufen. „Ich habe als Handwerker keine Chance, faire Angebote zu erstellen, wenn sich MyHammer zehn bis 20 Prozent des Auftragswertes nimmt“, schimpft einer von ihnen. Bodenständige Betriebe wie der Parkettverleger H. lassen sich auf diesen Weg schon nicht mehr ein und verzichten auf Angebote über den Kanal.
3 Mit Kommunikationsschwächen rechnen Dies ist vielleicht der heikelste Punkt: In der Kommunikation gibt es im (baunahen) Handwerk offenkundig massive Schwächen. Schön wäre es, wenn alle so wären wie der Maler A., der sich am Tag nach einer Anfrage telefonisch meldet und gleich einen Vor-Ort-Termin ausmachen will. Oder der Rollladenbauer B.: Da dauert es von der Kontaktaufnahme über den Besichtigungstermin bis zum Angebot lediglich zwei Wochen.
Doch es gibt auch den Maler W. und viele andere Handwerksbetriebe, die auf eine Anfrage überhaupt nicht reagieren. Ein Hinweis, dass man nicht interessiert sei, wäre ja schon hilfreich, damit die Suche weiter gehen kann. Betrieben, die ihre Mailpostfächer nicht pflegen, mag man nicht trauen. Oder aber es keimt der Verdacht, dass die Auslastung in der Baukrise nicht so dramatisch gering ist, wie die Verbände es oft darstellen.
Kaum besser läuft es, wenn Malermeister B. zwar Interesse an einer Auftragsübernahme signalisiert, auf die Frage nach einem Vor-Ort-Termin aber nicht mehr reagiert – oder wenn der Flaschner sich nicht auf Konkretes festlegen mag. Die vage Aussicht, dass man bis zum Herbst ausgelastet sei und sich dann kümmern kann, hilft im Mai nicht weiter. Um Hängepartien zu vermeiden, braucht es klare Ansagen von beiden Seiten.
Ziemlich unbekannt sind in der Zunft offenbar digitale Antwortassistenten. Sie würden helfen bei der Frage: Antwortet dieser Handwerker jetzt nicht, weil er nicht will – oder weil er einfach nur in Urlaub ist?
4 Angebote vergleichen Bei einem Renovierungsvorhaben im Gesamtvolumen einer hohen fünfstelligen Summe empfiehlt es sich, immer wieder die Angebote zu vergleichen. Sonst könnte man bei einem Parkettleger wie M. landen, der mehr als das Doppelte dessen berechnet, was der Kollege H. veranschlagt – inklusive Anzahlung von 50 Prozent des Gesamtbetrags.
Vorsicht auch, wenn der Elektriker S. sich den Weg spart und eine Ausführung allein auf Grundlage eines Fotos anbietet – dann aber für 190 Euro mehr als der Kollege H., der sich vor Ort ein Bild gemacht hat. Zu beachten ist ebenso, dass für Meisterstunden ganz unterschiedliche Werte zwischen 60 und 80 Euro veranschlagt werden und Angebote unter dem Vorbehalt der tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden stehen. Und das Skonto, ein altgewohnter Anreiz für den Kunden, die Rechnung rasch zu begleichen, droht bedauerlicherweise auszusterben.
5 Engen Kontakt halten Bei allem Vertrauen in die handwerklichen Fähigkeiten: Ist der Auftrag vergeben, empfiehlt es sich, engen Kontakt zu halten. Damit lassen sich Missverständnisse und teure Nacharbeiten vermeiden. Kontrollen beugen bösen Überraschungen vor. Die Erfahrung zeigt immerhin: Wer seinen Handwerker oder seine Handwerkerin sorgfältig ausgewählt hat, kann sich in aller Regel auf gute Arbeit verlassen.