Nachhaltig bauen und sanieren bleibt in diesem Land – und auch in Stuttgart – die Ausnahme. Warum das fatal ist und was passieren muss, damit es klappt mit der Energiewende, sagt unser Autor Tomo Pavlovic.
Könnte gut werden – nicht abgerissen, sondern im Bestand umgebaut wird das Hotel am Schlossgarten in Stuttgart, der Entwurf für den Umbau kommt von Steimle Architekten.
Visualisierung/Steimle Architekten
Gegenüber des Stuttgarter Hauptbahnhofes in der Königstraße soll das komplette Schlossgartenquartier revitalisiert werden: im Bildvordergrund das Hotel am Schlossgarten (links) und die Adressen Königstraße 1a und 1b (rechts), im Mittelteil das Gebäude Königstraße 1c zwischen Schlossgarten und Königstraße, oberhalb davon das Eckgebäude Königstraße 3.
Lichtgut/Max Kovalenko
Wenn alles fertig ist, könnte das Quartier so aussehen.
Visualisierung Oliv GmbH Thomas Sutor Architekt/Steimle Architekten
Mit begrüntem Dach: So soll das ehemalige Kaufhaus Karstadt Sport in der Stuttgarter Königstraße 1c nach der Revitalisierung durch Oliv Architekten aus München aussehen.
In der Königstraße 1a/b plant das Büro haascookzemmrich/STUDIO205 ein Gebäude, bei dem abgebrochene Teile wieder verwendet werden – verwendet wird möglichst viel nachwachsendes Material.
Modell /Visualisierung haascookzemmrich/STUDIO2050
Bilder vom Weiterbau der über 50 Jahre alten Haupt-Tribüne der MHP Arena in Bad Cannstatt durch asp Architekten. Teile des abgebrochenen Betons wurden aufgearbeitet und an anderer Stelle im Stadion wieder eingebaut. Im Falle der Haupttribüne ist es den asp Architekten gelungen, nahezu 100 Prozent des abgebrochenen Betons wieder im Stadion zu verbauen.
asp Architekten
Neuer Eingangsbereich im Businesscenter der MHP Arena, denn nicht nur während der Spieltage ist in der Arena Betrieb. Es können auch Firmen Veranstaltungen, Konferenzen veranstalten. In der Großküche wird mit regionalen Produkten gekocht. Gehört alles zum Nachhaltigkeitsprogramm
asp Architekten/Zooey Braun
So soll das Haus des Tourismus am Stuttgarter Marktplatz nach dem Umbau des alten Kaufhauses durch asp Architekten aussehen.
Visualisierung asp Architekten / Ippolito Fleitz Group
Da Teile des Gebäudes erhalten bleiben, wird viel CO2 beim Umbau gespart.
Lichtgut/Leif Piechowski
Wo das Breuninger Parkhaus stand, entsteht ein Mobilitätshub: Blick ins geplante Innenleben des Mobilitäts-Hubs – mit viel Holz und Platz für ein Café und eine Fahrradreparaturwerkstatt. Einige abgerissene Bauteile des alten Parkhaus-Aufzugs wurden vom Ingenieurbüro knippershelbig gerettet und für den Neubau wieder verwendet. Der Entwurf des Gebäudes stammt von dem Stuttgarter Büro haascookzemmrich STUDIO2050
Visualisierung haascookzemmrich/STUDIO2050
In Straubenhardt in Baden-Württemberg steht die vom Stuttgarter Büro Wulf Architekten geplante Feuerwehr – sie ist komplett auseinanderbaubar und recycelfähig.
Brigida González/Wulf Architekten
Vorbild Schweiz: Kultur- & Gewerbegebäudes „Elys“ in Basel. Bei der Umnutzung des Coop-Verteilzentrums in Basel durch das Planungsbüro Zirkular zu einem Gewerbe- und Kulturhaus wurden rund 1000 Quadratmeter neue Fassadenfläche vorrangig aus wiederverwendetem Baumaterial erstellt.
