Wirtschaftsausblick für 2025 Sehnsucht nach mehr Zuversicht

Von Ludwig Erhard – dem Kanzler von 1963 bis 1966 – stammt der Satz, dass Wirtschaft zu 50 Prozent Psychologie sei. Auch in der aktuellen Krise könnte da noch etwas dran sein. Foto: dpa/dpa

Weder trügerische Hoffnungen noch Schwarzmalerei helfen der Wirtschaft in ihrer tiefgreifenden Krise. Jetzt zählt der enge Bezug zur Realität, meint unser Autor.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

In der Bevölkerung greift der Wunsch um sich, dass die Medien zum neuen Jahr doch wieder mehr optimistischere und mutmachende Nachrichten aus der Welt der Wirtschaft transportieren sollten. Das ist verständlich. In einer Atmosphäre des allgemeinen Schlechtredens oder gar der Resignation können Zuversicht und Aufbruchstimmung kaum entstehen. Und weil Wirtschaft bekanntlich zu 50 Prozent Psychologie ist, wie schon der Wirtschaftswunder-Kanzler Ludwig Erhard wusste, gilt auch für die Unternehmen: Ohne positiven Blick nach vorne wird nicht investiert, stattdessen aber Beschäftigung reduziert, Standorte dicht gemacht.

 

Mit „Alles wird gut“-Meldungen wird nichts besser

Auf die trüben Aussichten mit „Alles wird gut“-Meldungen zu reagieren, wäre aber fahrlässig. Es ist nun mal Fakt, dass die pessimistische Sicht unter den Branchenverbänden dominiert, wie auch die große Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zum Jahreswechsel dokumentiert. Tatsache ist auch, dass die Industrie mit tiefgreifenden Strukturproblemen kämpft. Mit noch mehr Hiobsbotschaften in 2025 rechnen selbst die Gewerkschaften. So ist die Talsohle für die Unternehmen noch nicht erreicht.

Lange genug haben es sich die Deutschen in der Annahme bequem gemacht, dass ihre Wirtschaft auf ewig für den allgemeinen Wohlstand sorgen wird – gerade diejenigen, deren persönlicher Wohlstand aufgrund ihrer Besitzverhältnisse nicht gefährdet ist. Davon auszugehen, dass die heimischen Unternehmen trotz des verschärften globalen Wettbewerbs weltweit Spitze bleiben, wäre aber eine Selbsttäuschung. Nun muss es für die Politik darum gehen, eine neue Dynamik auszulösen. Ohne einen realistischen Blick auf die prekäre Lage wird sie unangenehme Veränderungen zu vermeiden suchen, wie sich in den Parteiprogrammen zur Bundestagswahl zeigt. Der Handlungsdruck ist offenbar noch immer nicht groß genug.

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