Wohnen in Gemeinschaft Verein plant Tiny-House-Siedlung in bester Wohnlage in Kirchheim

Marieke Hecht und Marianne Kruse-Schnabel (von links) wollen in diesem Jahr ihre Pläne in Kirchheim umsetzen. Foto: Markus Brändli

Ein Verein will in Kirchheim unter Teck eine Öko-Siedlung mit Minihäusern schaffen und sucht weitere Mitstreiter. Schon in diesem Jahr soll Start sein. Doch auch kleine Flächen kosten.

Region: Corinna Meinke (com)

Ein großer Tisch soll zum gemeinsamen Essen einladen, die beiden Gästezimmer nebenan können als Homeoffice dienen und für Kinderbetreuung, Yogastunden und Besprechungen ist im großen Gemeinschaftsraum ebenfalls Platz. So stellen sich die Mitglieder des Vereins „Gemeinsam kleiner leben“ das Angebot im Gemeinschaftshaus in ihrer geplanten Minihaus-Siedlung in Kirchheim-Ötlingen vor – und suchen noch Interessierte, die Lust aufs Miteinander haben.

 

In der Minihaus-Siedlung sollen sich bald 15 Häuser mit einer Größe von 30 bis 50 Quadratmeter Fläche um eine grüne Mitte mit Gemeinschaftshaus gruppieren. Das Gelände ist insgesamt 3700 Quadratmeter groß und soll Menschen mit verschiedenen Lebensentwürfen und Familienkonstellationen Platz bieten.

Minihaus-Pläne in Kirchheim: Mehr Platz in Gemeinschaftsräumen

„Wir wollen hier Eigentum passend zum jeweiligen Bedarf möglich machen“, erklärt Gründungsmitglied Marieke Hecht. Und es sei nachhaltig, kleine mobile Häuser ohne Bodenversiegelung zu errichten, da das auch Ressourcen schone. Auf vieles könne in so einem kleinen Haus verzichtet werden, wenn beispielsweise das Gemeinschaftshaus zusätzliche Flächen sowie eine Waschküche mit Trockenraum bietet. Auch eine Werkstatt sei im Gespräch. Zusätzlich könnten die Bewohnerinnen und Bewohner Geräte für Küche, Garten und Sport genauso gemeinsam nutzen wie Spielzeug für die Kinder, Werk- und Fahrzeuge.

Jedes Haus soll individuell nach den Bedürfnissen der Bewohner gestaltet sein. Und in dem Gemeinschaftsprojekt könne jeder auf diese Weise „etwas Eigenes gestalten“, formuliert Marieke Hecht die Idee. Momentan bestehe die Gründungsgruppe aus sieben Parteien und man freue sich über weitere Interessierte, sagt die Sozialpädagogin, die sich in dem 2024 gegründeten Verein um Öffentlichkeitsarbeit kümmert.

Weitere Mitglieder gesucht: Singles, Paare und Familien wollen gemeinsam bauen

Zusammengetan haben sich Menschen aus Stuttgart, Waiblingen, Ostfildern, Nürtingen und Kirchheim, die ihre unterschiedlichen Qualifikationen als Krankenschwester, Architekt, Sozialpädagogin, Landwirtin, Ingenieur, Heilpädagogin und weitere einbringen wollen. Mit einer Altersspanne von null bis 61 Jahren ist die Gruppe aus Singles, Paaren und Familien generationenübergreifend aufgestellt und freut sich über weiteren Zuwachs.

„Ich freue mich schon auf die betonfreie Fläche“, sagt Marieke Hecht. Momentan lebe sie mit ihrem Mann und den drei Kindern in Waiblingen und an heißen Tagen im Sommer sei es in dem zubetonierten Viertel kaum auszuhalten.

Die geplante Öko-Siedlung soll am Ortsrand von Kirchheim-Ötlingen entstehen. Foto: Markus Brändli

„So viel Grün wie möglich und so wenig Wege wie nötig“, lautet eine der Prämissen, die sich Hecht und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter überlegt haben. Wie ein Dorfanger soll die grüne Mitte angelegt werden mit viel Platz für schnell wachsende Sträucher und Bäume als Schattenspender und Hitzeschutz, die Mensch und Tier einen Mehrwert bieten.

„Das Projekt ist willkommen in der Stadt und im Quartier hat es eine große Strahlkraft.“

Marianne Kruse-Schnabel, Verein Gemeinsam kleiner leben

In den Höfen zwischen den kleinen Häusern sind Naturspielplätze, ein Naschpfad mit Beerensträuchern und Hochbeeten und ein gemeinschaftlicher Nutzgarten auf Basis der biodiversen Permakultur, die ohne synthetischen Dünger und Pestizide auskommt, geplant.

