Fürs Projekt „Wohnen mit Zukunft“ in der Eppingerstraße beim Fellbacher Bahnhof haben die Bagger erste Löcher gebuddelt und Erdhügel angehäuft. Die Fertigstellung ist bis 2027 geplant.
Dirk Herrmann
17.03.2026 - 15:00 Uhr
Die Stadt Fellbach hat zwar im Zuge der jüngsten Sparpakete zur Haushaltskonsolidierung ihr finanzielles und personelles Engagement zur Internationalen Bauausstellung Stadtregion Stuttgart 2027 eingefroren. Ein seit einigen Jahren geplantes, wichtiges IBA-Projekt, ein Neubau an der Eppingerstraße ganz in der Nähe des Fellbacher Bahnhofs, legt jetzt aber doch los. Deutlich erkennbar haben auf dem Areal die Erdarbeiten begonnen.
Dass es nun mit dem IBA-Vorhaben an der Eppingerstraße tatsächlich vorangeht, kommt so überraschend nicht. Hatte doch der IBA-Intendant Andreas Hofer erst vor wenigen Tagen in einem Interview mit unserer Redaktion das „sehr vorbildliche und engagierte und architektonisch besondere Projekt“, das vom Siedlungswerk initiiert wird, gelobt. „Da findet in den nächsten Wochen die Grundsteinlegung statt“, erklärte der IBA-Chef ergänzend und prognostizierte: „Das Siedlungswerk wird 2027 mit diesem Gebäude fertig sein.“
Ehemalige Kofferfabrik wurde 2018 abgerissen
Das Gelände an der Eppingerstraße ist älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern in Fellbach durchaus noch ein Begriff. Einst stand dort eine Kofferfabrik, kurz vor dem Abriss im Jahr 2018 war an einer Hausecke noch das dort angeschraubte Werbeschild „Lederwaren Hertter“ zu sehen. Nachdem der Abriss erfolgreich abgeschlossen war, titelte unsere Zeitung: „Einstige Kofferfabrik komplett zerbröselt.“
Im Jahr 2022 gab es einen Realisierungswettbewerb. Die Fellbacher Oberbürgermeisterin Gabriele Zull betonte in diesem Zusammenhang: „Das kleine, längliche Grundstück mit 2125 Quadratmetern Fläche war von Anfang an ein Baustein unserer Wohnbauoffensive.“ Grundlegendes Ziel sei, im Innenbereich zu bauen, „um die Landschaft zu schonen“.
Diese Visualisierung zum künftigen Wohngebiet an der Eppingerstraße wurde bereits im Mai 2023 präsentiert. Foto: Siedlungswerk
Unter dem Motto „Wohnen mit Zukunft“ soll in der Eppingerstraße – die sich in einem Wort schreibt, weil sie nicht etwa nach der Stadt Eppingen im Kraichgau benannt ist, sondern nach dem 1911 verstorbenen Fellbacher Oberlehrer und Ortschronisten des früheren Wengerterdorfs, Johann Georg Eppinger – ein innovatives und somit der IBA’27 würdiges Quartier entstehen.
Der siegreiche Entwurf des Stuttgarter Büros UTA Architekten und Stadtplaner sieht rund 35 Wohneinheiten vor – 19 Eigentumswohnungen, 15 öffentlich geförderte Mietwohnungen, zwei Wohngruppen und einen Quartiersraum mit Bewohner-Café. Gesamtkosten, so hieß es seinerzeit: rund 15,5 Millionen Euro. Der damalige Stadtplaner Christian Plöhn erklärte zum Entwurf: „Das Ziel, der Umgebung nicht zu nahe auf die Pelle zu rücken, ist erreicht.“
Unabhängig von der Eppingerstraße wurde das Thema IBA’27 und den Ideen zum großen Gewerbegebiet in Fellbach auch in den Haushaltsberatungen mit kritischen Anmerkungen gestreift. Grünen-Sprecherin Beate Wörner brachte die aktuelle Lage in aller Klarheit so auf den Punkt: „Anfang des Jahres haben wir sie de facto beendet.“ Das sei gerade für die Grünen „schmerzhaft“, sollte doch in Fellbach beispielhaft gezeigt werden, „wie klima-angepasste Zukunft geht in einem Gewerbegebiet, das in die Jahre gekommen ist.“
Gewerbegebiete besser nutzen
Wörners Diagnose: „Erst hat die unsägliche Diskussion um eine mögliche Landeserstaufnahmestelle die Entwicklung gebremst, jetzt ist es das fehlende Geld.“ Doch es führe kein Weg daran vorbei, dass die vorhandenen Gewerbegebiete besser genutzt werden müssten. „Wir müssen unsere Freiflächen schonen, ich denke, da sind wir uns alle einig. Auch bei Gewerbeflächen gilt: Innenentwicklung vor Außenentwicklung.“
Damit die Ergebnisse aus den vielen Studien, die seit Beginn der IBA gemacht wurden, „nicht für die Schublade sind“, fordert die Fellbacher Grünen-Fraktion, dass die bisherigen Erkenntnisse zur Klimaanpassung aus der IBA’27 bei allen zukünftigen Maßnahmen in den Fellbacher Gewerbegebieten verbindlich berücksichtigt werden.