Diese „unverbindliche Visualisierung“ präsentiert Wohnbau Layher zur künftigen Bebauung in Fellbach. Foto: Wohnbau Layher
Im Areal Bruckäcker im Osten der Fellbacher Kernstadt soll ein neues Wohngebiet realisiert werden. Wohnbau Layher aus Besigheim investiert 52 Millionen Euro. Baubeginn im Herbst 2026.
Dirk Herrmann
15.04.2026 - 11:00 Uhr
Die Fellbacher Oberbürgermeisterin wie die Fellbacher Baubürgermeisterin wählten fast dieselbe euphorische Formulierung: OB Gabriele Zull sprach am Ende von einem „historischen Beschluss“, Baudezernentin Beatrice Soltys prognostizierte gleich zu Beginn der Sitzung einen „historischen Satzungsbeschluss“.
Mit der bei lediglich einer Enthaltung getroffenen Entscheidung steht der Bebauung des seit mindestens 13 Jahren brachliegenden Areals im Osten der Kernstadt Fellbach (Rems-Murr-Kreis) nichts mehr im Weg. Das Grundstück, das von der Stadt unter dem Begriff Bruckäcker geführt wird, „bietet aufgrund seiner Lage im Innenbereich Potenzial für eine städtebauliche Nachverdichtung“, heißt es in der schriftlichen Erläuterung des Fellbacher Stadtplanungsamts.
Areal liegt seit 13 Jahren brach
Auf dem Areal der ehemaligen Gärtnerei Langjahr, wo einst zwischen der Schorndorfer Straße im Norden und der Bruckstraße im Süden zahlreiche Gewächshäuser standen, ist somit der Weg frei für die Realisierung von insgesamt 116 Wohnungen. Das Investitionsvolumen hierfür liegt nach einer Auskunft des Unternehmens Wohnbau Layher bei rund 52 Millionen Euro.
Die Firma aus Besigheim (Kreis Ludwigsburg) hatte das Grundstück bereits im Jahr 2013 erworben. „Trotz der hohen Komplexität einer innerstädtischen Entwicklung konnte innerhalb eines Jahres Baurecht erlangt werden“, erklärt Layher in einer Stellungnahme zum jetzigen Satzungsbeschluss für den sogenannten Vorhabenbezogenen Bebauungsplan.
Der Baubeginn ist demnach für den Herbst 2026 vorgesehen. Geplant sind moderne Zweieinhalb-, Dreieinhalb- und Viereinhalb-Zimmer-Wohnungen sowie Penthousewohnungen. Besonderes Interesse legt das Unternehmen nach eigener Auskunft auf Interessenten aus Fellbach: Bürgerinnen und Bürger der Stadt sollen vorab über Verkaufsstarts informiert werden und ein bevorzugtes Kaufrecht erhalten.
Die zentrale Lage des Gebiets Bruckäcker hat einige Vorteile – die kurzen Wege in die Innenstadt mit ihren Einkaufsmöglichkeiten und Ärztestandorten wie auch die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr mit Bushaltestellen oder den fußläufig etwa eine Viertelstunde entfernt gelegenen Bahnhof Fellbach. „Ausgewählte Penthousewohnungen ermöglichen zudem einen freien Blick auf den Kappelberg“, wirbt Layher bereits jetzt um Interessenten für die besten Quartiere in den Obergeschossen.
In der Debatte im Gemeinderat waren die Differenzen der vergangenen Jahre zwischen der Stadt und dem Wohnbauunternehmen nur noch am Rande ein Thema. Stattdessen lobte Baubürgermeisterin Soltys die „konstruktive Zusammenarbeit“ der vergangenen Monate, „da lief alles Hand in Hand“. SPD-Fraktionschef Andreas Möhlmann konstatierte: „Der Weg war lang und holprig.“ Doch nun, ergänzte Thomas Seibold (Freie Wähler/Freie Demokraten), „geht es zügig vorwärts, und es entstehen mehr als 115 Wohnungen“.
So sieht es auf dem Gelände derzeit noch aus, im Hintergrund der Schwabenlandtower. Foto: Dirk Herrmann
Grünen-Fraktionschef Stephan Illing verwies darauf, dass „in Fellbach, wie allseits bekannt und oft genug gesagt, dringend Wohnraum gebraucht wird“. Er lobte zudem „einige recht gute Dinge“, die im Durchführungsvertrag stünden, etwa die „Fertigstellung spätestens vier Jahre nach Baubeginn“. Er gehe deshalb bei den Bruckäckern davon aus, „dass wir mit Sicherheit keine Ruine wie schräg gegenüber haben werden“, so sein Schlenker in Richtung des nur wenige hundert Meter entfernt stehenden und unfertigen Schwabenlandtowers.
Wohnbau Layher lobt Stadtverwaltung
Ansonsten „wären wir natürlich froh gewesen, wenn die früher geltende Quote für günstigen Wohnraum nicht ausgesetzt worden wäre“. Ob sich dann bewahrheite, dass durch die neu geschaffenen Wohnungen einfachere und preiswertere Wohnungen frei würden, „wage ich ein wenig zu bezweifeln“.
Voll des Lobes in Richtung Fellbach zeigt sich nach der Entscheidung auch Wohnbau Layher, denn die Firma „würdigt ausdrücklich das engagierte und effiziente Vorgehen der Verwaltung sowie die zügige Beschlussfassung des Gemeinderats, der dem Projekt mit nur einer Enthaltung zugestimmt hat“.