Zoff im Leonhardsviertel Uhu-Bar: „Fühlen uns wie die nervige Jugend in der Hausgemeinschaft“

In der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirats Mitte kam es zu Beschwerden über den nächtlichen Andrang junger Menschen vor der Uhu-Bar. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Beschwerden im Bezirksbeirat und junge Leute, die ein Lokal belagern – was ist los im Leonhardsviertel? Wir haben nachgefragt und mit Betreibern und der Stadt gesprochen.

Im Leonhardsviertel gibt es zunehmend Diskussionen rund um die Uhu-Bar. Anlass sind Beschwerden über nächtliche Menschenansammlungen. Kritisiert werden Lärm, mitgebrachte Getränke sowie die Nutzung von Gehwegen und Fahrbahn. Der Konflikt ist Teil eines größeren Spannungsfeldes: Das Viertel soll laut Stadt stärker auf Wohnen, Gastronomie und Kultur ausgerichtet werden – weg von seiner bisherigen Prägung durch das Rotlichtmilieu. Unterschiedliche Interessen treffen hier auf engem Raum aufeinander.

 

„Natürlich müssen sich alle an die Spielregeln halten“

In der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirats Mitte kam es zu Beschwerden über den nächtlichen Andrang junger Menschen vor der Uhu-Bar. Laut Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle beklagten der Bordellbetreiber John Heer, Barbetreiber Yusuf Oksaz (Jackie Brown, Dilayla, Mrs. Jones, Romy S.) sowie Deniz Sever von der Feinkostbar L’Hommage, dass Gruppen mitgebrachte Getränke konsumieren und dabei die Wege blockieren. Sever sagt unserer Zeitung, sie wünsche grundsätzlich allen das Beste. Sie fühle sich aber auch unverstanden. Das Viertel mit seiner Geschichte hätten sie und andere maßgeblich mitgeprägt. Nun würden ihre Interessen überhört.

Yusuf Oksaz sagt, er sei für eine Gemeinschaft und ein friedliches Miteinander. Mit Beschwerdeführern will er nicht in einen Topf geworfen werden. Als erfahrener Gastronom gehe es ihm um gerechte Behandlung, vor allem solle man auch nicht bestraft werden, wenn man sich an die Regeln hält. Er sei jetzt in einen Strudel hineingeraten, in dem er gar nicht sein wolle. In der Bezirksbeiratssitzung hätte er sich eigentlich auch nicht beschwert.

Unterschiedliche Interessen treffen im Leonhardsviertel auf engem Raum aufeinander. Foto: Swantje Kubillus

Uneinheitliche Sperrzeiten als Problem

Bezirksvorsteherin Kienzle betont, sie wünsche sich langfristig ein junges, kreatives Publikum für das Viertel – jedoch unter Einhaltung der geltenden Regeln. Ein Problem sieht Kienzle in den unterschiedlich beantragten Sperrzeiten. So darf die Uhu-Bar unter der Woche bis 3 Uhr, am Wochenende bis 5 Uhr im Innenbereich öffnen; im Außenbereich ist um 1 Uhr Schluss. Das benachbarte Jackie Brown darf im Außenbereich zum Beispiel nur bis Mitternacht bewirten – ein Umstand, der laut Kienzle auf die jeweils individuellen Anträge zurückzuführen sei. Als mögliches Modell verweist sie auf Heidelberg, wo die Stadt einheitliche Sperrzeiten eingeführt habe. Ob ein solches Vorgehen in Stuttgart gewünscht ist, bleibe aber offen.

Betreiber der Uhu-Bar wehren sich gegen Vorwürfe

Die Betreiber der Uhu-Bar, die namentlich nicht genannt werden wollen, fühlen sich vor den Kopf gestoßen. Die Uhu-Bar sei ihr Herzensprojekt. Als Quereinsteiger und Newcomer wären sie immer offen gewesen. Zu Beginn war das Verhältnis zu allen dort auch gut, das sagt auch Sever – inzwischen fühlten sie sich wie die „nervige Jugend in der Hausgemeinschaft.“

„Es braucht Orte, wo es anders ist“

Die Bar mit ihrer langen Geschichte ist heute ein Treffpunkt für Studierende und junge Kreative – Menschen mit kleinem Budget. „Wenn alles in der Stadt schicker und teurer wird, braucht es Orte, wo das anders ist“, sagen sie. Vom Andrang seien sie selbst überrascht – etwa bei der Langen Nacht der Museen zur Ausstellung „Bordellisage“, als sich die Schlange bis zum Wilhelmsplatz zog. Die Ausstellung in dem ehemaligen Laufhaus im Obergeschoss thematisierte Weiblichkeit und Empowerment. Zugang war für maximal 25 Personen. Rund 30 Quadratmeter misst die Bar – „da ist es schnell voll, dann machen wir dicht“.

Einen Discobetrieb gebe es bei ihnen nicht, erzählen sie auf Nachfrage. In einem Beschwerdebrief der Anwohner an die Stadt wird behauptet, dass die Bar regelmäßig DJ-Abende veranstalte, ohne dass die Stadt einschreite. In allen Bars des Leonhardsviertels besteht ein Tanzverbot. Sie hätten einmal eine Party im oberen Stock gehabt, die sei aber privat gewesen und wenn es zu laut war, oder aus dem Ruder lief, tue es ihnen leid. Ansonsten hätten sie unten in der Bar einen DJ. Die mitgebrachten Gläser und Flaschen würden sie schon immer einsammeln, obwohl sie es nicht als ihre Aufgabe sähen, könnten aber auch nicht richtig Herr der Lage werden, und wüssten nicht, was sie dagegen tun sollen. Sie würden auch schon immer darauf hinweisen, dass man sich nicht unnötig draußen aufhalten solle.

Buntes Nachtleben im Leonhardsviertel

Ein Besuch am Samstagabend in der Leonhardstraße zwischen 22 Uhr und 0 Uhr zeigt: Hier geht es bunt zu. Alt, Jung, Frauen, Männer - Menschen. Man trinkt Wein, feiert Geburtstage oder plaudert vor den Bars. Das Rotlicht ist Teil davon. In der Uhu-Bar ist an diesem kühlen Abend geschlossene Gesellschaft, nur wenige Gäste sind draußen. Die meisten tummeln sich in den beliebten Bars am Wilhelmsplatz. Ein Bild, wie es wochenends wohl in jeder größeren Stadt zu finden sein dürfte.

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