Wirtschaftsförderer geht „Arbeit erfüllt mich nicht mehr": Wirtschaftsförderer tritt ab
Mit viel Tatendrang gestartet, nach einem Jahr weg: Torsten von Appen verlässt die städtische Wirtschaftsförderung. Was hinter dem überraschenden Rückzug steckt.
Mit viel Tatendrang gestartet, nach einem Jahr weg: Torsten von Appen verlässt die städtische Wirtschaftsförderung. Was hinter dem überraschenden Rückzug steckt.
Der Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung, Torsten von Appen, hat das Stuttgarter Rathaus auf eigenen Wunsch verlassen. Von seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat er sich schon verabschiedet. Am Dienstag war sein letzter Arbeitstag, obwohl sein Vertrag erst Ende Juni endet. Was ist passiert?
Vor knapp einem Jahr hat Torsten von Appen die Nachfolge von Bernhard Grieb angetreten, um mit viel Tatendrang und hoch motiviert den Wirtschaftsstandort Stuttgart für Investoren und Unternehmen attraktiver zu machen. Den Bestand stärken und die Ansiedlung neuer Firmen fördern: Das hatte er sich vorgenommen. „Die Automobilindustrie ist für Stuttgart sehr wichtig, aber manchmal sind wir etwas sternverblendet“, betonte von Appen immer wieder. Unternehmen sichtbar zu machen, die außerhalb dieses Automotive-Spektrums erfolgreich arbeiten, das sei in diesen Zeiten extrem wichtig.
Er wolle Türen öffnen, Menschen zusammenbringen, sie vernetzen. „Ich möchte bei den Gesprächspartnern ein Lächeln erzeugen und ihr Herz erreichen. Sie sollen mit einem guten Gefühl aus dem Gespräch gehen.“ Das waren seine Ansätze.
Doch nach einem Jahr in der Funktion als Leiter der Wirtschaftsförderung ist von Appen selbst ein wenig das Lächeln abhanden gekommen. „Ich habe Bilanz gezogen und reflektiert. Am Ende bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass jetzt ein guter Zeitpunkt ist, eine neue Herausforderung zu suchen“, erklärt der 54-Jährige. Die Arbeit erfülle ihn nicht mehr so wie er sich das wünsche. Sein Alltag bestehe etwa aus 70 Prozent Bürokratie.
Nun wolle er erst einmal etwas abschalten, zu sich kommen und dann schauen, wohin ihn die Reise führt. „Ich werde nicht aus Stuttgart flüchten. Die Landeshauptstadt ist das Herz Europas. Ich fühle mich hier sehr wohl“, betont Torsten von Appen, der schon einmal bei der Stadt Stuttgart in anderer Funktion tätig war.
Von 2007 bis 2019 war er Stadtteilmanager – unter anderem, um Handels- und Gewerbevereine dabei zu unterstützen, Kaufkraft zu bündeln. Oder, um nachhaltige Werbe- und Marketingkonzepte zu entwickeln und um Gespräche mit Eigentümern von Einzelhandelsimmobilien zwecks Nachvermietung zu führen.
Wenn man von Appen nach seinen Erfolgen als Wirtschaftsförderer fragt, nennt er auf jeden Fall die Einführung der „Startergespräche für investitionswillige Unternehmen“. Oberbürgermeister Frank Nopper hatte die Idee dazu, deren Umsetzung für mehr Transparenz im Baugenehmigungsprozess sorgen soll. Die Abteilung Wirtschaftsförderung und die Stabsstelle Wohnen übernehmen dabei eine Lotsenfunktion und begleiten Unternehmen im Dialog mit den relevanten Fachämtern.
Von Appen erwähnt auch, dass die heimischen Wengerter nun prominenter sichtbar seien - in der Stuttgarter Weinbar des Ratskellers. Und dass er am Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen mit China beteiligt war. Auf seiner Agenda stand auch der geplante Aufbau des Club-Kataster, an dem gerade die Koordination Nachtleben gemeinsam mit dem Kulturamt arbeitet.
Nachdem der Gemeinderat am Donnerstag zugestimmt hat, „wird das Beschäftigungsverhältnis mit Herrn von Appen im beiderseitigen Einvernehmen zum 30. Juni 2026 beendet“, heißt es bei der Stadt auf Nachfrage unserer Zeitung. Der Vereinbarung zugrunde läge auch eine Freistellung unter Berücksichtigung von Urlaub und Überstunden. „Wir danken Herrn von Appen für die geleistete Arbeit und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute.“
Man werde die Stelle nun unverzüglich neu ausschreiben. In der aktuellen wirtschaftlichen Situation habe die Neubesetzung hohe Priorität.