In der Keltersiedlung in Zuffenhausen hat die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft 180 neue Wohnungen gebaut. Foto: Stefan Bullinger
In der Landeshauptstadt fehlen günstige Wohnungen. Stuttgarts Wohnungs- und Städtebaugesellschaft sagt, wie sie die 200 Millionen Euro Kapitalspritze verwendet und wie es weitergeht.
Trotz schwieriger Rahmenbedingungen in der Baubranche ist die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft mbH (SWSG) seit einigen Jahren auf Expansionskurs. Allein im Zeitraum von 2020 bis 2025 hat die städtische Tochter mehr als 800 Millionen Euro investiert, um ihren Wohnungsbestand zu erweitern und zu modernisieren.
Samir Sidgi präsentierte jetzt dem Wirtschaftsausschuss der Stadt Stuttgart nicht nur ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2025, der Vorsitzende der Geschäftsführung versprach zudem, die eingeschlagene Marschroute bei Neubau und Revitalisierung fortzuführen. Exemplarisch dafür nannte er das Engagement im Neckarpark in Bad Cannstatt, wo die SWSG mehr als 100 neue Wohnung errichten will, sowie die Türlenstraße, wo in diesem Jahr auf dem Areal des ehemaligen Bürgerhospitals Startschuss für fast 90 Wohnungen sein wird.
Stuttgart hat die höchste Neubauquote im Land
Das Bauvolumen belief sich laut Sidgi im vergangenen Jahr auf insgesamt 1780 Wohnungen, wovon 63 Prozent auf den Neubau und 37 Prozent auf Modernisierungsmaßnahmen entfallen. 587 Wohnungen konnten dabei fertiggestellt werden. Darunter 107 im neuen Quartier am Theoderichweg auf dem Killesberg und 180 in der Keltersiedlung in Zuffenhausen. „Wir haben die höchste Neubauquote in Baden-Württemberg“, sagt Sidgi, der jedoch sehr wohl weiß, dass man das auch der Kapitalspritze der Stadt für die SWSG zu verdanken hat. 200 Millionen Euro verteilt auf drei Tranchen hatte der Gemeinderat 2023 beschlossen.
Quartiersaufwertung durch die SWSG am Stuttgarter Stöckachplatz. Foto: SWSG/Stefan Bullinger
Die Durchschnittsmiete bei der städtischen Tochter beträgt 8,55 Euro pro Quadratmeter und liegt laut dem Geschäftsführer damit weiterhin deutlich unter dem Mittelwert des Mietspiegels der Landeshauptstadt Stuttgart. Bei Wohnungen mit Baujahr bis 2012 beträgt die Durchschnittsmiete 7,64 Euro pro Quadratmeter.
„Mit unseren Ergebnissen bestätigt die SWSG ihre Rolle als leistungsstarkes und zukunftsorientiertes Wohnungsunternehmen“, sagt Samir Sidgi. Was ebenfalls erfreulich sei: „Mit 32,6 Euro pro Quadratmeter bleibt das Niveau der Instandhaltungsaufwendungen weiterhin überdurchschnittlich“, sagte Sidgi. Die Rekordinvestitionen in Höhe von 180 Millionen Euro allein in den Wohnungsbestand seien ein klares Signal für die nachhaltige Entwicklung in diesem Sektor.
In den vergangenen zehn Jahren hat die städtische Tochter mehr als 2700 neue Wohnungen in der Landeshauptstadt gebaut und damit den städtischen Besitz auf über 20 000 Wohnungen angehoben. Ein Großteil dazu beigetragen hat das Revitalisierungsprojekt auf dem Hallschlag. Allein in dem Cannstatter Stadtteil sind in den vergangenen Jahren 850 neue Wohnungen entstanden. Das Investitionsvolumen beläuft sich hier auf mehr als 200 Millionen Euro.
400 neue Wohnungen in Stuttgart-Zuffenhausen
In dem Quartier mit dem Namen „Wohnhöfe am Römerkastell“ kommen jetzt noch einmal 316 moderne Mietwohnungen dazu. Grundsteinlegung für das vorläufig letzte Großprojekt auf dem Hallschlag war im Herbst 2025. Startschuss war im vergangenen Jahr zudem im künftigen Quartier Böckinger Straße in Zuffenhausen. Hier baut die städtische Tochter sogar fast 400 Wohneinheiten.
Auf der Brache in Stuttgart-Obertürkheim entsteht ein Quartier mit 136 Wohnungen. Foto: Mathias Kuhn
Auch das Engagement der SWSG auf dem Gelände des ehemaligen Bürgerhospitals geht in die nächste Runde. Nach dem Umbau und Modernisierung des einstigen Bettenhauses – hier sind 136 zumeist geförderte Wohnungen entstanden – beginnen auf dem Nachbargrundstück noch in diesem Jahr die Bauarbeiten für weitere 86 Wohneinheiten.
SWSG investiert 60 Millionen Euro Obertürkheim
Neu aufgetaucht im SWSG-Portfolio sind in diesem Jahr zwei weitere Großprojekte: Auf dem einstigen Aurelis-Areal in Obertürkheim entsteht für 60 Millionen Euro ein Quartier mit 136 Wohnungen, 110 davon sind öffentlich geförderte Sozialmietwohnungen. Auf der Brache, die an den Bahnhof Obertürkheim und an den Firmensitz der SWSG grenzt, entstehen zudem eine Stadtteilbibliothek sowie eine sechsgruppige Kita. Realisiert werden zudem eine Pflege-Wohngemeinschaft sowie Büro- und Gewerbeflächen.
SWSG springt für Baugenossenschaften in die Bresche
Das zweite Bauvorhaben liegt in Bad Cannstatt auf dem einstigen Güterbahnhof-Gelände. Nachdem die Baugenossenschaften Bad Cannstatt, Münster und Luginsland, die das Grundstück Q 5 gegenüber dem Volksbank-Komplex entwickeln wollten, mangels Wirtschaftlichkeit ihr Interesse jedoch verloren hatten, war die SWSG in die Bresche gesprungen. Baubeginn soll bereits in wenigen Wochen sein. Das Investitionsvolumen wird hier mit 33 Millionen Euro beziffert, die Fertigstellung soll 2028 sein.