Die Schnellbuslinien X4 und X7 sollen im Dezember eingestellt werden. Nun gibt es einen Vorstoß aus Filderstadt, wie eine weitere Finanzierung klappen könnte. Wie sieht das aus?

Sind die Schnellbuslinien X4 und X7 doch noch zu retten? Die Stadt Filderstadt hat einen Vorstoß gewagt, der zum Ziel hat, die Finanzierung der Verbindungen mindestens mittelfristig zu sichern. Die Idee hat der Ordnungsamtsleiter Jan-Stefan Blessing im Technischen Ausschuss vorgestellt. Demnach ist geplant, dass sich die Kommunen, die von den Bussen angefahren werden, an den Kosten beteiligen, ebenso der Landkreis Esslingen. Aufgeteilt werden sollen die Kosten wie beim sogenannten Zubestell-Prinzip. Beim klassischen Linienverkehr ist es so, dass der Landkreis die Hälfte zahlt und der Rest auf die Kommunen verteilt wird, gemessen daran, wie sie streckenmäßig vom Bus profitieren. Gleichzeitig soll der Fahrplan etwas ausgedünnt werden, um die Kosten zu drücken. So sollen jeweils die letzten beiden Fahrtenpaare gestrichen werden.

 

So sähe die Finanzierung dann aus: Zum Erhalt der Linien X4 und X7 bis Ende September 2027 müsste durch den Landkreis und seine Kommunen ein Solidarbeitrag in Höhe von rund 530 000 Euro geleistet werden. Beim leicht gekürzten Linienangebot „Light“ könnte nach der Rechnung der Stadt Filderstadt der Finanzierungsanteil auf rund 430 000 Euro schrumpfen. Bei einer Mitfinanzierungsentscheidung des Landkreises wäre von den Kommunen, die von den X-Bussen angefahren werden – Filderstadt, Wolfschlugen, Nürtingen und Leinfelden-Echterdingen – der hälftige Solidarbeitrag zu leisten, also bis zu 215 000 Euro. Für Filderstadt würde das Kosten in Höhe von bis zu 115 000 Euro im Jahr 2026 sowie 87 000 Euro im Jahr 2027 nach sich ziehen. Das Ziel der Filderstädter ist jedoch klar: Im Verbund wollen sie eine dauerhafte Lösung auch über 2027 hinaus finden. Dann wird nämlich auch die Landesförderung der X-Linien auslaufen.

X-Busse auf den Fildern: Alle Kommunen müssen mitmachen

Das Konstrukt ist auf Gemeinschaft ausgelegt. „Das kommt nur zustande, wenn der Kreis und die Kommunen mitmachen“, sagte Jan-Stefan Blessing. Zieht einer nicht mit, fällt das Kartenhaus in sich zusammen. Filderstadt ist jedenfalls im Boot. Die Mitglieder des Technischen Ausschusses haben einhellig zugestimmt, aber nur unter einer Prämisse: Sie lehnen ab, dass die Stadt zugunsten der Finanzierung der X-Linien das Filderstadt-Ticket streicht. Seit Anfang 2020 gibt es diese subventionierte Fahrkarte für alle, die sich innerhalb von Filderstadt mit dem ÖPNV fortbewegen.

Angesichts der prekären Haushaltslage hatte Jan-Stefan Blessing die Streichung in den Raum gestellt. 75 000 Euro hätte das bringen sollen. Weitere Einsparideen im Budget des Ordnungsamtes: Der Verzicht auf eine neue digitale Anzeigetafel am Bahnhof soll 115 000 Euro sparen, zudem will man bei den Bußgeldern, vor allem beim Blitzen, anziehen und so 12 000 Euro mehr einnehmen.

Schnellbusse auf den Fildern: Was sagen die anderen Gemeinden dazu?

Nach dem Filderstädter Ja sollen nun alle Akteure abgefragt werden. Während es aus Wolfschlugen heißt, das Thema werde im Januar aufgegriffen, wird sich laut dem Nürtinger Oberbürgermeister Johannes Fridrich der dortige Verwaltungsausschuss bereits am 2. Dezember damit befassen. Der Wunsch der Verwaltung ist klar: Sie hat eine Petition zum Erhalt der Busse unterstützt und empfiehlt die künftige Mitfinanzierung. „Die Linie X4 wird gut angenommen, wir haben 3200 Fahrgäste pro Werktag“, betont Johannes Fridrich.

Den Kommunen geht das Geld aus, es muss sorgfältig überlegt werden, wie die X-Busse weiter finanziert werden können. Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

In Leinfelden-Echterdingen wiederum, wo lediglich drei Haltestellen von der X7 angefahren werden, war bereits im September angeklungen, dass die Verwaltung angesichts der angespannten Haushaltslage die schnelle Linie nicht um jeden Preis will, denn immerhin gebe es noch die lediglich acht Minuten langsamere Buslinie 77. Nach der Nachricht aus Filderstadt gibt er sich der Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell weiterhin zögerlich. Man werde zunächst abwarten, ob sich der Landkreis und gegebenenfalls weitere Kommunen neu positionieren und Beschlüsse für eine Folgefinanzierung fassen.

Und ja, auch im Esslinger Kreistag wird man sich abermals mit dem Thema beschäftigen. Die Sprecherin Andrea Wangner kündigt an: „Ausgehend von Gesprächen mit dem Land, der Landeshauptstadt sowie den Kommunen entlang der Streckenverläufe wird das Thema im Dezember erneut im Verwaltungs- und Finanzausschuss des Landkreises Esslingen aufgerufen.“

Deshalb steht die Finanzierung auf der Kippe

Kein klassischer ÖPNV
Die im Auftrag der Landeshauptstadt seit 2018 und 2020 durch die SSB betriebenen Expressbuslinien X4 (Nürtingen-Wolfschlugen-Filderstadt-Degerloch) und X7 (Filderstadt-Degerloch) wurden ergänzend zu den Bestandsbuslinien 74, 76 und 77 als Maßnahme der Luftreinhaltung entwickelt, sie gehören also nicht zum klassischen ÖPNV und werden daher auch anders finanziert.

Letzter Betriebstag
Die Linien wurden bislang vom Land gefördert – anfangs zu 75 Prozent, seit dem Herbst 2024 deckt das Land aber nur noch 50 Prozent der Kosten ab, und dieser Zuschuss wird auch nur noch bis Ende September 2027 gewährt, weil sich die Luftqualität verbessert hat. Die Anschlussfinanzierung ist bis heute nicht geklärt. Der Esslinger Kreistag hat im Juli mit Verweis auf die angespannte Kassenlage eine alleinige Finanzierung des Solidarbeitrags in Höhe von 530 000 Euro abgelehnt. Daher sollen die Linien zum Fahrplanwechsel eingestellt werden. Letzter Betriebstag für die – sehr gut angenommenen – Linien X4 und X7 ist der 19. Dezember.