Die frühere Hauptpost in Fellbach (hier eine Aufnahme vom Sommer 2022) wird saniert und Bestandteil des künftigen Gebiets „Wohnen am Posthof“. Foto: Dirk Herrmann
Die frühere Hauptpost in Fellbach steht seit Jahren leer. Nun will die Kreisbaugruppe auf dem zentralen Areal rund 75 Wohneinheiten realisieren. Das Postgebäude selbst wird saniert.
Dirk Herrmann
28.01.2026 - 11:00 Uhr
Das Areal ist geprägt von Vergänglichkeit, wer hier von einem „Lost-Place-Charme“ spricht, liegt nicht weit von der Realität entfernt. Das Gebäude an der Stuttgarter Straße, Ecke Pfarrer-Sturm-Straße, das fast jeder Ältere in Fellbach schon einmal betreten hat, ist reichlich heruntergekommen. Doch es gibt gute Signale für eine bessere Zukunft.
Das ehemalige Fellbacher Hauptpostamt, um das es hier geht, steht leer. Und zwar schon seit einiger Zeit. Zunächst wurden vor knapp vier Jahren die Räume für Dienstleistungen wie die Brief- oder Paketaufgabe sowie für den Briefmarkenverkauf geschlossen. Kurz danach war auch das Postbank-Finanzcenter dort Geschichte. Als neue Anlaufstelle für derartige Wünsche dient seit Herbst 2022 eine Partnerfiliale in der Wohncity an der Cannstatter Straße.
Neuer Zustellstützpunkt liegt jetzt im Industriegebiet
Einige Monate länger noch durften die Briefträger von dort in die Fellbacher Straßen ausschwärmen. Doch im März 2023 wurde auch der Zustellstützpunkt nach ganz weit draußen verlegt, nämlich ins Industriegebiet, in ein ehemaliges Firmengebäude an der Otto-Hahn-Straße, Ecke Liste-Meitner-Straße. Von dort aus radeln die Postboten seitdem meist auf ihren E-Bikes hinaus nach Fellbach, Schmiden oder Oeffingen.
Bereits im Jahr 2014 hatte die Kreisbaugruppe Rems-Murr das Postareal mitten in Fellbach gekauft, „mit dem Ziel einer langfristigen Entwicklung“, wie eine Sprecherin des Rems-Murr-Kreises seinerzeit auf Nachfrage unserer Redaktion erläuterte. Die Post selbst fungierte dort lediglich als Mieter.
Entwurf für das umgestaltete Postamt mit aufgesattelten Stockwerken Foto: Illustration Kreisbau Waiblingen / UTA Architekten + Stadtplaner BDA, Dinies / Müller-Welt
Intensiv beschäftigte man sich damals mit möglichen Nutzungen. „Das Postareal soll ein neues Gesicht bekommen“, lautete Ende Oktober 2018 die Schlagzeile unserer Zeitung. Schon da wurde im Gemeinderat durch das Tübinger Planungsbüro Hähnig + Gemmeke ein erstes Konzept vorgestellt. Ziel: die Entwicklung eines modernen, nachhaltigen Quartiers entlang der Stuttgarter Straße mit Wohn- und Gewerbeflächen.
Etliche weitere Jahre war öffentlich nichts zu hören. Jetzt gab es im Ausschuss für Stadtentwicklung, Klimaschutz und Mobilität allerdings ein Update. Gemäß dieser Pläne soll das frühere Fellbacher Hauptpostamt nun doch nicht abgerissen werden. Stattdessen geht es nun um „den Erhalt, die Sanierung und eine Aufstockung des alten Postgebäudes“.
Maike Häußermann vom Stadtplanungsamt betont in ihren schriftlichen Erläuterungen: „Diese Lösung verbindet den Respekt vor der bestehenden Architektur mit den Anforderungen an zeitgemäßes Wohnen und nachhaltiges Bauen.“
Gegenüber der vorherigen Planung ist allerdings eine Erhöhung mehrerer Gebäude auf dem Gelände um jeweils eine Etage vorgesehen. Nur mit dieser Verdichtung sei das Projekt zu stemmen, „wir kommen ohne diese Aufstockung wirtschaftlich nicht hin“, erklärte Kreisbau-Geschäftsführer Dirk Braune in der Sitzung, das Budget reiche dann nicht aus.
Durch diese draufgesattelten Geschosse erhöht sich die Zahl der Wohnungen von zunächst vorgesehenen 67 auf nun rund 75 Wohneinheiten, darunter 37 öffentlich geförderte Wohnungen, was „der angespannten Wohnraumsituation Rechnung trägt“, so Häußermann.
Diese Wohnungen befinden sich dann im für Wohnbauzwecke umgewidmeten, sanierten ehemaligen Postgebäude sowie in drei weiteren Gebäuden, die sich um einen Innenhof gruppieren – „ein kleines Plätzle mit Café“, wie Architektin Sigrid Müller-Welt vom Büro UTA Architekten erläuterte. Der Platz, als „Der Posthof“ tituliert, biete auch „einen Mehrwert für alle Fellbacher“.
Die Neuordnung finde mitten in Fellbach und somit „auf historischem Boden“ statt, ergänzte Braune. Das Projekt trage deshalb auch den Namen „Wohnen am Posthof“. Statt „alles abzuräumen“, wie einst vorgesehen, habe sich die Kreisbau auf Anregung der Baudezernentin Soltys zum Erhalt des alten Postamts entschlossen. „Es wird trotzdem einen massiven Rückbau geben“, sagte Braune. „Wir investieren 1,5 Millionen Euro nur für das Freimachen des Areals.“ Zu den Stellplätzen für die Bewohner erklärte Braune: „Wir können das alte Postamt nicht unterminieren, sodass die Tiefgarage nur auf der Neubaufläche möglich ist.“
Der Ausschuss schloss sich am Ende der Empfehlung der Verwaltung an, die geplanten Gebäude an der Stuttgarter Straße und der Pfarrer-Sturm-Straße punktuell zu erhöhen, jedoch nur in Form eines zurückgesetzten Staffelgeschosses. „Damit wird zwar vom ursprünglich beschlossenen Rahmenplan abgewichen, die städtebauliche Gesamtwirkung und die Grundkonzeption der Quartiere um einen Innenhof mit harmonischem Übergang zur südlich angrenzenden Wohnbebauung, bleibt jedoch erhalten“, so Maike Häußermann.
Mit dieser Variante sei die wirtschaftliche Umsetzung der Planung für die Kreisbaugesellschaft gesichert. Häußermanns Urteil: „Die Maßnahme unterstützt eine effiziente Flächennutzung, gliedert die Straßenräume abwechslungsreich und setzt architektonische Akzente, ohne die Qualität des städtebaulichen Gesamtkonzepts zu beeinträchtigen.“
Braune versprach: „Ich bin sicher, dass die Fellbacher ihre Freude am neuen Areal haben werden.“ Die Stadträte zeigten sich ob dieser sich abzeichnenden städtebaulichen Erneuerung in Fellbach sehr zufrieden. Die entscheidende Abstimmung im großen Gremium, also im Fellbacher Gemeinderat, in rund einer Woche scheint nur noch Formsache zu sein. Sie sei froh, so Soltys, „dass hier Bewegung reinkommt – dann können wir bald mit Volldampf loslegen“.