Stihl-Vorstandschef Michael Traub bei der Vorstellung der Bilanzzahlen am Mittwoch. Foto: Gottfried Stoppel
Bisher krankt der Elektroantrieb im Profi-Bereich an langen Ladezeiten und schwacher Leistung. Das soll sich durch eine neue Akku-Generation des Waiblinger Herstellers ändern.
Mit einem neuen Hochleistungs-Akku will der Waiblinger Motorsägenbauer Stihl in seinem Jubiläumsjahr eine kleine technische Revolution schaffen – und den Elektroantrieb auch im professionellen Einsatzbereich zu einer echten Option machen. Exakt 100 Jahre nach der Gründung des jahrzehntelang auf benzingetriebene Modelle spezialisierten Familienunternehmens soll die neue Akku-Generation auch berufliche Nutzer von der E-Technik überzeugen.
Bei der Vorstellung der unter dem Begriff Allpro vermarkteten Produktneuheit sprach der Stihl-Vorstandsvorsitzende Michael Traub am Mittwoch von einem „Game-Changer“ für Forstarbeit und Landschaftspflege. Das Akku-System erschließe durch seine Leistungsfähigkeit viele Anwendungsfelder, in denen die Kundschaft bislang auf Geräte mit Verbrenner-Motor angewiesen gewesen sei. „Jetzt können auch Betriebe umrüsten, die beim Elektroantrieb bisher Angst haben mussten, bei der Arbeit im Wald plötzlich ohne Netzstecker dazustehen“, sagte Traub über die Entwicklung.
Mit 4 KW wird der Akku-Betrieb einer Kettensäge praxistauglich
Kernpunkte der Allpro-Akkus sind neben einer deutlich verlängerten Lebensdauer auch die extrem kurzen Ladezeiten. In gerade mal neun Minuten, versprechen die Stihl-Ingenieure, seien die Energiespeicher mit einem mobilen Schnellladegerät wieder zu 80 Prozent aufgefüllt. Interessant für professionelle Anwender dürfte neben der Ausdauer auch Maximalleistung von 4 KW sein – ein Niveau, auf dem neben Heckenschere und Rasentrimmer auch der Akku-Betrieb einer Kettensäge praxistauglich wird.
Außerdem wirbt der Motorsägenbauer mit einer deutlich verlängerten Lebensdauer – dank einer Verdopplung auf bis zu 3000 Ladezyklen könnte der je nach Kapazität bis zu 429 Euro teure Allpro-Akku bei einer Durchschnittsbenutzung immerhin ein Jahrzehnt lang halten. Auch deshalb spricht Stihl stolz von einem „technologischen Meilenstein“ – und hofft, vor dem Hintergrund explodierender Spritpreise auch für die Akku-Technik neue Zielgruppen erschließen zu können.
Stihl-Vorstandschef Michael Traub demonstriert am Mittwoch die Arbeit mit einer Akku-Motorsäge. Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Der Hintergrund: Zwar haben schon jetzt etwa zwei Drittel aller in Westeuropa verkauften Stihl-Geräte einen Akku-Antrieb, mit zweistelligen Zuwachsraten ist die Elektro-Sparte zum wichtigsten Standpfeiler geworden. Weltweit allerdings hinkt die Entwicklung hinterher, die Akku-Produkte verzeichnen zwar ebenfalls eine steigende Tendenz, machen aber bisher nur gut ein Viertel der verkauften Geräte aus.
Dennoch hält das Waiblinger Familienunternehmen an der Maxime fest, den Anteil der Elektro-Sparte binnen der nächsten zehn Jahre auch weltweit auf 80 Prozent zu steigern – ohne die technologische Spitzenposition im Verbrenner-Segment aufzugeben. Eine Schlüsselrolle bei der Aufgabe, die steigende Akku-Nachfrage auf dem europäischen Markt zu bedienen, spielt laut Vorstandschef Michael Traub das im Oktober eröffnete Werk im rumänischen Oradea. „Das untermauert unseren strategischen Anspruch“, sagt der Manager über die 125-Millionen-Euro-Investition.
Vor Personalabbau müssen sich Stihl-Beschäftigte nicht fürchten
Am Stammsitz in Waiblingen hat unterdessen die Fertigung von EC-Motoren begonnen. Künftig entsteht das zentrale Bauteil der Akku-Geräte in eigener Regie und wird nicht länger von Zulieferbetrieben bezogen. Neben diesem Bekenntnis zum Standort hat das Unternehmen den Beschäftigungssicherungsvertrag für das Stammhaus mit seinen acht Standorten für zwei weitere Jahre bis Ende 2027 verlängert.
Im deutschen Stammhaus der Stihl-Gruppe sind aktuell 5831 Menschen beschäftigt. Vor dem Wegzug der Mähroboter-Entwicklung nach China wurden 6064 Beschäftigte gezählt. Weltweit arbeiten 20.246 Menschen für Stihl – 2,6 Prozent mehr als vor einem Jahr.
Auf einem ähnlichen Niveau bewegt sich das Umsatzwachstum. Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurde der auf 5,48 Milliarden Euro gesteigert – trotz der herausfordernden Zollpolitik des größten Einzelmarkts USA, einer lahmenden Konjunktur und spürbarer Kaufzurückhaltung ein Plus von 2,8 Prozent. Knapp 91 Prozent der Erlöse erwirtschaftete Stihl im Ausland.