Zusätzliche Sparmaßnahme Protest bei Bosch – Mitarbeitern wird Jubiläumszulage gestrichen

Protestaktion vor dem Eingang zum Bosch-Forschungscampus in Renningen Foto: IG Metall

25 000 Beschäftigte schicken Protestschreiben an die Geschäftsleitung von Bosch. Vom nächsten Jahr an gibt es keine Sonderzahlungen mehr bei Betriebsjubiläen.

Automobilwirtschaft/Maschinenbau: Matthias Schmidt (mas)

Eine Kundgebung vor den Toren des Bosch-Forschungszentrums in Renningen und 25 000 unterzeichnete Protest-Postkarten an die Geschäftsleitung: Mitarbeiter des Technologiekonzerns Bosch wehren sich gegen die Streichung von Sonderleistungen, die von der Unternehmensleitung diese Woche bekannt gemacht wurden. Wie Bosch bestätigte, werden Zahlungen und Sonderurlaub bei Jubiläen der Betriebszugehörigkeit vom nächsten Jahr an ersatzlos gestrichen.

 

Von der Entscheidung betroffen sind alle rund 130 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Bosch in Deutschland. Die Höhe der Jubiläumszahlungen ist abhängig vom individuellen Gehalt. Das Unternehmen spricht von einer Summe im zweistelligen Millionenbereich, die dadurch eingespart werde. Eine „feierliche Würdigung von Arbeitsjubiläen“ soll es weiterhin geben.

IG Metall spricht von einem fatalen Signal bei Bosch

Die Gewerkschaft stuft die Entscheidung in einer Pressemitteilung als „fatales Signal“ ein. „Während die Beschäftigten mit hoher Flexibilität und Einsatzbereitschaft die Transformation des Unternehmens mittragen – etwa im Rahmen des Zukunftstarifvertrags – wird ihnen nun ein wichtiges Zeichen der Anerkennung genommen“, heißt es in einer Pressemitteilung vom Freitag. Rund 200 Beschäftigte hätten sich, während zur gleichen Zeit eine Aufsichtsratssitzung stattfand, zum Protest vor dem Eingang in Renningen versammelt, so die Gewerkschaft.

„Die Streichung der Jubiläumsleistungen ist nicht nur kleinlich, sie ist ein Bruch mit der Unternehmenskultur, für die Bosch einmal stand“, sagte Liane Papaioannou, die Erste Bevollmächtigte der IG Metall Stuttgart. Die Gewerkschaft fordert die Unternehmensführung auf, die Entscheidung zurückzunehmen und „in einen ernsthaften Dialog mit den Betriebsräten und der Gewerkschaft zu treten“.

Bosch will an vielen Standorten Personal abbauen

Bosch begründet die Streichung der bisher üblichen, freiwilligen Leistungen mit den Sparzwängen, denen sich das Unternehmen unterworfen sieht. „Die schwierigen konjunkturellen Rahmenbedingungen sowie der andauernde Wandel in unseren Branchen stellen Bosch – wie auch andere Unternehmen – vor große Herausforderungen“, heißt es in einem Statement des Unternehmens. Man müsse nachhaltig Kosten senken, um „wettbewerbsfähig zu bleiben und weiter in die Zukunft investieren zu können“.

Bosch-Geschäftsführer und Arbeitsdirektor Stefan Grosch Foto: Bosch

Bosch-Arbeitsdirektor: Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen

Bosch-Arbeitsdirektor Stefan Grosch sagte, die Entscheidung sei der Geschäftsführung nicht leicht gefallen. „Unsere hohe Wertschätzung für langjährige Verbundenheit bleibt unverändert. Dies bringen wir zum Ausdruck, indem wir auch weiterhin Ausbildung und Qualifikation unserer Mitarbeitenden in den Mittelpunkt stellen. Dabei geht es uns nicht um einmalige Anerkennungen, sondern um gezielte Investitionen in die kontinuierliche Entwicklung unserer Mitarbeitenden.“ Dies sei „entscheidend für die Zufriedenheit und das Engagement unserer Beschäftigten – davon sind wir überzeugt“, so Grosch.

Der Autozulieferer und Technologiekonzern verhandelt derzeit in verschiedenen Sparten und an vielen Standorten mit den Arbeitnehmervertretern über Programme zur Kostensenkung. Weltweit sollen mehr als 12 000 Stellen gestrichen werden, allein in Deutschland mehr als 7000.  

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Bosch Protest Automobile