Wohnraumkrise Mieten in Stuttgart im Höhenflug – plus 11,7 Prozent im Neubau

Mangelndes Angebot und hohe Mieten erschweren die Wohnungssuche. Foto: dpa/Paul Zinken

Wer eine neue Wohnung suchen muss, ist mit starken Mietanstiegen konfrontiert. Angesichts des großen Wohnungsmangels dürfte sich daran so schnell nichts ändern.

Die harten Zeiten für Wohnungssuchende halten an – die Mieten in den deutschen Großstädten legen weiter zu. Davon ist auch Stuttgart stark betroffen. Laut Angaben der wichtigsten Onlineplattform für Immobilieninserate in Deutschland, Immoscout24, ist die durchschnittliche Angebotsmiete bei der Neuvermietung von Bestandswohnungen hier im vierten Quartal um 4,8 Prozent zum Vorjahr gestiegen. Mit einem Preis von im Schnitt 14,28 Euro pro Quadratmeter ist die Schwaben-Metropole demnach die drittteuerste deutsche Großstadt nach München und Frankfurt am Main.

 

Expertin: Strengere Mietregulierung ist der falsche Weg

Bei der Neuvermietung im weniger regulierten Neubausegment kletterten die Mieten in Stuttgart laut dem vierteljährlich veröffentlichen Wohnbarometer von Immoscout24 sogar um 11,7 Prozent im Jahresvergleich auf durchschnittlich 16,95 Euro pro Quadratmeter. Einen stärkeren Anstieg in diesem Bereich gab es im vergangenen Quartal nur in Leipzig. Deutschlandweit lag die Angebotsmiete bei Neuvermietungen von Bestandswohnungen im Schlussquartal den Daten zufolge 1,8 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Bei Neubauwohnungen betrug das Plus bundesweit 7,8 Prozent.

„Mit dem Bundestagswahlkampf intensivieren sich die Diskussionen um strengere Mietregulierungen“, beobachtet Immoscout-Geschäftsführerin Gesa Crockford. Das sei jedoch ein Irrweg. „Statt das Symptom der steigenden Mieten zu bekämpfen, sollte der Fokus auf das dahinterliegende Problem gerichtet sein: Es fehlt Wohnraum.“

In Deutschland fehlen Hunderttausende Wohnungen

Nach Angaben aus der Immobilienbranche von 2024 fehlen in Deutschland rund 800 000 Wohnungen. Andere Schätzungen gehen von einem noch größeren Mangel aus. Die Bundesregierung hatte als Zielmarke eigentlich den Bau von 400 000 neuen Wohnungen pro Jahr angestrebt, das entpuppte sich jedoch als utopisch. Zum Vergleich: Laut den aktuellsten Zahlen des Statistischen Bundesamts wurden von Anfang Januar bis Ende Oktober 2024 lediglich 175 800 Baugenehmigungen in Deutschland erteilt. Und der Trend ist negativ: Das waren 19,5 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Wer es sich leisten kann, kauft sich angesichts der krassen Mietentwicklung selbst Wohneigentum. Allerdings bleiben die eigenen vier Wände für viele Menschen unerschwinglich, auch weil die Zeit günstiger Kredite vorbei ist. Dennoch belebt sich der Kaufmarkt wieder, nachdem ihn die starken Leitzinserhöhungen der Europäischen Zentralbank im Zuge des Inflationsschubs 2022 in eine Schockstarre gebracht hatten. Laut Immoscout24 erreichte die anhand des Suchaufkommens auf der Plattform ermittelte Nachfrage von Kaufinteressierten zum Jahresende ein Rekordniveau.

Kaufpreise für Bestandswohnungen um 4,2 Prozent gestiegen

Damit dürfte sich allerdings auch die Phase sinkender Wohnimmobilienpreise dem Ende zuneigen. Bestandswohnungen in Stuttgart verteuerten sich im Schlussquartal 2024 im Jahresvergleich schon wieder um deutliche 4,2 Prozent auf durchschnittlich 4936 Euro pro Quadratmeter, wie die Daten von Immoscout zeigen. Bei Neubaueigentumswohnungen sanken die Kaufpreise hier unterdessen – entgegen dem starken Mietanstieg in diesem Segment – um 0,4 Prozent auf 6880 Euro je Quadratmeter.

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