Aus unserem Archiv - Einst stand der Aussichtspavillon für König Wilhelm I. auf einem Sockel. Bald ist er erstmals offen für alle. Wie sieht es im Innern aus? Ein Besuch.
Seit vier Jahren ist das Eingangsportal vor der Wilhelma verdeckt durch Stellwände, Planen, Gerüste und Holzwände. Der Pavillon, der einst zum ehemaligen Lustschloss La Wilhelma gehörte, wird saniert. Lange diente es als Kassenhäuschen. Wie sieht es jetzt im königlichen Juwel aus. Was steckt hinter der langen Sanierung?
Bald ist die Wartezeit zu Ende, denn: Noch vor Ostern kommenden Jahres soll der Pavillon eröffnet werden, wie Eckhard Gromen, Projektleiter des Bauherrn Vermögen und Bau erklärt. Dann können alle Besucher erstmals das Juwel des Königs anschauen.
Eckhard Gromen zeigt erste restaurierte Gemälde. Foto: Ferdinando Iannone
Wie weit ist die Sanierung?
Einiges ist schon bei der Sanierung des historischen Kleinods geschafft. Die Gemälde sind saniert, restauriert und konserviert. Der gusseiserne Gang wurde komplett zerlegt und rundum erneuert. Neben der Restaurierung und Konservierung der Malereien sind auch die Steine und Mauern restauriert worden. Noch stehen die gesamten Kosten nicht fest. Zuletzt waren Baukosten von 1,8 Millionen Euro genannt worden.
Der helle Terrazzo-Boden im Innern ist schon gegossen. Die Anschlüsse an die Wände fehlen noch – und die komplette Möblierung. Noch steht ein Gerüst im Innern des Pavillons und sind die Wandmalereien mit weißem Flies verdeckt. Zwei der fünf Fenster werden bodentief sein.
Blickt man im Pavillon nach oben, ist derzeit noch die offene hölzerne Konstruktion des Kuppelaufsatzes erkennbar. „Dort wird noch eine Putzdecke eingezogen, die sich der Kuppel-Form anpasst“, sagt Gromen. Auch ein Leuchter wird noch aufgehängt. „Es wird ein modernes Element sein“, erklärt Christian Angermann, der Referatsleiter Wilhelma von Vermögen und Bau.
Welche Vorbilder gibt es für den Pavillon?
Das Haus zeigt vielerlei orientalische Einflüsse. So hat Kunsthistoriker Maximilian Friedrich Grimm in seinem Buch „Die historische Wilhelma“, Faszination Orient im 19. Jahrhundert, die Vorbilder und Bezüge des turmartigen achteckigen Baus herausgearbeitet, über den ein halb so hoher Pavillon gestellt wurde. Der Pavillon sei, so Grimm, weniger arabisch, als pompejanisch dekoriert und leite stilistisch zum pompejanischen Wilhelma-Theater mit Terracottamauer über. Verziert sei er, ähnlich wie das Wilhelma-Theater innen, etwa mit Blumenschmuck, Vögeln, Mäander, also schlangenförmig geschlungene Linien und antikisierenden Wellen. Grimm erkennt Bezüge zum Kettendom in Jerusalem, der nach demselben Prinzip aufgebaut sei. Die Form des Oktogons beim Wilhelma-Pavillon komme eventuell durch den Felsendom in Jerusalem, dem ältesten islamischen Sakralbau der Welt, der neben dem Kettendom steht.
Was ist im Innern des Pavillons zu sehen?
Die pompejanischen Motive, Pflanzen, Tiere und Ornamente, sind jetzt auch im Innern in voller Farbenpracht wieder zu erkennen. Ausschnittweise. Denn: Noch hängt viel Flies vor den Wänden mit den Malereien. Der Eingangspavillon mit seinen Rundbögen, der auf hohen schlanken Pfeilern aus Gusseisen steht, hat übrigens ein orientalisches Vorbild.
Welche anderen Bauten in der Wilhelma sind auch orientalisch?
Neben dem gusseisernen Pavillon hat Grimm weitere Bezüge von Bauten in der Wilhelma zur orientalischen Welt gefunden; für das Badhaus im ägyptischen Kairo, das heutige Maurische Landhaus und für den Festsaalbau und die Damaszenerhalle sowie die gusseisernen Pavillons mit ihren Zwiebelkuppeln im Maurischen Garten. Sie hatten, so Grimm, ein direktes Vorbild: einen Kuppelaufsatz der Grabmoschee des Sultan Qaitbay in Kairo.
Woher kannte Baumeister Zahnt die orientalischen Vorbilder?
Autor Grimm verweist darauf, dass Oberstallmeister Graf von Taubenheim dem Architekten Zahnt 1840 aus Konstantinopel (dem heutigen Istanbul) geschrieben hat und darauf verweist, dass „mit Ausnahme der alten maurischen Monumente der Moscheen, Grabmäler und Brunnen“ die Gebäude nichts böten, was nachgeahmt zu werden verdiene.
Geplant wurde der Pavillon 1843 von Karl Ludwig Zahnth im Auftrag von König Wilhelm I., der einen überdachten Weg bis zum Wilhelma-Theater wollte. Dieses gesamte architektonische Zusammenspiel wird nun nach der Sanierung einmal mehr deutlich.
Wann war die letzte Sanierung des Pavillons?
1974 wurde der Pavillon im Rahmen der Erweiterung des Haupteingangs saniert. Da wurden erstmals die Malereien entdeckt. Deshalb wurde 2008 wurde der Eingangsbereich der Wilhelma erneuert und der Kassenbereich modernisiert. Diese aktuelle Erneuerungsmaßnahme war die Umfangreichste für den Pavillon, sagt Gromen.
Welche Funktion hat der Pavillon künftig?
Während der Sanierung kam die Idee, das Kleinod, das unter Denkmalschutz steht, für die Bevölkerung zu öffnen. Deshalb zogen sich die Arbeiten noch etwas in die Länge, so Gromen. Das Gebäude am Haupteingang der Wilhelma soll künftig ein Service-Center werden mit Theke und Arbeitsplätzen für zwei Mitarbeiter. Besucher sollen dort Informationen über die Wilhelma bekommen, auch beispielsweise, wie und wo sie dort Geburtstage oder Hochzeiten feiern können. Es soll dort aber keine Kasse installiert werden.