In der Wilhelma hat der Bau einer neuen Anlage für Elefanten begonnen. Wie die Elefantenwelt künftig aussehen soll – und wann die neue Attraktion voraussichtlich fertig ist.

Lokales: Iris Frey (if)

Die Pläne lagen jahrelang auf dem Tisch, immer wieder wurde das neue Elefantenhaus für die Stuttgarter Wilhelma als Leuchtturmprojekt beworben. Jetzt konnte sich der Bauherr Andreas Hölting, Direktor des Landesbetriebs Vermögen und Bau, über die baldige Verwirklichung des „Leuchtturmprojekts für den Artenschutz“ mit Finanzminister Danyal Bayaz, Zoo-Direktor Thomas Kölpin und Fördervereinschef Georg Fundel beim Spatenstich freuen.

 

Es war ein langer Atem gefragt, weil das Land in Zeiten knapper Kassen lange mit der Freigabe der Mittel wartete. Nun ist es soweit: Der Spatenstich für die neue, rund zwei Hektar große Anlage im nördlichen Teil des Zoos beim Asiatischen Schaubauernhof ist erfolgt. Ein historischer Moment.

Denn schon unter dem kürzlich verstorbenen Wilhelma-Direktor Dieter Jauch wurde die alte Anlage auf Vordermann gebracht und es kam die Idee für einen Neubau auf. Fördervereinschef Fundel und Jauchs Nachfolger Thomas Kölpin kämpften lange für die Realisierung.

Andreas Hölting, Julian Kahl, Siegfried Lorek, Thomas Kölpin, Danyal Bayaz, Petra Olschowski, Georg Fundel, Katrin Steinhülb-Joos, Kai Fischer und Simon Schreiber (von rechts) Foto: Lichtgut

„Ein Meilenstein für die Wilhelma“

Finanzminister Bayaz erklärte beim Spatenstich im sonnigen, winterlichen Zoo, dass es „ein guter, symbolträchtiger Tag“ sei. „Die neue Elefantenwelt ist ein Zukunftsprojekt. Sie wird Maßstäbe setzen.“ Er erinnerte an die vielen Haushaltsverhandlungen ohne Finanzzusage. Es war ein „geduldiger Langstreckenlauf“. Die fast 70.000 Euro Kosten seien „gut investiertes Geld“, nachhaltig, fürs Tierwohl und die Bildung. Er dankte dem Förderverein der Wilhelma für den großen Spendenbetrag von 15 Millionen Euro, der größte eines Fördervereins für einen Zoo.

Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin konnte es kaum glauben: „Für mich ist es surreal, dass wir hier stehen“, sagte er. Er erinnerte daran, dass er bereits 2014 die erste Machbarkeitsstudie gab und von 2018 an dann die konkrete Planung erfolgte. Es sei ein „Meilenstein für die Wilhelma“, auch, dass ein zweiter Eingang geschaffen werde, der gut zu erreichen sei.

Baulich setzt der Stuttgarter Zoo besondere Zeichen, auch in Sachen Erreichbarkeit: So umfasst die neue Elefantenwelt künftig den zweiten wichtigen Haupteingang der Wilhelma direkt an der Stadtbahnhaltestelle „Rosensteinpark“ an der Pragstraße. Ein besonderes Erlebnis für die Besucher: So werde in die Elefantenhalle ein Restaurant mit Panoramafenster integriert, durch das die Besucher die Elefanten beobachten können. In einem zweiten Gebäude werden eine Kasse und ein Shop entstehen. Die gesamte Anlage werde barrierefrei sein und werde es leichter machen für Menschen mit Behinderungen oder Familien mit Kinderwagen, die Wilhelma zu besuchen. So könne der Stuttgarter Zoo künftig auch von oben nach unten besichtigt werden.

Hier im nördlichen Teil der Wilhelma wird die neue Elefantenwelt gebaut. Foto: Wilhelma/Lange

Die neue Anlage für die Dickhäuter mit ihren 1,7 Hektar Nutzfläche werde mehrere Wasserbecken und grüne Innen- und Außengehege haben. Die Gebäude werden aus Stahlbeton und Holz errichtet und bekommen eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Der Trinkwasserverbrauch soll durch ein nachhaltiges Regenwassermanagement reduziert werden, so das Finanzministerium als Bauherr. Auch soll die Abwärme aus dem Rosensteintunnel in das Wärmekonzept integriert werden.

Förderverein der Wilhelma gibt 15 Millionen Euro

Das Land investiert in den Neubau rund 68,5 Millionen Euro. Davon werden 15 Millionen Euro durch den Verein der Freunde und Förderer der Wilhelma übernommen – die bislang größte Fördersumme eines Vereins für einen Zoo. Der Vorsitzende des Fördervereins, Georg Fundel, freute sich: „Was für ein schöner Moment. Den 37.500 Mitgliedern falle ein Stern vom Herzen.“ Er erinnerte an den Wunsch des Vereins, schon im Mai 2013 bei der Eröffnung des Menschenaffenhauses, für den Bau der Elefantenanlage zehn Millionen zu geben, wenn das Land es wolle.

Zugleich bedauerte er, dass auch das Zwergflusspferd-Projekt am Neckar seit 2013 trotz vorhandenem Geld und vorliegendem Baugesuch bedauerlicherweise bei der Verwaltung der Stadt nicht weiterkomme. Positiv blickte er auf die kommende Eröffnung des sanierten Eingangspavillons des Königs und äußerte die Hoffnung, dass weitere historische Gebäude wie der Maurische Festsaal und das Maurische Landhaus wieder in ihrer ursprünglichen Pracht erstrahlen werden.

Dreiteilige Anlage für Mutterherde und einen Bullen

Auf dem Gelände wird eine dreiteilige Anlage gebaut mit großer Kuppel und Innenanlage, einem Haus mit Außenanlage. Es soll für eine Mutterherde, einen Bullen und eine Junggesellengruppe eine neue Heimat sein und ist dann den Angaben zufolge weltweit die erste Anlage, die den natürlichen Bedürfnissen der Tiere entspricht, in der die Elefanten getrennt nach Geschlechtern und Sozialbedürfnissen leben können – nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Über das Europäische Artenzuchtprogramm (EAZA) werden dann der Wilhelma entsprechend asiatische Elefanten zur Zucht empfohlen: eine Mutterherde aus einem Zoo und ein Bulle aus einem anderen Zoo. Es wird nach Angaben der Wilhelma weltweit die erste Anlage sein, die nach dem Prinzip „Fission und Fusion“ gebaut ist, was so viel bedeutet wie Teilen und Zusammenführen, je nach Bedürfnis der Tiere. Die Elefantenwelt in der Wilhelma soll im Jahr 2029 fertig gestellt werden.