Die Züge im Wieslauftal rollen bald wieder die volle Strecke bis Oberndorf. Doch am eigentlich angepeilten Termin zum Schulbeginn nach den Sommerferien hat noch ein Detail gefehlt.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)

Das vertraute Rumpeln auf den Gleisen war über ein Jahr lang verstummt. Nun naht das Comeback auf ganzer Linie: Vom 22. September soll die Wieslauftalbahn wieder den kompletten Linienweg bis zum Rudersberger Teilort Oberndorf (Rems-Murr-Kreis) befahren. Dies geht aus einer aktuellen Mitteilung des Waiblinger Landratsamts hervor.

 

Die Wiederaufnahme des dritten Streckenabschnitts zwischen Rudersberg-Nord und Oberndorf markiert das vorläufige Ende einer langen Phase der Geduld – und des Improvisierens. Seit der Flutkatastrophe im Juni 2024, bei der die Gleise, Fahrzeuge und die Werkstatthalle schwer beschädigt wurden, war die Bahnlinie erst gar nicht, dann nur abschnittsweise nutzbar. Der Schienenersatzverkehr wurde zur Geduldsprobe – Staus, Verspätungen, überfüllte Busse inklusive.

Wieslauftalbahn kehrt nach Flutkatastrophe Schritt für Schritt zurück

Jetzt ist ein Ende in Sicht – wenn auch ein zögerliches. Noch in der ersten Schulwoche bleiben Schüler, Pendler und Ausflügler auf den Ersatzbus zwischen Rudersberg-Nord und Oberndorf angewiesen. Ursache der Verzögerung: ein technisches Nadelöhr an der Siemensstraße in Rudersberg.

Eine Platine hält ein Tal in Atem. Es ist kein gewöhnlicher Bahnübergang: Wenn sich ein Zug nähert, muss nicht nur eine Schranke geschlossen werden. Eine intelligente Lichtsignalsteuerung koordiniert mehrere Verkehrsströme in zwei benachbarten Kreisverkehren – damit kein Auto mehr auf den Gleisen stehen bleibt. Eine Technik, die auf Präzision angewiesen ist.

Doch genau diese Technik war defekt, und Ersatzteile, insbesondere eine zentrale Steuerplatine, ließen monatelang auf sich warten. Erst Ende August seien die dringend benötigten Bauteile laut dem Landratsamt eingetroffen. Zwar sind sie mittlerweile eingebaut, doch es hapert weiter: Die Kommunikation zwischen Zug und Lichtsignalanlage läuft noch nicht rund. Das Landratsamt und die Württembergische Eisenbahngesellschaft (WEG) arbeiten „mit Hochdruck“ an der finalen Abstimmung, heißt es.

Die Arbeiten an der Strecke sind abgeschlossen. Jetzt hakt es nur noch an einem kleinen Detail. Foto: Frank Rodenhausen

Zwischen Geduld und Hoffnung: Bereits seit April 2025 rollt das Wiesel wieder zwischen Schorndorf und Rudersberg, seit Juli immerhin bis Rudersberg-Nord. Die Freude über den schrittweisen Wiederaufbau war groß – nicht zuletzt, weil die Wieslauftalbahn ein Rückgrat der Region ist: Für viele Schüler ist sie tägliches Verkehrsmittel, für Pendler ein unverzichtbarer Anschluss an die S-Bahnlinie 2 Richtung Stuttgart. Und für Ausflügler bietet die Strecke eine entschleunigte Fahrt durchs malerische Wieslauftal – vorbei an Streuobstwiesen, Gärten und der Ölmühle Michelau.

Wieslauftalbahn bleibt wichtige Lebensader für Schüler, Pendler und Ausflügler

Doch der Abschnitt bis Oberndorf blieb eine Baustelle. Wochenlang hieß es: Umsteigen in den Bus. „Der war oft voll, stand im Stau“, klagte eine Pendlerin aus Miedelsbach. Der Unterschied zum Zugbetrieb? „Mit dem Wiesel ist das wieder etwas ganz anderes.“ Jubiläum mit Wehmut – und Optimismus: Trotz aller Widrigkeiten wurde im Juni gefeiert. 30 Jahre Wieslauftalbahn – ein runder Geburtstag mit Symbolkraft. Denn schon einmal stand die Bahnstrecke vor dem Aus. 1995 wurde sie von engagierten Kommunen und Bürgern reaktiviert, der Zweckverband Verkehrsverband Wieslauftalbahn (ZVVW) wurde gegründet, die Linie erhielt den Spitznamen „Wiesel“.

30 Jahre Wieslauftalbahn: Jubiläum trotz Krisen gefeiert

Dass ausgerechnet zum Jubiläumsjahr erneut ein Neuanfang nötig wurde, wirkt wie ein Déjà-vu. Doch dieses Mal ist es die Natur, nicht die Politik, die die Züge stoppt. Die Flut 2024 riss nicht nur Schotter aus dem Gleisbett, sie zerstörte auch Fahrzeuge und Werkstattanlagen. Umso bemerkenswerter ist das Tempo des Wiederaufbaus: Schon im Frühjahr fuhr das Wiesel wieder – schneller als viele erwartet hatten.

Halbstundentakt mit neuen Wieselfahrzeugen in Aussicht

Die letzten Meter: Bis heute pendelt das Wiesel im Stundentakt. Ergänzt wird der Betrieb durch Gelenkbusse, die halbstündlich fahren. Noch, denn mit der geplanten Inbetriebnahme des dritten gebrauchten Wieselfahrzeugs, das Ende August geliefert wurde, könnte bald ein durchgehender Halbstundentakt per Zug realisiert werden. Die abschließende Planung läuft.

Währenddessen bleibt für die letzten Meter zwischen Rudersberg-Nord und Oberndorf nur Geduld. Das Landratsamt versichert, man tue alles, um die noch bestehenden Probleme am Bahnübergang rasch zu lösen. Die Fahrgäste bittet man um Verständnis – und um noch ein wenig Ausdauer.