Zeugen berichten von tödlichem Unfall am Olgaeck „Die Leute haben geschrien, geweint – es war schrecklich“

, aktualisiert am 05.05.2025 - 18:48 Uhr
Am Freitagabend fuhr eine Mercedes G-Klasse in eine Menschengruppe am Olgaeck. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Am vergangenen Freitagabend fährt ein 42 Jahre alter Mercedes-Fahrer am Olgaeck in Stuttgart in eine Menschengruppe. Eine Frau stirbt anschließend im Krankenhaus. Tage später berichten Zeugen eindringlich vom tragischen Unfall – und üben Kritik.

Nach dem tragischen Unfall am Olgaeck am vergangenen Freitag sitzt der Schock in Stuttgart noch immer tief. Ein 42 Jahre alter Mann war laut den Ermittlungen der Polizei mit einer Mercedes G-Klasse von der Fahrbahn abgekommen und in eine Menschengruppe gefahren. Er verletzte acht Menschen, drei davon schwer. Eine 46 Jahre alte Frau überlebte den Unfall nicht.

 

Unfall am Olgaeck in Stuttgart: „Habe so etwas noch nie gesehen“

Über die Geschehnisse am Unfallort sprechen wenige Tage danach mehrere Zeugen mit unserer Redaktion. Natalia Zuichenko arbeitet in einem Café direkt am Olgaeck und hat den Unfall aus nächster Nähe mitbekommen. „Die Leute haben geschrien und geweint, viele Leute haben auch geholfen. Es war sehr schrecklich“, schildert sie.

Auch Ismael Dilo, der als Friseur in einem Salon schräg gegenüber der Unfallstelle arbeitet, haben sich die Szenen, die sich nach dem Unfall abspielten, ins Gedächtnis eingebrannt: „Ich habe Frauen schreien gehört, dann sind meine Kollegen und ich zur Tür raus und haben gegenüber den Unfall gesehen.“

Dort habe sich ein schreckliches Bild gezeigt, berichtet Dilo weiter: „Da lagen viele Personen, die ohnmächtig waren. Als der Krankenwagen da war, wurde auch eine Frau wiederbelebt – ich habe so etwas noch nie gesehen, ich war so unter Schock.“

Die 46 Jahre alte Frau, die an der Unfallstelle von den Rettungskräften zunächst erfolgreich reanimiert worden war, starb noch am selben Abend im Krankenhaus an ihren schweren Verletzungen. Gegen den Fahrer der G-Klasse ermittelt die Staatsanwaltschaft nun wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung in sieben Fällen.

Die Reaktion des Mercedes-Fahrers nach dem Unfall habe Dilo aus nächster Nähe miterlebt. „Der Fahrer ist aus seinem Auto ausgestiegen und hatte die Hände am Kopf, er hat sich selbst geschlagen. Er konnte gar nichts machen, er war einfach unter Schock.“

Zunächst war nicht klar gewesen, ob es sich bei der Fahrt in die Menschengruppe am Olgaeck möglicherweise um einen Anschlag gehandelt hat. Die Polizei hatte zunächst „in alle Richtungen ermittelt“, sich im Verlauf der Ermittlungen dann aber frühzeitig darauf festgelegt, dass es sich um einen tragischen Unfall gehandelt habe.

Unfall am Olgaeck in Stuttgart: „Man hat jetzt ein mulmiges Gefühl“

Apothekerin Eva Golzke arbeitet in der Charlotten-Apotheke, in der Nähe der Unfallstelle. „Man hat jetzt schon ein mulmiges Gefühl, da über die Straße zu gehen“, sagt sie drei Tage nach dem Unfall am Olgaeck.

Hier kam es am Freitag zum tragischen Unfall. Ist das Olgaeck eine Gefahrenstelle für Fußgänger? Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Sie sei jetzt wachsamer. „Ich würde jetzt auch vielleicht jemanden ansprechen, der über Rot gehen will, das hätte ich vor einer Woche nicht gemacht“, sagt sie.

Fußgänger sehen Gefahrenstelle am Olgaeck

Golzke sieht am Olgaeck eine Gefahrenstelle für Fußgänger: „Es ist schon alles sehr eng für Fußgänger, vor allem wenn man mit dem Kinderwagen oder dem Rollstuhl unterwegs ist.“

Auch Aslan Kamuran, der ein Kiosk in der Nähe der Unfallstelle besitzt, fühle sich „sehr unsicher“, wenn er am Olgaeck über die Straße gehe. Dort passierten „sehr oft“ Unfälle, sagt er weiter. Tatsächlich zeigen Daten, die unsere Redaktion ausgewertet hat, dass am Olgaeck immer wieder Passanten bei Unfällen verletzt werden.

„Manchmal schaue ich trotzdem nach links und rechts, obwohl es Grün ist. Die Stadt muss hier endlich etwas machen“, fordert Kamuran.

Kritik auch vom Verein Fuß e. V.

Mit seiner Kritik ist er nicht allein. Nach dem tödlichen Unfall beginnt eine Debatte über die Sicherheit am Olgaeck. Für Peter Erben vom Verein Fuß e. V. sei der Überweg am Olgaeck eines der vielen Beispiele in der Stadt, dass Fußgänger immer nur den Platz bekommen, der übrig bleibe.

Große Sorge bereite ihm die Absperrung; der Übergang ist wegen fehlender Geländer derzeit komplett gesperrt. Statt einen Umweg in Kauf zu nehmen, gingen viele Fußgänger mitten über die Kreuzung.

Die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) erklärte am Montag, der Wunsch vieler Fußgänger, dass der Überweg an der Haltestelle bei der Unfallstelle bald wieder freigegeben wird, könne zunächst aus Sicherheitsgründen nicht erfüllt werden. Man werde aber so bald wie möglich eine provisorische Lösung einrichten, um den Überweg wieder nutzbar zu machen.

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