Martin Zeller
Gewinner des Balthasar-Neumann-Preises 2025 ist: Ein Umbauprojekt in der Schweiz. Der europäische Preis für Architektur und Ingenieurleistungen ging an Pascal Flammer. Der Schweizer Architekt erhielt den Preis für seinen Entwurf für das Hobelwerk, Haus D, in Winterthur. Bauherrin ist die Baugenossenschaft „mehr als wohnen“. Die Jury würdigte insbesondere das Wiederverwenden gebrauchter Bauteile, das in Zusammenarbeit mit dem Büro in situ aus Zürich geplant worden ist.
Balthasar-Neumann-Preis 2025/Peter Tillesen
Das Spore Haus ist Sieger des DAM Preises 2025, entworfen von AFF Architekten aus Berlin. Sie haben auf einer ehemaligen Friedhofsfläche in Berlin einen Neubau errichtet. An dem monolithischen Neubau gefiel der Jury, dass auch gebrauchter Klinker zum Einsatz kam. Im Seminarraum und Auditorium stammen die Sitzschalen von alten Schulmöbeln.
Tjark Spille/DAM Preis 2025
Kreislaufgerechtes Bauen im Wohnbereich: Ein privates Wohnhaus, komplett aus recycelten Materialien erstellt – es steht als Mietshaus in Hannover auf einem Restgrundstück.
OLAF MAHLSTEDT/Cityförster
Im Bad in dem Haus in Hannover wurden alte Waschbecken verwendet und Kronkorken für den Fliesenspiegel. Über das Haus, das die Architekten Cityförster entworfen haben, lässt sich sagen, dass es wirklich ein Unikat ist: die Baufirma Gundlach hat es als Experiment konzipiert und umgesetzt.
OLAF MAHLSTEDT/Cityförster
Gerettet wurden bei diesem Wohnprojekt in Tamm (Landkreis Ludwigsburg), geplant von Architekt Harald Jahnke, Teile des alten Gewächshauses, die Klinkerfassade stammt von einem Abbruch eines alten Hauses. Die neu verwendeten Baumaterialien stammen aus der Region.
Dietmar Strauß/Jahnke Architektur
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Eine Tatsache lässt sich nicht grün reden: Die Bauwirtschaft schadet dem Klima, selbst wenn sie bei neuen Projekten verstärkt auf ökologische Baustoffe setzt. Der Grund ist meist, dass dem Neubau ein Abriss vorausging, graue Energie vernichtet wurde. Der Verbrauch von grauer Energie lässt sich kaum vermeiden, wohl aber reduzieren.
Umbauen ist in der Regel nachhaltiger als Bauen. Damit das gelingt, sollten Materialien aus dem Bestand im Kreislauf gehalten werden. Wie zirkuläres Bauen geht, zeigen Leuchtturmprojekte, meist aus dem öffentlichen Sektor. Sei es die zirkulär geplante Feuerwehr in Straubenhardt von Wulf Architekten, sei es der von asp Architekten geplante Umbau der MHP Arena in Bad Cannstatt, bei dem wiederverwendeter Beton (der zuvor im Gebäude abgetragen worden war) neu verbaut wurde.
Oder eben die Entscheidung, das alte Stuttgarter Hotel am Schlossgarten nicht abzureißen, sondern den Entwurf von Steimle Architekten umzusetzen und das Hotel umzubauen.
Doch das reicht nicht. Auch für private Bauherrschaften sind die Risiken unkalkulierbar. So ist etwa das Förderprogramm „Jung kauft Alt“ ein kompletter Misserfolg. Dabei wollte die Ampel gezielt Familien beim Kauf sanierungsbedürftiger Häuser unterstützen. Eine Medienanfrage ergab allerdings: Bis Ende des Jahres haben lediglich 223 Familien einen Antrag auf Fördermittel gestellt. In ganz Deutschland! Immer neue bürokratische Hürden und Bauvorschriften, die sich teilweise widersprechen, verhindern die Bauwende und damit die Energiewende. Das muss sich ändern, und zwar möglichst bald.