Zollschock bedroht Wachstum So gefährlich ist Trumps Agenda für Deutschlands Wirtschaft

Trump bei einem Wahlkampfauftritt in North Carolina – von Anhängern bejubelt, von der deutschen Wirtschaft gefürchtet. Foto: Getty Images via AFP/Anna Moneymaker

Mit hohen Zöllen, Steuersenkungen und Deregulierung will Donald Trump die US-Wirtschaft ankurbeln. Für Deutschland sind das keine guten Aussichten.

Donald Trumps Chancen auf ein Comeback als US-Präsident steigen wieder, auch wenn Wahlumfragen weiterhin auf ein sehr knappes Rennen hindeuten. An den Wettbörsen liegt der Kandidat der Republikaner inzwischen deutlich vor Kontrahentin Kamala Harris von den Demokraten. Auch an den Finanzmärkten wird zunehmend auf seinen Wahlsieg gesetzt.

 

„Massive Auswirkungen nicht nur für die US- und die Weltwirtschaft“

Viele US-Wähler attestieren Trump eine höhere Wirtschaftskompetenz als Harris. Allerdings lassen Ökonomen kein gutes Haar an seiner von Strafzöllen, Steuersenkungen und dem Abbau von Regulierungen geprägten Agenda. Aus deutscher Sicht sind Trumps Pläne beunruhigend.

„Sollte Donald Trump ein zweites Mal zum US-Präsidenten gewählt werden und zusätzliche Zölle in dem Umfang verhängen, wie im Wahlkampf angekündigt, drohen massive Auswirkungen nicht nur für die US- und die Weltwirtschaft“, lautet das Fazit einer Analyse des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). Auch die deutsche Wirtschaft würde empfindlich getroffen werden. Das liege vor allem an der Handelspolitik. So will Trump sämtliche Waren aus China mit einem Zoll von 60 Prozent belegen und Zölle von 10 bis 20 Prozent auf alle anderen Importe in die USA erheben.

Höchster Zollsatz seit der 1930er-Jahre

Einer Umfrage des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zufolge sehen Finanzmarktanalysten in Trump wegen seiner handelspolitischen Agenda ein größeres wirtschaftliches Risiko für Deutschland als in Harris. „Bei Trump wird ein stärkerer Fokus auf Isolationismus und protektionistische Maßnahmen wahrgenommen, was das Wachstumspotenzial Deutschlands als einer der wichtigsten Handelspartner der USA beeinträchtigen könnte“, sagt ZEW-Forscherin Lora Pavlova. Schon Trumps erste Präsidentschaft war von Handelskonflikten begleitet.

„Trump sieht in Zöllen eine wirtschaftspolitische Allzweckwaffe“, sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Damit solle nicht nur die US-Industrie geschützt, sondern auch ein Umbau des Steuersystems weg von der direkten Einkommensbesteuerung finanziert werden. Sollte der ehemalige US-Präsident seine Pläne umsetzen, so würde der durchschnittliche Zollsatz in den USA auf 15 Prozent steigen. „So hoch war er zuletzt in den 1930er Jahren, als protektionistische Exzesse den Welthandel zum Einbruch brachten.“ Krämer geht davon aus, dass Trumps umstrittene Zollpolitik auch die Inflation wieder kräftig anfachen würde, was die Zinsen erneut hochtreiben könnte.

Unabhängigkeit der Notenbank steht auf dem Spiel

Zu diesem Ergebnis kam zuletzt auch eine Untersuchung der US-Denkfabrik Peterson Institute, die auch noch vor weiteren negativen Folgen für die US-Wirtschaft warnte. So könne der Antizuwanderungskurs von Trump, der die Grenzen dichtmachen und massenhaft Menschen abschieben will, den Personalmangel am Arbeitsmarkt verstärken. Zudem stehe die Unabhängigkeit der Notenbank auf dem Spiel, da Trump in die Geldpolitik hereinregieren wolle.

Bereits im Juli hatten der US-Topökonom Joseph Stiglitz und 15 weitere Wirtschaftsnobelpreisträger „unverantwortliche Haushaltspläne“ Trumps kritisiert, die die Staatsfinanzen belasten und die Teuerung erneut aus dem Ruder laufen lassen könnten. „Wir glauben, dass eine zweite Amtszeit Trumps negative Auswirkungen auf das wirtschaftliche Ansehen der USA in der Welt und eine destabilisierende Wirkung auf die Binnenwirtschaft haben würde“, hieß es damals.

Auch bei einem Sieg von Kamala Harris droht Gegenwind. Foto: AFP/Christian Monterrosa

Aus deutscher Sicht ist vor allem die künftige US-Handelspolitik entscheidend, da die hiesige Wirtschaft sehr stark auf Exporte angewiesen ist. Trumps Zolldrohungen hängen wie ein Damoklesschwert über der ohnehin schon schwächelnden Konjunktur. Allerdings dürften Freihandelsanhänger auch bei einem Wahlsieg von Kamala Harris kaum in Jubelstürme ausbrechen. Neben umfangreichen Subventionen sei Protektionismus bei beiden Kandidaten das Mittel der Wahl, um die heimische Industrie und das Label „Made in America“ zu stützen, sagt Commerzbank-Chefökonom Krämer.

Auch bei Harris droht Gegenwind

„Unabhängig vom Wahlausgang sind verschärfte Handelsbeschränkungen gegenüber China zu erwarten“, meint auch Michael Beck, der das Asset Management der Stuttgarter Privatbank Ellwanger & Geiger leitet. Dies stelle europäische Unternehmen vor eine Herausforderung, wenn sie weiterhin gute Geschäfte in den USA machen wollten. „Insbesondere Deutschlands wirtschaftliche Erfolge hingen in den vergangenen Jahren stark von China ab – eine weitere Abkehr könnte daher schmerzhafte Einbußen nach sich ziehen.“ Um das deutsche und europäische Wohlstandsmodell zu sichern, müssten Lieferketten und Rohstoffversorgung auf eine breitere Basis gestellt werden.

Dem IMK zufolge käme Deutschlands Wirtschaft mit Harris jedoch wesentlich besser weg als mit Trump. Das Wirtschaftsforschungsinstitut hat mögliche Auswirkungen mit Modellrechnungen analysiert und ist zu dem Schluss gekommen, dass hierzulande bei Harris nur ganz leichte Wachstumseinbußen drohen. Bei Trump hingegen könne der BIP-Verlust in den zwei Jahren nach Einführung seiner Zölle im Negativszenario mehr als ein Prozent betragen. Erschwerend hinzu komme, dass sich die Industrie noch nicht ganz vom Energieschock durch Russlands Angriff auf die Ukraine erholt habe und durch die aggressive Politik Chinas und der USA ohnehin unter Druck stehe.

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