Kärcher-Mitarbeiter beim Reinigungseinsatz auf der großen Freitreppe in Schwäbisch Hall: Wegen der US-Politik muss über Preisaufschläge für Dampfstrahler und Hochdruckgeräte nachgedacht werden. Foto: Max Kovalenko
Auch Firmen wie Kärcher und Stihl haben massiv unter der Zollpolitik der US-Regierung gelitten – und fordern nach der Entscheidung des Supreme Courts siebenstellige Summen zurück.
Für den Stellenwert des Nordamerika-Geschäfts gibt es beim Waiblinger Motorsägenbauer Stihl ein geflügeltes Wort: „Wenn die USA husten, bekommen wir eine Grippe“, lautet der Spruch, der die wirtschaftliche Bedeutung des größten Übersee-Einzelmarkts für den schwäbischen Hersteller deutlich macht. Die Kundschaft in den Vereinigten Staaten und in Kanada ist für Stihl ein Wachstumsmotor, gut ein Drittel der auf zuletzt 5,48 Milliarden Euro gestiegenen Umsatzzahlen hat das Familienunternehmen in Nordamerika erwirtschaftet.
Die starke Präsenz hat allerdings eine Kehrseite: Auch wenn bei Stihl keine konkreten Zahlen genannt werden, dürfte der Motorsägenhersteller zu den deutschen Industrieunternehmen gehören, die am meisten unter dem von US-Präsident Donald Trump ausgelösten Wirrwarr ständig schwankender Importzölle gelitten haben. Seit im Weißen Haus nach dem Motto „Make-America-great-again“ regiert wird, gleicht das Übersee-Geschäft einer Achterbahn-Fahrt.
Die US-Politik kostete Stihl ein deutliches Umsatzwachstum
Gleich zweimal musste Stihl in den USA die Preise erhöhen, um die hohe Inflation durch einen schwachen Dollar auszugleichen. Das sorgte nicht nur für ein kurzzeitig boomendes Geschäft, weil sich amerikanische Fachhändler mit Blick auf drohende Extra-Aufschläge die Lager füllten. Die wirtschaftlichen Verwerfungen wirkten sich auch auf das Umsatzwachstum der Waiblinger Weltfirma aus. „Wir haben im vergangenen Jahr ein Plus von 2,8 Prozent erwirtschaftet. Hätte sich Donald Trump nicht entschieden, die USA zu einem Schwachwährungsland zu machen, wären es sogar sechs Prozent gewesen“, sagte Stihl-Vorstandschef Michael Traub jüngst bei der Vorstellung der aktuellen Bilanzzahlen.
Stihl-Vorstandschef Michael Traub: „Trump hat sich entschieden, die USA zu einem Schwachwährungsland zu machen.“ Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Die Klage über die Nebeneffekte der US-Zollpolitik hat einen gewissen Erklärungsbedarf. Denn eigentlich wird ein Großteil der in den Vereinigten Staaten verkauften Motorsägen und Gartenhelfer auch vor Ort produziert. Im Stihl-Werk in Virginia laufen jährlich etwa 3,5 Millionen Geräte vom Band. Das heißt, dass etwa 60 Prozent des US-Absatzes made in USA sind. Das Problem des Herstellers ist, dass die Importzölle auch für bestimmte Komponenten gelten – und Materialien wie Aluminium, Stahl und Kunststoffe ebenso auf der Schwarzen Liste der Trump-Administration stehen wie in die USA eingeführte Komplettgeräte.
Mit Spannung hat der Waiblinger Motorsägenbauer deshalb den Rechtsstreit um die Rückerstattung unrechtmäßig erhobener Importzölle verfolgt. Im Februar hatte das US-Handelsgericht die von Trump auf Basis eines Notstandsgesetzes erhobenen Abgaben für unzulässig erklärt. Der oberste Gerichtshof der USA bestätigte die Entscheidung, beim Versuch, das Verfahren um bis zu vier Monate zu verzögern, handelte sich der US-Präsident eine weitere juristische Niederlage ein.
Stihl-Chef: „Wir beharren auf einer Rückzahlung der Importzölle“
Kärcher-Vorstandschef Hartmut Jenner: „In sechs bis acht Wochen ist das Geld da.“ Foto: Gottfried Stoppel
Deutlicher wird da Hartmut Jenner, Vorstandschef bei Kärcher. Er spricht von einer „Rückforderung in siebenstelliger Höhe“ – auch wenn das USA-Geschäft für den Reinigungs-Spezialisten aus Winnenden längst nicht die Dimensionen erreicht wie bei den Waiblinger Kollegen von Stihl. Laut Hartmut Jenner ist die von Kärcher für unrechtmäßig erhobene Einfuhrzölle über eine Online-Plattform in Rechnung gestellte Summe auch fast komplett bestätigt worden. „In sechs bis acht Wochen ist das Geld da“, ist er zuversichtlich.
Dass die US-Politik bei Kärcher dennoch mit gemischten Gefühlen gesehen wird, hat einen anderen Grund: Durch den Angriffskrieg im Nahen Osten und die Sperrung der Straße von Hormus haben sich die für Hochdruckreiniger und Dampfstrahler verwendeten Kunststoffe deutlich verteuert. Weil das Material auf Erdöl mit einem hohen und für die Petrochemie unverzichtbaren Naphta-Anteil basiert, ist der Preis für das Plastik-Granulat laut Jenner um etwa 40 Prozent in die Höhe geschossen. Auch Kärcher denkt deshalb über Preiserhöhungen für seine Produkte nach.