Wohnungsbau in Stuttgart Quartier mit 650 neuen Wohnungen entsteht in der Nähe des Milaneo

Blick vom 15. Stock des Personalwohnheims auf das Gelände des ehemaligen Bürgerhospitals. Das weiße Gebäude im Hintergrund ist das einstige Bettenhaus des Krankenhauses, das von der SWSG bereits zu einem Wohngebäude umgebaut wurde. Foto: Uli Nagel

Die Umnutzung der Flächen des ehemaligen Bürgerhospitals macht Fortschritte. Doch warum geht es auf dem Areal der Abfallwirtschaft Stuttgart nicht voran?

Im Stadtbezirk Stuttgart-Nord rund 300 Meter entfernt vom Milaneo entsteht ein neues Wohnviertel. Die städtebauliche Entwicklung des einstigen Bürgerhospital-Areals sowie des Betriebshofs der Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) an der Türlenstraße nimmt Fahrt auf. Auf zwei Grundstücken, die zusammen rund fünf Hektar groß sind, soll im großen Stil Wohnungsbau in City-Nähe umgesetzt werden.

 

650 Wohnungen mehr für Stuttgart

Insgesamt sind rund 650 Wohnungen in Planung. Während für das AWS-Gelände der Gemeinderat erst kurz vor Weihnachten für die Aufstellung eines neuen Bebauungsplans grünes Licht gab, ist städtebaulich auf dem einstigen Krankenhaus-Gelände das erste Projekt bereits realisiert worden. Drei Jahre lang hatte dort die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebau GmbH (SWSG) das ehemalige Bettenhaus des Krankenhauses umgebaut. 2024 wurde das Projekt, das sogar einen Städtebau-Preis bekam, fertig. Entstanden sind 136 zumeist geförderte Wohnungen samt Kita, Familienzentrum und Bürgergarten.

Baustart für 86 neue Wohnungen

Auf dieser Brache in Stuttgart sollen in den kommenden Monaten fast 90 Wohnungen in zwei Gebäuden errichtet werden. Foto: Uli Nagel

Doch schon in wenigen Wochen werden die Bauarbeiten auf dem einstigen Krankenhaus-Areal wieder aufgenommen, denn die SWSG möchte auch das benachbarte Baufeld in Richtung Gäubahntrasse zügig weiterentwickeln. „Ab Ende Februar entstehen dort weitere 86 Wohnungen“, sagt SWSG-Sprecherin Saskia Bodemer-Stachelski. Nach der Vorbereitung des Baufelds und den Gründungsarbeiten sollen zwei Wohngebäude auf einer gemeinsamen Tiefgarage entstehen.

Auf dem Areal befindet sich auch ein leer stehendes historisches Gebäude, der sogenannte „Bau 9“. Er bleibt erhalten, denn in ihm sind eine Kindertagesstätte sowie Räume zur kulturellen Nutzung geplant. „Der Baubeginn für dieses Projekt soll jedoch erst 2027 sein“, so die SWSG-Sprecherin.

46 Wohnungen für Klinikums-Mitarbeiter

Damit ist die Bautätigkeit der städtischen Tochter in diesem Bereich noch nicht abgeschlossen. In einem unmittelbar angrenzenden Gebäude an das Bettenhaus in der Wolframstraße 61 bis 63 sollen 46 Wohnungen für Klinikums-Mitarbeiter bis voraussichtlich 2028 entstehen. Das Gebäude bleibt erhalten.

Grundlage ist ein von Fischer Rüdenauer Architekten gewonnener Architektenwettbewerb, die sich für die Umsetzung in Absprache mit der SWSG einen Partner mit ins Boot geholt haben: Das Büro Aldinger Architekten trägt dabei die Verantwortung für den gesamten Wohnungsbau und die Umnutzung des historischen Gebäudes „Bau 9“. „In den kommenden Wochen soll es losgehen“, bestätigt Simone Gauss, beim Büro Aldinger für das Projekt verantwortlich.

Weitere Planungen für die Tunzhofer Straße und das AWS-Gelände

Die genannten Bauprojekte sind jedoch erst der Auftakt für die Neuentwicklung der beiden Quartiere links und rechts der Türlenstraße, an der die Stadt Stuttgart seit fast 15 Jahren bastelt. Wegen ihrer unmittelbaren Nachbarschaft gab es dafür 2017 einen gemeinsamen Ideenwettbewerb, den das Stuttgarter Architekturbüro Pesch und Partner gewann.

Ein wesentlicher Bestandteil des Preisträgerkonzepts: auf einen vollständigen Gebäudeabbruch auf beiden Konversionsflächen wird verzichtet. Die Tunzhofer Straße 18 A steht leer und wird umgebaut. Und auf dem AWS-Areal auf der anderen Straßenseite soll das historische Pferdestallgebäude erhalten bleiben und den zukünftigen Quartiersmittelpunkt bilden.

Hochhaus, Gebäudekomplexe und eine Kita werden abgerissen

Der Gebäudekomplex Tunzhofer Straße 20/22 und das Hochhaus dahinter sollen abgerissen werden. Foto: Uli Nagel

Das 15-geschossige Personal-Hochhaus wiederum, das wegen zweier Tötungsdelikte in die Schlagzeilen geraten war, soll definitiv abgerissen werden. Laut einem Aushang der Klinikums-Verwaltung muss das Gebäude bis Ende Februar komplett geräumt sein. Es soll im Zuge der städtebaulichen Neuordnung des Quartiers durch eine fünfgeschossige Blockrandbebauung ersetzt werden.

Keine Zukunft haben auch der Gebäudekomplex Tunzhofer Straße 20/22 sowie der markante Kita-Bau. Wer die verbliebenen Baufelder, darunter auch das AWS-Gelände, einmal entwickeln soll, ist laut Stadtplanungsamt noch unklar. Fest steht, dass neben der städtischen Tochter SWSG und Baugemeinschaften auch das „Stuttgarter Bündnis für Wohnen“ zum Zuge kommen sollen.

AWS-Gelände wohl erst 2028 frei

Blick aufs AWS-Gelände in Stuttgart. Im Hintergrund das Hochhaus, das abgerissen werden soll. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Doch während die Wohnbebauung auf dem ehemaligen Klinik-Areal jetzt Fahrt aufnimmt, verzögert sich immer wieder die städtebauliche Neuordnung des AWS-Geländes. Der Grund: Die Standortverlagerung ist noch nicht abgeschlossen, da der Betriebshof Türlenstraße nicht zu 100 Prozent auf die beiden Alternativstandorte in Wangen (Gingener Straße) und Münster (Burgholzstraße) verteilt werden kann.

AWS-Chef Markus Töpfer ist jedoch optimistisch, dass dieses mühsame Langzeitprojekt 2028 abgeschlossen sein wird und im Anschluss mit der Wohnbebauung – rund 80 Prozent davon werden gefördert – begonnen werden kann. Für dieses Projekt hat der Gemeinderat im Dezember 2025 das Aufstellen eines neuen Bebauungsplans beschlossen.

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