Die Neckartalbahn ist unzuverlässig. Das schlägt sich auch im Qualitätsranking des Landes nieder. Nun gibt es konkrete Ideen, wie sich das ab dem Sommer ändern soll.

Die Neckartalbahn mit dem Abschnitt Tübingen – Stuttgart ist erneut eine der unpünktlichsten Strecken im Land. Die Strecke, die auch durch den Kreis Esslingen führt, erreichte im Landesranking Rang 30 von 32 Plätzen. „Die regelmäßige Bewertung der Qualität der Verkehrsnetze ist für uns wichtig und Ansporn zugleich, Dinge dort besser zu machen, wo wir verantwortlich sind“, sagt Markus Kaupper, Vorsitzender der Regionalleitung von DB Regio Baden-Württemberg. Unstrittig sei, dass die Infrastruktur erneuert werden müsse. Die Unzuverlässigkeit auf dieser Strecke sei vor allem für Pendler „ein riesiges Problem“, räumte auch Verkehrsminister Winfried Hermann in einer Mitteilung ein. Im ersten Halbjahr 2025 waren laut dem Ranking nur rund 68 Prozent der Züge pünktlich.

 

Im Untersuchungszeitraum gehörte die Neckartalbahn noch zur landeseigenen Südwestdeutschen Landesverkehrs-GmbH (SWEG). Inzwischen wurde sie von DB Regio übernommen. In den vergangenen Wochen haben Fachleute nach Verbesserungsmöglichkeiten für die Strecke gesucht. Nun wollen das Ministerium für Verkehr und DB Regio zum kleinen Fahrplanwechsel im Juni 2026 eine sogenannte „überschlagene Wende“ in Tübingen umsetzen. „Das wird entscheidend zur Verbesserung der Pünktlichkeit beitragen“, stellt Kaupper in Aussicht.

Die Neckartalstrecke betreibt inzwischen nicht mehr die SWEG, sondern DB Regio. Foto: IMAGO/Arnulf Hettrich

Neues Betriebskonzept: „Überschlagene Wende“ in Tübingen geplant

Was bedeutet das konkret? „In Tübingen sollen künftig Züge so bereitstehen, dass sie im Fall von Verspätungen schnell die Zugleistung übernehmen können und Fahrgäste pünktlich starten können“, erklärt eine Bahnsprecherin. Was einfach klingt, habe erst aufwendig geprüft werden müssen. „Denn nur wenn die aus Stuttgart ankommenden Züge bis zur Zugfahrt in der darauffolgenden Stunde am Bahnsteig stehen bleiben können, ergibt sich ein positiver Effekt für die Fahrgäste“, betont sie. Eine möglicherweise von Stuttgart „mitgebrachte“ Verspätung werde dann durch die geplante Standzeit am Bahnsteig in Tübingen abgebaut und die nächste Fahrt kann pünktlich starten. Derzeit würden noch weitere Details zu Fahrzeiten und Fahrzeugumläufen erarbeitet.

Laut der Sprecherin war die Bahn auf dieser Strecke aber auch zuvor nicht untätig. Um die Infrastruktur zu verbessern, wurde etwa 2025 zwischen Metzingen und Nürtingen eine sogenannte Blockverdichtung installiert, eine weitere ist für 2027 zwischen Reutlingen und Tübingen geplant. Blockverdichtung soll die Kapazität steigern. Durch zusätzliche Signale oder modernere Leit- und Sicherungstechnik werden die Blockabstände – der Raum zum vorausfahrenden Zug – verkürzt. So können mehr Züge fahren. Zudem sei in Metzingen ein elektronisches Stellwerk in Betrieb gegangen, dessen Technik stabiler sei.

Die Unpünktlichkeit auf der Neckartalstrecke kommt laut der Pressesprecherin nicht von ungefähr. „Es ist eine der am stärksten befahrenen Strecken im Land. Fahrpläne mit dieser hohen Zugdichte sind leider entsprechend anfällig für Störungen“, erläutert sie. Einfluss habe auch die Zahl der Baustellen – und die bleibt laut Bahn 2026 weiter hoch.

Kurzfristige Sperrungen wegen Stuttgart 21

Zudem stünden derzeit auf der Strecke nicht genügend Fahrzeuge zur Verfügung. Das liege an der aufwendigen Umrüstung auf ETCS, einem System zur Vereinheitlichung des europäischen Zugverkehrs. Die vom Land als Ersatz bereitgestellten Talent-Fahrzeuge seien bei Minusgraden fehleranfällig. Hinzu kommen Probleme in der Werkstatt in Ulm, wo es wegen Bauarbeiten der Stadt zu Einschränkungen kommt. Auch Stuttgart 21 wirke sich aus. „Es gibt eine nie da gewesene Vielschichtigkeit an baulichen und betrieblichen Herausforderungen bis zur Inbetriebnahme des Eisenbahnknotens. Das erfordert umfangreiche Sperrungen – zum Teil kurzfristig“, wirbt die Sprecherin um Verständnis.