Neue Stars in den Weinbergen Zwergschafe statt Motorsensen - „Auf natürlichere Art geht es nicht“

Ganz entzückend: Baby-Zwergschafe in Kirchheim. Foto: privat

Bretonische Zwergschafe sind jetzt in den Weinbergen in Kirchheim am Neckar (Kreis Ludwigsburg) unterwegs. Sie sorgen ökologisch für Ordnung - und sind zugleich eine echte Attraktion.

Ludwigsburg: Sandra Lesacher (sl)

Ja, was mäht denn da? So manch ein Spaziergänger in den Kirchheimer Weinbergen dürfte sich in den vergangenen Tagen und Wochen verzückt die Augen gerieben haben: Eine kleine Herde bretonischer Zwergschafe geht hier neuerdings ihrer Arbeit nach und lässt sich die Gräser zwischen den Reben schmecken, die sonst von Menschenhand mit der Motorsense gemäht werden müssten.

 

Die fünf Schafdamen und der eine Bock sind seit Winter neu bei der WeinKultur in Kirchheim am Neckar. Besonders süß: Inzwischen sind auch vier Lämmchen auf die Welt gekommen. Die winzigen Tiere sind zwischen drei und fünf Wochen alt.

Europas kleinste ökologische Rasenmäher

Die bretonischen Zwergschafe fühlen sich wohl in den Kirchheimer Weinbergen. Foto: privat

Es handelt sich um so genannte Ouessant-Schafe, die ihren Namen von einer kleinen französischen Atlantik-Insel haben. Sie sind die kleinste Schafrasse Europas. Da sie geringe Ansprüche an ihr Futter stellen – Ouessant ist recht karg – gelten die Tiere als perfekte ökologische Rasenmäher.

Und genau dieser Aufgabe geht die kleine Herde nun in Kirchheim nach. Das (menschliche) Team der WeinKultur hatte auf einer Messe Kontakt zu einem Winzer geknüpft, der die bretonischen Zwergschafe bereits in seinem Weinberg im Einsatz hat. „Das wäre doch auch was für euch“, sagt er.

Die WeinKultur aus Kirchheim wagte es und holte eine kleine Herde auf den Aussiedlerhof von Betriebsleiter Thomas Nollenberger. Er koordiniert die Bemühungen der Gemeinde Kirchheim, die Steillagen am Neckarbogen mit einem Team aus Ehrenamtlichen zu erhalten. Die nachhaltig hergestellten Weine der WeinKultur Kirchheim sind in der Obsthalle an der B27 zwischen Kirchheim und Lauffen erhältlich.

Die Neuen im Team der WeinKultur, die Zwergschafe, kamen im Winter nach Kirchheim. Die erste Zeit verbrachten die sechs erwachsenen Schafe auf dem Hof, im Frühjahr kamen die vier zuckersüßen Lämmer zur Welt – dann ging es hinaus in die Kirchheimer Weinberge.

Dass es stellenweise noch ein bisschen kühl war, macht den robusten Tieren nichts aus. „Das sind Naturschafe, das funktioniert wunderbar“, sagt Nollenberger. Er betont: „Auf natürlichere Art kann man die Bodenbearbeitung im Weinberg nicht machen.“ Das passe auch zur Arbeit der WeinKultur. „Das ist nicht nur Show.“

Damit die kleinen Schafe nicht ausbüxen oder ihnen etwas passiert, wird mit einem Elektrozaun immer ein Gebiet abgesteckt, in dem sie weiden können. Hier knabbern sie dann an den Gräsern, Kräutern und Blumen zwischen den und am Fuße der Reben.

Zwergschafe schonen Trauben

Die Gescheine der Ertragsreben sind hingegen tabu, denn daraus sollen ja Trauben wachsen. Die Helfer der WeinKultur haben den Wein aber eigens so gebogen, dass die Knospen nun etwas höher liegen. Da kommen die Zwergschafe nicht ran, hofft Thomas Nollenberger.

„Wir müssen das mal beobachten“, sagt der Betriebsleiter der WeinKultur. Bislang habe man jedenfalls gute Erfahrungen gemacht. Eine Attraktion sind die kleinen Schafe zweifelsohne: „Ich glaube, dass bisher niemand von der WeinKultur häufiger fotografiert wurde als unsere Schafe“, so Nollenberger. Auch beim Ostermarkt im Ort sei man ständig auf das neue Mäh-Team angesprochen worden.

Weitere Themen