Die 54-Jährige engagiert sich bei den Parents for Future in Tübingen. Die Vielzahl an Einwendungen hätte den Eindruck erweckt, „die sind riesig“, sagt Leinweber. Das wollten sie nicht stehen lassen und haben eine Initiative gegründet. Sie halten die Gegner für Scheinriesen. Sie hätten herausgefunden, dass die bundesweite Initiative Vernunftkraft dahinterstecke, ein Verein, der lokale Gegnergruppen unterstützt. Nach Recherchen der Befürworter-Initiative konnte ein Gegner bis zu 140 Einwendungen mit einem Klick tätigen. Einmal wurde der Rotmilan angeführt, einmal Fledermäuse, einmal um der Habicht, und so weiter.
Laut Postleitzahlen viele aus der Region Neckar-Alb
Die Initiative um Tanja Leinweber aus Kirchentellinsfurt und Angela Schur aus Gomaringen hat eine Online-Petition bei Campact gestartet, für die sie bisher etwas mehr als 3000 Unterschriften gesammelt haben, laut Postleitzahlen fast alle aus der Region. Sie gehen davon aus, dass sie damit womöglich schon mehr sind als die Leute, die bei der Einwendungsüberschwemmung mitgemacht haben und tatsächlich aus der Region stammen.
In ihrer Petition fordert die Initiative Überraschendes: nämlich dass der Regionalverband einfach seinen Job macht. Das Wind-an-Land-Gesetz sieht vor, dass Baden-Württemberg 1,8 Prozent seiner Fläche für Windkraft und 0,2 Prozent für Solarenergie zur Verfügung stellt; die zwölf Regionalverbände sind derzeit auf der Suche, auch in der Region Neckar-Alb. Das Ziel der Pro-Initiative ist es also, dem Regionalverband den Rücken zu stärken.
Kennen keinen Fall mit so vielen Einwendungen
Rund 5000 weitere Schreiben sind laut Regionalverband neben dem Schwall von circa 440 000 Einwendungen eingegangen. Wobei die Zahl noch nicht verifiziert ist, sie stamme von dem Zusammenschluss, der das Ganze organisiert habe. „Die genauen Zahlen liegen erst vor, sobald die Verarbeitung der Stellungnahmen abgeschlossen ist“, erklärt die Verbandssprecherin Andrea Schmitt. Was sie dennoch sagen kann: „Wir kennen keine Beispiele aus der Vergangenheit oder in laufenden Regionalplanverfahren zum Ausbau der erneuerbaren Energien in Baden-Württemberg, bei denen eine entsprechend hohe Anzahl von Stellungnahmen eingegangen ist.“
Um die gefühlt unzähligen Einwendungen zu strukturieren und zu digitalisieren, hat der Regionalverband eine Spezialfirma in Filderstadt beauftragt. Kostenpunkt: gut 100 000 Euro. Die Verbandsverwaltung könne das unmöglich leisten, sagt Schmitt. „Schon gar nicht im durch das Land Baden-Württemberg vorgegebenen Zeitplan. Die Einhaltung des Zeitplans ist sehr wichtig.“ Wenn der Verband bis Ende 2025 keine 1,8 Prozent Fläche parat habe, dürften Projektierer an weit mehr Standorten Anlagen entwickeln.
Anfangs vernetzte sich die Pro-Initiative um Tanja Leinweber und Angela Schur vor allem über die Parents for Future. Inzwischen hat sie einen Social-Media-Auftritt, eine Homepage und einen E-Mail-Verteiler. Rund zwanzig Leute stellten derzeit den harten Kern. Besonders rege sei die Gruppe in Gomaringen. Angela Schur erzählt, dass sie selbst durch ihren Nachbarn aufmerksam wurde. „Ich war mir gleich ganz sicher, dass ich für die Windräder bin“, sagt sie. Auch der Süden brauche die Erneuerbaren.
Menschen aus Gomaringen besonders aktiv
Dass Menschen wie die Gomaringer in ihrer Initiative sind, die auch direkt betroffen sind, sei der Pro-Initiative sehr wichtig, sagt Tanja Leinweber. Sie wohnt in Kirchentellinsfurt nicht nahe eines geplanten Projekts. Sie möchten sich auf dem Land weiter bekannt machen, Kontakte knüpfen, wo die Parents for Future, anders als in Städten wie Tübingen oder Reutlingen, nicht so stark vertreten sind.
Sie wollen die Debatte versachlichen, erklärt Tanja Leinweber. Auf ihrer Internetseite finde sich ein Faktencheck. Der wachse stetig, denn sie haben sich inzwischen einen Sport daraus gemacht, jedes neue Argument der Gegner zu prüfen und nötigenfalls zu entkräften. Ihre Petition wollen sie im Oktober an die dann neue Regionalversammlung übergeben. Mit wie vielen Unterschriften, das bleibt abzuwarten.