Die Zukunft des privaten Heizens liegt in der Fernwärme, aber nicht nur. Foto: Marijan Murat/dpa)
In Steinheim wird geprüft, das Wärmenetz auszubauen. In Ludwigsburg und Kornwestheim könnten 60 Prozent des Bedarfs bis 2040 mit Fernwärme abgedeckt werden. Doch was ist mit dem Rest?
Christian Kempf
14.01.2026 - 09:25 Uhr
Es mag eine bittere Wahrheit sein, aber wer mit Gas heizt, muss früher oder später viel Geld in die Hand nehmen und seine Anlage austauschen. „Die Gasverteilnetze werden perspektivisch stillgelegt“, sagte Raphael Gruseck von der Ludwigsburger Energieagentur (LEA) nun im Steinheimer Gemeinderat. Auf Wasserstoff als Ersatz könne man nicht bauen. Das habe bislang jede Untersuchung in jeder Kommune ergeben. Die Erhebungen zur Zukunft der Wärmeversorgung zeigen aber zumindest auf, wo die Reise alternativ hingehen könnte. Und zumindest in Steinheim sowie in Ludwigsburg und Kornwestheim können viele Haushalte darauf hoffen, an ein Fernwärmenetz angeschlossen zu werden.
In Steinheim wird rund um das Schulzentrum bereits ein entsprechendes Leitungsgeflecht aufgespannt. Die Kommune lässt nun untersuchen, ob das System bis in die Altstadt ausgebreitet werden könnte – oder im historischen Kern vielleicht ein eigener Kreislauf aufgebaut werden sollte. Als Wärmequelle kämen dafür die angrenzende Murr, Abwasser oder Solarthermie infrage, erläuterte Gruseck. Wobei neben der technischen Machbarkeit auch immer ein entscheidendes Kriterium ist, dass sich die Netze wirtschaftlich tragen und sich genügend Abnehmer einklinken.
Das wird in Höpfigheim und Kleinbottwar ebenfalls in die Bewertung einfließen. Denn auch für die Ortskerne in den Stadtteilen wird geprüft, ob dort ein Wärmenetz Sinn ergeben würde. Gleiches gilt für das Industriegebiet in Steinheim.
„Hohe Hemmnisse“ bei Erdwärmesonden
Raphael Gruseck von der Ludwigsburger Energieagentur hat erklärt, dass in Steinheim auch über ein zweites Wärmenetz in der Altstadt nachgedacht wird. Foto: privat
In den anderen Vierteln auf der Gemarkung müssen sich die Bürger aber mit ziemlicher Sicherheit um individuelle Lösungen kümmern, konstatierte Raphael Gruseck. „Aufgrund der aktuellen Marktentwicklung ist das wahrscheinlichste Szenario die Luft-Wärmepumpe“, sagte der Fachmann von der LEA. „Aus energetischer Sicht wären Erdwärmesonden wünschenswert. Wir sehen aber, dass es sehr hohe Hemmnisse und Hürden gibt, weil die wesentlich teurer sind in den Investitionskosten“, erklärte er.
Auch im Zuständigkeitsbereich der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB) werden sich nicht alle Haushalte an ein Wärmenetz andocken können – auch wenn die SWLB den Radius beständig erweitert. „Nach aktuellem Stand rechnen wir damit, dass unter optimalen Voraussetzungen bis 2040 etwa 60 Prozent des Wärmebedarfs in Ludwigsburg und Kornwestheim über Fernwärme gedeckt werden kann“, erläutert Pressesprecherin Jeanette Binder. Abschließende Aussagen seien aber schwierig, weil man die eigenen Transformationspläne kontinuierlich an „wirtschaftliche, technische und rechtlich-politische Entwicklungen“ anpasse.
Binder versichert aber, dass die Mehrzahl der Netze in den kommenden Jahren erweitert würde. Auf einer Karte im Internet kann man unter waerme-swlb.de nachlesen, wo die SWLB bis 2029 aktiv werden wollen, wo irgendwann danach und wo voraussichtlich gar nicht. Demnach wird beispielsweise das Geflecht in der Ludwigsburger Innenstadt zeitnah engmaschiger, während der große Korridor links und rechts der Marbacher Straße mit Hoheneck und dem Bereich rund ums Klinikum auf der To-do-Liste steht, jedoch noch nicht terminiert ist. Für weite Teile Neckarweihingens ist derweil aktuell gar kein Wärmenetz angedacht.
Sollte noch unklar sein, wie es im eigenen Viertel weitergeht, die Heizung aber bereits zicken, sollte man bei Ein- und kleinen Mehrfamilienhäusern individuelle Lösungen wie den Einbau einer Wärmepumpe in Eigenregie in Angriff nehmen, raten die SWLB. „Für größere Wohnanlagen erstellen wir auf Anfrage gerne ein individuelles Energiekonzept“, versichert Pressesprecherin Jeanette Binder.
„Nach aktuellem Stand rechnen wir damit, dass unter optimalen Voraussetzungen bis 2040 etwa 60 Prozent des Wärmedarfs in Ludwigsburg und Kornwestheim über Fernwärme gedeckt werden kann.“
Wasserstoff hat als Heizenergieträger in Privathaushalten eher keine Zukunft. Foto: Archiv (Jan Woitas/dpa)
Kaum eine Rolle wird auch nach Einschätzung der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim Wasserstoff als Energieträger für Privathaushalte spielen. Dieser sei vergleichsweise teuer. Zudem sei es effizienter, Strom aus erneuerbaren Quellen direkt zum Heizen zu nutzen, statt daraus grünen Wasserstoff zu erzeugen. „In Einzelfällen mag auch das Heizen mit Wasserstoff in Privathaushalten sinnvoll sein. Da wir aber nicht planen, das gesamte Erdgasnetz auf Wasserstoff umzustellen, wird dies eher die Ausnahme sein“, fasst Binder zusammen.
Verbraucher sollen Zeit bekommen
Zugleich stellt sie klar, dass für die Besitzer von Erdgasheizungen kein Grund besteht, in Panik zu verfallen, und der Hahn in Ludwigsburg nicht Knall auf Fall zugedreht wird. „Verbrauchern soll ausreichend Zeit gegeben werden, um sich auf die Umstellung ihrer Heizenergieart vorzubereiten. Aktuell wird über einen Vorankündigungszeitraum von zehn Jahren gesprochen, was bedeutet, dass vor 2036 keinerlei Stilllegungen erfolgen könnten“, erklärt die Pressesprecherin. Bis 2045 solle der Prozess der Außerbetriebnahme der Gasnetze allerdings abgeschlossen sein.
Anlage wird abgestellt
Rückgang Während die Gasnetze noch eine Weile weiterlaufen, schalten die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim ihre in unmittelbarer Nähe zur Ludwigsburger Gaskugel gelegene Spitzengasanlage zeitnah ab. Der Erdgasbedarf sei in den vergangenen Jahren „deutlich zurückgegangen“, der Betrieb auch nicht mehr wirtschaftlich. Ferner passe die Anlage, über die Nachfragespitzen abgedeckt wurden, nicht mehr zum Konzept der klimafreundlichen Energieerzeugung.
Abfackeln Für die Stilllegung sei es unabdingbar, die Restgasmengen in den Leitungen und der Anlage selbst kontrolliert abzufackeln. Das geschehe über einen längeren Zeitraum ab dem 14. Januar. Es bestehe dabei keine Gefahr, „auch wenn zeitweise eine größere, gut sichtbare Flamme entstehen kann“.