Wilhelma als Ausbildungsstätte Drei fertige Azubis erzählen: Warum Tierpfleger „cool“ ist und Spaß macht
Drei von fünf Auszubildenden sind nach Abschluss ihrer Lehre noch in der Wilhelma tätig. Was macht ihnen an ihrem Beruf Spaß?
Drei von fünf Auszubildenden sind nach Abschluss ihrer Lehre noch in der Wilhelma tätig. Was macht ihnen an ihrem Beruf Spaß?
Shai-Jan Einselen (22), Nicole Reichenbach (20) und Marlene Pfannkuche (22) haben kürzlich ihre Ausbildung in der Wilhelma beendet. Sie sind drei von fünf Auszubildenden, die weiterhin im Stuttgarter Zoo als Tierpfleger arbeiten und zu den besten ihres Fachs zählen. Einselen ist bei den Azubis mit der besten Abschlussnote – 1,3 - Landes- und Bundessieger. Und auch Reichenbach hat einen Preis bekommen mit der Note 1,4. Sie sind alle drei mit Feuereifer dabei, das ist ihnen anzumerken auf dem Weg zu ihren Arbeitsplätzen.
Angesichts des trüben Winterwetters gibt es einen Zwischenstopp im Palmenhaus am Koi-Teich, einem der schönen Grünbereiche des zoologisch-botanischen Gartens - während es draußen grau und trist ist. Das genießen auch die drei jungen frisch ausgebildeten Zootierpfleger. Einselen, der aus Kirchheim/Teck stammt, freut sich, im größten Zoo Baden-Württembergs arbeiten zu dürfen.
Er möchte gerne noch Biologie studieren und in die Forschung gehen im Bereich Wildtiermonitoring und Artenschutz.
Stelzvögel haben es ihm angetan, wie Flamingos und Pelikane. Für ihn ist es auch nicht schwer, morgens um 7 Uhr anzufangen mit der Arbeit und im Sommer um 6 Uhr. „Ich wohne ja hier im Wohnheim“, erzählt er. Da ist der Weg zur Arbeit nicht weit.
Reichenbach stammt aus der Nähe von Heidelberg, aus Rauenberg. Sie war als Kind schon mal in der Wilhelma, öfter in den näheren Zoos wie Heidelberg und Karlsruhe. „Ich habe mich schon recht früh für Tiere interessiert“, sagt sie, „ich finde die meisten interessant und hier in der Wilhelma die ganze Vielfalt.“ Früher fand sie Elefanten und Löwen spannend, heute ist sie im Haus für Kleinsäuger, Vögel und Insektivoren sehr gerne im Einsatz. Gehege sauber machen, Futter schneiden. Die Nacktmulle dort findet sie „cool“. Sie schaut nach den Gürteltieren, ob es ihnen gut geht, dass der Panzer keine Macken oder Verletzungen hat und macht den Gesundheitscheck: Augen, Nase, Ohren und schaut nach Ausfluss. Die vielen afrikanischen Vögel gefallen ihr besonders.
Als sie den Riesentukan Taco auf dem Arm hält und ihn mit Fruchtkügelchen füttert, strahlt sie. Kurz fliegt er weg und ein Ruf von ihr, schon landet er wieder punktgenau auf ihrem Arm. Sie schwärmt, wie toll es ist, zu sehen, wenn bei den jungen Tukanen die Federn durchbrechen. „Aber bei den langen Schnäbeln muss man aufpassen“, weiß sie. Doch im Umgang mit Taco schwingt Freude und Leichtigkeit mit und ist die Begeisterung zu spüren. „Die Tiere geben einem einiges zurück, es ist schön, mit ihnen zu leben und zu arbeiten“, sagt Reichenbach. Zu Hause bei den Eltern hat sie Kaninchen und Kanarienvögel erlebt. In der Wilhelma war sie fasziniert von Jungtieren, auch von einem Alpacca, das hier aufwuchs. Über die Ehrung durch die Industrie- und Handelskammer hat sie sich kürzlich sehr gefreut. „Das hätte ich nicht gedacht.“
Marlene Pfannkuche, wollte schon immer „draußen arbeiten und, nicht im Büro sitzen.“ Die 22-Jährige mit der Abschlussnote 1,6, hat sich während des Abiturs für den Tierpfleger-Beruf entschieden. Sie hat in Herford im Tierpark ein Praktikum gemacht und war im Zoo in Neuwied und im Opel Zoo Frankfurt. Die gebürtige Bielefelderin hat sich weiträumig beworben. In der Wilhelma gefallen ihr auch die historischen Gebäude. Derzeit arbeitet sie in der Terra Australis – und ist bei allen Tieren außer den Koalas. „Da werde ich noch eingearbeitet.“ Sie ist in den Nachtbereichen tätig.
Die Quokkas und Wombats haben es ihr angetan. Auf der Freianlage kommen nach dem Läuten eines Glöckchens auch gleich zwei Quokkas, um sich bei ihr Gemüse und Pellets zu holen. Gerne würde sie mal nach Australien reisen – in die Heimat der Quokkas. „Aber dann dorthin, wo die Einheimischen sind“, sagt Pfannkuche.
Im Haus für Kleinsäuger, Vögel und Insektivoren (KVI) hat sie auch gerne gearbeitet, vor allem mit den Kleinsäugern. Mit der Dunkelheit in den beiden Nachtbereichen in der Terra Australis kommt sie gut klar. „Wir haben Rotlichttaschenlampen, die wir benutzen“, sagt sie. Und morgens sei es noch hell. „Wir haben bis 9 Uhr Zeit, sauber zu machen.“ Sie will erst mal noch in der Wilhelma bleiben, aber zukünftig gerne im Artenschutz bedrohten Tierarten helfen.