Am Freitagabend fuhr eine Mercedes G-Klasse in eine Menschengruppe am Olgaeck. Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Am vergangenen Freitagabend fährt ein 42 Jahre alter Mercedes-Fahrer am Olgaeck in Stuttgart in eine Menschengruppe. Eine Frau stirbt anschließend im Krankenhaus. Tage später berichten Zeugen eindringlich vom tragischen Unfall – und üben Kritik.
Unfall am Olgaeck in Stuttgart: „Habe so etwas noch nie gesehen“
Über die Geschehnisse am Unfallort sprechen wenige Tage danach mehrere Zeugen mit unserer Redaktion. Natalia Zuichenko arbeitet in einem Café direkt am Olgaeck und hat den Unfall aus nächster Nähe mitbekommen. „Die Leute haben geschrien und geweint, viele Leute haben auch geholfen. Es war sehr schrecklich“, schildert sie.
Auch Ismael Dilo, der als Friseur in einem Salon schräg gegenüber der Unfallstelle arbeitet, haben sich die Szenen, die sich nach dem Unfall abspielten, ins Gedächtnis eingebrannt: „Ich habe Frauen schreien gehört, dann sind meine Kollegen und ich zur Tür raus und haben gegenüber den Unfall gesehen.“
Dort habe sich ein schreckliches Bild gezeigt, berichtet Dilo weiter: „Da lagen viele Personen, die ohnmächtig waren. Als der Krankenwagen da war, wurde auch eine Frau wiederbelebt – ich habe so etwas noch nie gesehen, ich war so unter Schock.“
Die 46 Jahre alte Frau, die an der Unfallstelle von den Rettungskräften zunächst erfolgreich reanimiert worden war, starb noch am selben Abend im Krankenhaus an ihren schweren Verletzungen. Gegen den Fahrer der G-Klasse ermittelt die Staatsanwaltschaft nun wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung in sieben Fällen.
Die Reaktion des Mercedes-Fahrers nach dem Unfall habe Dilo aus nächster Nähe miterlebt. „Der Fahrer ist aus seinem Auto ausgestiegen und hatte die Hände am Kopf, er hat sich selbst geschlagen. Er konnte gar nichts machen, er war einfach unter Schock.“
Zunächst war nicht klar gewesen, ob es sich bei der Fahrt in die Menschengruppe am Olgaeck möglicherweise um einen Anschlag gehandelt hat. Die Polizei hatte zunächst „in alle Richtungen ermittelt“, sich im Verlauf der Ermittlungen dann aber frühzeitig darauf festgelegt, dass es sich um einen tragischen Unfall gehandelt habe.
Unfall am Olgaeck in Stuttgart: „Man hat jetzt ein mulmiges Gefühl“
Apothekerin Eva Golzke arbeitet in der Charlotten-Apotheke, in der Nähe der Unfallstelle. „Man hat jetzt schon ein mulmiges Gefühl, da über die Straße zu gehen“, sagt sie drei Tage nach dem Unfall am Olgaeck.
Hier kam es am Freitag zum tragischen Unfall. Ist das Olgaeck eine Gefahrenstelle für Fußgänger? Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Sie sei jetzt wachsamer. „Ich würde jetzt auch vielleicht jemanden ansprechen, der über Rot gehen will, das hätte ich vor einer Woche nicht gemacht“, sagt sie.
Fußgänger sehen Gefahrenstelle am Olgaeck
Golzke sieht am Olgaeck eine Gefahrenstelle für Fußgänger: „Es ist schon alles sehr eng für Fußgänger, vor allem wenn man mit dem Kinderwagen oder dem Rollstuhl unterwegs ist.“
Große Sorge bereite ihm die Absperrung; der Übergang ist wegen fehlender Geländer derzeit komplett gesperrt. Statt einen Umweg in Kauf zu nehmen, gingen viele Fußgänger mitten über die Kreuzung.
Die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) erklärte am Montag, der Wunsch vieler Fußgänger, dass der Überweg an der Haltestelle bei der Unfallstelle bald wieder freigegeben wird, könne zunächst aus Sicherheitsgründen nicht erfüllt werden. Man werde aber so bald wie möglich eine provisorische Lösung einrichten, um den Überweg wieder nutzbar zu machen.