Beste Wohnlage in Kirchheim: Stadt bietet Grundstück an

Die Wege sollen geschottert werden, und damit das Areal auch für die Nachbarinnen und Nachbarn frei zugänglich ist, soll es keine Zäune oder Abgrenzungen zum bereits bestehenden Wohnquartier Veilchenweg geben.

„Das Projekt ist willkommen in der Stadt und im Quartier hat es eine große Strahlkraft“, berichtet Marianne Kruse-Schnabel, die wie Marieke Hecht Gründungsmitglied des Vereins „Gemeinsam kleiner leben“ ist, über die Begegnungen mit der künftigen Nachbarschaft.

Die Stadt Kirchheim wolle kleine Wohnformen fördern und hat dem Verein die Fläche in Kirchheim-Ötlingen zur Pacht angeboten, nachdem die Gruppe mit ihren Ideen zu kleinen Wohnformen und der Verbindung von Ökologie und Ökonomie den Gemeinderat überzeugen konnte. Das Projekt ist auch Teil vom IBA-Netzwerk zur Internationalen Bauausstellung Stadtregion Stuttgart 2027 und wird dort unterstützt und beworben.

Gemeinschaftliches Bauprojekt: Kosteneinsparungen durch Eigenarbeit

„Diese Fläche ist wertvoll und uns ist bewusst, dass es sich um eine der besten Wohnlagen in Kirchheim handelt“, ergänzt Hecht, die vor allem die kurzen Wege zu Kindergärten und Schulen, in die Stadtmitte und in die Natur hervorhebt.

Auch für den Hausbau gibt es schon konkrete Ideen. Marianne Kruse-Schnabel möchte gemeinsam mit ihrem Mann – „er ist handwerklich begabt“ – ihr kleines Haus selbst bauen. Und mit Blick auf mögliche Kosteneinsparung durch Eigenarbeit steht auch die Idee im Raum, das geplante Gemeinschaftsgebäude im Rahmen einer Bauhütte zu organisieren, bei der die Menschen aus der Siedlung gemeinsam anpacken.

Die Landwirtin und Heilpädagogin hat mit Blick auf die Gemeinschaft die Idee vom Dorf im Sinn, in dem der Konsent den roten Faden bilden soll, wonach ein Vorschlag angenommen wird, sobald keine schwerwiegenden, begründeten Einwände mehr dagegen vorliegen. Bekannt sei das Prinzip aus der Soziokratie, einem Modell des Zusammenlebens in dem sich Gruppen ohne hierarchische Struktur selbst organisieren.

„Das ist für uns eine konstruktive Idee von Gesellschaft“, sagt Kruse Schnabel, die 30 Jahre lang auf der Schwäbischen Alb in Bissingen im Team der Jugendhilfeeinrichtung Ziegelhütte unter dem Dach des Trägervereins Michaelshof-Ziegelhütte e.V. Jugendliche in dem landwirtschaftlichen Betrieb angeleitet hat.

Hochwertige Holzhäuser: Hohe Investitionen trotz kleiner Wohnfläche

Und sie betrachte dieses Siedlungs-Projekt auch als friedensstiftend, weil man dort gemeinschaftlich umgehe. Geplant sei eine durchlässige Wohnform mit offenen Wegen in die Nachbarschaft. Fest steht nach den Worten der beiden Gründungsmitglieder Kruse-Schnabel und Hecht, dass die Siedlung in Ötlingen ökologisch ausgerichtet sein soll, versorgt mit Nahwärme, Wärmepumpen und Photovoltaik.

„Wir sind Visionärinnen und hoffen, dass noch mehr entstehen kann.“

Marieke Hecht, Verein Gemeinsam kleiner leben

Das habe natürlich seinen Preis: „Wir bauen hochwertige ökologische Holzhäuser“ und es sei bei 30 Quadratmetern Wohnfläche mit mindestens 150 000 Euro an Baukosten plus Aufwendungen fürs Gemeinschaftshaus zu rechnen.

„Wir wollen dieses Jahr loslegen“, erklärt Hecht und ergänzt, ihre Gruppe würde es sich wünschen, dass auch Menschen mit weniger Geld einsteigen könnten, beispielsweise über Mietkauf, der möglich wäre, wenn zusätzliche Förderer die Öko-Siedlung unterstützen würden. Hecht sagt: „Wir sind Visionärinnen und hoffen, dass noch mehr entstehen kann“.

Termine für Interessierte

Information
Die nächsten Online-Informationsveranstaltungen des Vereins finden statt am Mittwoch, 25. Februar, und Mittwoch, 18. März, jeweils um 20 Uhr. Anmeldung und Kontakt unter info@gemeinsamkleinerleben.de

Versiegelung
Die Gebäude sollen auf Punktfundamenten stehen, um keine Bodenflächen zu versiegeln. Wege sind aus Schotter und Rindenmulch konzipiert, und für Fahrzeuge sind Stellplätze mit Rasengittersteinen vorgesehen.

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